Maulwürfe sind derzeit sehr aktiv und bauen Hügel in Gärten und Parkanlagen

Wühltiere auf Hochtouren

Unterirdisches Tunnelsystem vor dem Schloss Wilhelmshöhe wurde ausgebaut: Die Maulwürfe sind derzeit auch sehr aktiv im Bergpark. Foto:  Koch

Kassel. Hügel neben Hügel türmt sich derzeit auf dem Bowlinggreen vor dem Schloss Wilhelmshöhe. Es scheint so, als ob die Maulwürfe den Bergpark erobern.

Siegfried Hoß, Leiter der MHK-Abteilung Gärten und Gartenarchitekturen, nimmt die Invasion der Wühltiere in die herrschaftliche Anlage eher gelassen. „Das ist jedes Jahr dasselbe mit den Maulwürfen.“ Wenn der Schnee geschmolzen ist, dann seien überall im Park die Hügel zu sehen. Die Hügel fielen jetzt halt auf, weil das Grün noch nicht beschnitten werde. Wenn die Rasenflächen im Bergpark im Frühjahr mit der Wiesenegge geschleift werden, würden gleichzeitig die Flächen geglättet und auch die Maulwurfserde damit verteilt. Auch beim regelmäßigen Rasenmähen würden die lockeren Erdhügel abgetragen.

Nicht fangen, nicht jagen

„Die Maulwürfe sind Teil unserer Natur. Sie haben den Vorteil, dass sie Ungeziefer bekämpfen“, sagt Hoß über die Insektenfresser. Im Gegensatz zu Wühlmäusen würden sie auch keine Wurzeln anfressen. Mitunter machten sie im Frühjahr Ärger, wenn sie Beete mit frisch gepflanzten Blumen durchwühlten.

Auch bei der Unteren Naturschutzbehörde im Umwelt- und Gartenamt regt man sich über die zahlreichen Hügel in den städtischen Grünanlagen nicht auf. „Maulwürfe sind jetzt sehr aktiv und nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt“, fasst Raimond Wutke zusammen. Man ziehe die Hügel im Frühjahr einfach wieder glatt. „Die Tiere dürfen weder gefangen noch gejagt werden“, sagt Wutke. Geschweige denn verletzt oder getötet.

Nach Angaben von Kai Füldner, Leiter des Naturkundemuseums, bauen Maulwürfe verschiedene Gangsysteme. Einige Gänge dienten zum Rauben, andere, die Kessel, würden für die Weibchen gegraben. Zudem verteidigten die männlichen Maulwürfe ihre Reviere, indem sie sich diese ergraben würden. Diesen Winter könnten die Maulwürfe, die keine Winterschläfer sind, wohl noch aktiver sein. Das liege an dem milden Wetter. Der Frost sei bislang nicht so hart gewesen, dass der Boden stark gefroren sei.

Insektenvertilger

Eigentlich können sich Gartenbesitzer glücklich schätzen, wenn sie die putzigen Wühler beherbergen. Maulwürfe im Garten - das ist ein Zeichen für die gute Qualität des Bodens, heißt es. Zudem vertilgen die Tiere Drahtwürmer und Engerlinge, fressen Schnecken und lockern den Boden auf. Wenn da nur nicht der schöne Rasen durch die vielen Hügel zerstört würde.

Im Internet findet man deshalb viele Tipps, wie man die geschützten Tiere zumindest in Richtung Nachbarsgarten vertreiben kann: Mit Buttermilch, Chlorwasser, zermahlenen Knoblauchzehen oder einem Sud aus Holunderblüten. Ein Vorschlag lautet auch, in jeden Hügel zwei Fischköpfe zu legen. Dann würde garantiert jeder Maulwurf flüchten. Die Besucher der Parkanlagen aber wohl auch.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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