Auftritt im Zelt: Trachtengruppen beim Hessentag trotzen tropischen Temperaturen

Wollrock trotz Affenhitze

Erfrischung im Freien: Aileen Becker (von links), Katharina Kelch und Svenja Michel von der Volkstanz- und Trachtengruppe Gladenbach bei Marburg schwitzten in ihren warmen Trachten. Fotos: Zgoll

kassel. Die Sonne knallt auf das Zelt der Hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege am Friedrichsplatz. Drinnen sind es gefühlt über 40 Grad - trotz des Lüftchens, das ab und an durch die weit geöffneten Eingänge zieht.

Hessentag und Affenhitze: Der Schweiß läuft. Auch bei denen, die nur zuschauen, wie sich die Trachtengruppen auf der Bühne drehen. „Wenn ich den Wollschal nur sehe, kriege ich schon einen Schweißausbruch“, sagt Bernhard Kuhlmann über das Schultertuch der Trachtenmädchen. Der 63-Jährige ist mit seiner Frau Lotti aus Wetzlar zum Landesfest nach Kassel gekommen. Sie sitzen draußen.

„Wir haben nur mal kurz ins Zelt reingeschaut“, sagt die 59-Jährige. „Die Luft ist sehr stickig. Bei den Temperaturen bleibt das nicht aus.“ Ihr Tipp für einen entspannten Hessentag trotz Hitze: Zwischendurch immer mal wieder eine Pause machen, in den Schatten setzen und viel trinken.

Svenja Michel hat am frühen Nachmittag schon „mindestens drei Liter“ getrunken. Sie gehört zur Volkstanz- und Trachtengruppe Gladenbach, die gestern mehrmals auftrat. Mit Wolltuch um die Schulter, Unterrock, Wollrock und dicken Strümpfen. Manche haben nur einen statt zwei Unterröcke angezogen. Und einen Tanz ausgelassen, „weil die Köpfe schon ganz rot waren“, wie Karin Scholl (49) sagt. Sie macht zusammen mit zwei anderen Vereinsmitgliedern die Musik zum Tanz und löscht nun ihren Durst mit einem großen Glas Apfelsaftschorle. „Die Luft steht im Zelt“, sagt sie. Die Scheinwerfer über der Bühne sorgten für zusätzliche Hitze. Wie im Backofen.

Susanna Hucke weiß, welchen Schaden Hitze und Sonne anrichten können. Sie hat vorgesorgt. Mit Asia-Schirm und Fächer bummelt sie über den Hessentag: „Ich hatte mal einen Sonnenstich“, erzählt die 27-Jährige aus Hessisch Lichtenau. „Das war schlimm: Fieber und Schüttelfrost.“ Nicole Sopalla von der Firma Protex trägt wie alle Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes schwarze Kleidung mit gelber Weste und Kappe. Wasser bekommt sie gestellt, doch der Job verlangt ihr bei dem Wetter viel ab. „Es ist kaum erträglich“, klagt die 20-Jährige. „Ich fühle mich wie eine Wurst.“

Da haben es Christian und Andrea Isbrücker einfacher. Das Ehepaar aus Kaufungen ist mit Töchterchen Milena Mia auf dem Hessentag unterwegs und löscht seinen Durst am Stand von Kasselwasser in der Wilhelmsstraße. Einen Becher Wasser gibt es kostenlos, eine Flasche kostet einmalig 50 Cent und kann beliebig oft nachgefüllt werden. Sein Poloshirt hat der 33-jährige IT-Spezialist gegen ein auf die Schnelle gekauftes ärmelloses Hemd gewechselt, eine Kappe schützt seinen Kopf. Auch Milena Mia trägt ein Hütchen - so lässt sich die Hitze ertragen.

Von Ellen Schwaab

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.