Abschied mit Wow-Effekt

A-lop-bam-boo: Rock-’n’-Roll-Legende Peter Kraus in der Kasseler Stadthalle

Auch mit 75 ist er noch eine Wucht: Peter Kraus beim Auftritt in der Kasseler Stadthalle. Fotos: Zgoll

Kassel. Wow. Was hat der für eine Figur, was kann der sich bewegen und dazu diese Stimme, kein bisschen brüchig. Das mit 75 Jahren. Peter Kraus zeigte am Sonntag in der ausverkauften Kasseler Stadthalle während seiner Abschiedstournee „Das Beste kommt zum Schluss“, was er noch drauf hat.

Der Wahl-Schweizer präsentierte sich in engen Jeans, mit tailliertem Jeanshemd, ohne Tamtam und fetzte mit seiner roten Gitarre zu einem Rock-’n’-Roll-Medley vorwärts und rückwärts über die Bühne. Er hat nicht den Ansatz eines Bauchs und kann noch in die Knie gehen. Die spektakuläre Rücklage von früher kriegt Kraus natürlich nicht mehr hin, dafür ist sein Hüftschwung genial, und die schnellen Stepptanzschritte schafft er noch.

Als er sich, wie er selbstironisch sagte, „seniorengerecht“ auf einen Barhocker vor das Mikro setzte und wissen ließ, wie sehr es ihn freue, dass der Sound der 50er-Jahre unsterblich geworden sei, war er ein bisschen aus der Puste.

Der Auftritt in Bildern:

Peter Kraus in der Stadthalle Kassel

Peter Kraus, 1939 in München geboren, ist Phänomen, Legende, stand in unvergesslichen Filmen wie dem „Fliegenden Klassenzimmer“ mit Heinz Rühmann vor der Kamera. Er war Mädchenschwarm, Idol der Nachkriegsjugend, ist heute Omis Traum. Er steht seit über 60 Jahren auf der Bühne. Den Rock’ n’ Roll brachte er nach Deutschland, niemand sonst.

Peter Kraus tritt auch am 14. März, 20 Uhr, in der Göttinger Lokhalle auf. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Bill Haley, Elvis Presley und Little Richard rissen ihn als 16-Jährigen vom Stuhl, er wollte Musik machen wie die coolen Jungs aus den USA. 1957 hatte er mit „Tutti Frutti“ durchschlagenden Erfolg. Das Wop-bop-a-loo-lop a-lop-bam-boo hatte jeder auf den Lippen, schien es doch verwegen, so was zu singen. Dazu diese Bewegungen, die eigentlich gegen die Sitten verstießen.

Während der perfekten Show, die eine tolle, sechsköpfige Rock-Band sowie ein Sänger mit Hut und zwei Sängerinnen in schwarz-weißen Petticoat-Pünktchenkleidern begleiteten, liefen auf der Bühnenwand alte Streifen, in denen der deutsche Star mitspielte. Schön war es, als synchron zu Kraus auf der Bühne seine einstigen Auftritte mit demselben Lied zu sehen waren.

Höhepunkt war „Sugar Baby“. Deutlich wurde die Harmlosigkeit von damals, ebenso wie das große Können von Peter Kraus. Seine Stimme ist unverwechselbar, er ist verdammt bewegungsbegabt, elegant und schlaksig zugleich. Über Applaus freut er sich wie ein Junge, der von seiner Mutter für den Liedvortrag gelobt wird und strahlt ins Publikum.

Seine gute Laune, seine Leichtigkeit und sein Spaß an der Sache schwappen über. Zum Schluss rockten die Zuschauer der Generation 60 plus mit ihm. Ein fabelhafter Abend.

Von Gesa Esterer

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