Kinderbetreuung geplant

Unterstützung für die Flüchtlinge auf der Marbachshöhe: 200 wollen helfen

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Treffen an der Unterkunft Marbachshöhe: Dolmetscherin Maska Noorzaie (von links) mit den afghanischen Kindern Najmudin, Sohrab und Zainudin, Pfarrer Frank Nolte sowie den Koordinatoren Philipp Reiners, Wolfgang Schwieder und Axel Reiber.

Kassel. Auf den Fensterbänken der Flüchtlingsunterkunft stehen Milch- und Safttüten. Kühlschränke gibt es in dem ehemaligen Bundeswehrgebäude auf der Marbachshöhe noch nicht. Auch Waschmaschinen sollen erst noch angeschafft werden.

Vieles ist noch provisorisch in der Unterkunft für 200 Menschen, die zum größten Teil aus den Krisengebieten in Syrien, Afghanistan und dem Irak kommen.

Für Unterstützung im noch ungewohnten Kasseler Alltag will jetzt eine Gruppe von Nachbarn aus Süsterfeld / Helleböhn und Bad Wilhelmshöhe sorgen. „Nach dem ersten Aufruf sind schon 70 Menschen zum Vorbereitungstreffen gekommen“, sagt Pfarrer Frank Nolte von der Dreifaltigkeitskirche. Das Ziel ist es, Hilfe über die Grundbedürfnisse wie Essen und Kleidung hinaus auf die Beine zu stellen.

„Wir haben innerhalb kurzer Zeit 200 Rückmeldungen gehabt, die Leute stehen in den Startlöchern“, sagt Wolfgang Schwieder. Er ist einer von vier Koordinatoren, die dafür sorgen wollen, dass die Angebote gebündelt werden. Kinderbetreuung und die Vermittlung erster Sprachkenntnisse stehen ganz oben auf der Liste. Geklärt werden soll jetzt, ob es noch freie Räume auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände gibt. „Vielleicht kann uns ja auch eine Firma mit einem Bauwagen oder einem Container unterstützen“, sagt Pfarrer Nolte.

Professionelle Sprachkurse für Flüchtlinge werden erst dann angeboten, wenn ihr Asylantrag bearbeitet ist. „Bis dahin kann man doch schon mal einfache Dinge vermitteln“, sagt Schwieder. Danke, bitte, guten Tag. Unter anderem pensionierte Lehrer haben Unterstützung angeboten. Geplant ist auch ein Kontaktcafé auf dem Gelände neben der Unterkunft oder in Räumen der Kirche. So könnten Nachbarn und Flüchlinge leichter ins Gespräch kommen. Für diejenigen, die sich nicht auf Englisch verständigen können, ist unter anderem Maska Noorzaie eine wichtige Ansprechpartnerin. Sie kommt aus Afghanistan und lebt schon 20 Jahre in Kassel. Eigentlich ist sie Altenpflegerin, hilft aber auch als Übersetzerin in der Unterkunft. Sie hat schon viele bewegende Fluchterlebnisse gehört. „Hier ist eine Frau aus meiner Heimat, die sich allein mit vier Kindern durchgeschlagen hat. Ihr Mann war Lehrer und wurde von Taliban ermordet“, sagt sie.

Nach Monaten auf der Flucht hätten manche erst jetzt wieder ein Dach über dem Kopf. Teilweise müssen sich zwei Familien ein Zimmer teilen. Und trotzdem: Richtig schön sei es hier, übersetzt die Dolmetscherin, was der zehnjährige Sohrab sagt. Er und seine beiden jüngeren Brüder müssten nachts endlich nicht mehr frieren.

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