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Wünsche für Bebelplatz in Kassel: Beiräte fordern mehr Überwege für Fußgänger

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Von: Christina Hein

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Der Bebelplatz ist zentraler Ort im Stadtteil Vorderer Westen. Einige Fußgänger fühlen sich unsicher im Straßenverkehr und wünschen sich mehr Querungshilfen.
Der Bebelplatz ist zentraler Ort im Stadtteil Vorderer Westen. Einige Fußgänger fühlen sich unsicher im Straßenverkehr und wünschen sich mehr Querungshilfen. © Schachtschneider/Fly Now GmbH

Der Bebelplatz in Kassel benötigt mehr Querungshilfen. Die zwei Fußgängerüberwege in Nord-Süd-Richtung reichen nicht aus, sagt der Ortsbeirat.

Kassel – Vor allem im Osten und Westen des Platzes wären Querungshilfen dringend erforderlich. Diese Thesen, Mahnung und Forderung zugleich, waren der Tenor während der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats im Vorderen Westen. Die Anwesenheit und Beteiligung von Vertretern des Senioren- und des Behindertenbeirats unterstrich die Bedeutung des Anliegens. Auch in diesen Gremien war bereits die Forderung nach mehr Querungshilfen für den August-Bebel-Platz, wie er offiziell heißt, laut geworden.

Zu viele gefährliche Situationen würden sich tagtäglich ergeben, weil Fußgänger versuchten, im Bereich des Bebelplatzes Straßen zu überqueren, sagte Ortsvorsteher Steffen Müller (Grüne).

Weil der Ortsbeirat deshalb seit Jahren mehr Querungsmöglichkeiten fordert, ohne dass die Stadt darauf reagiert habe, waren die Erwartungen und Hoffnungen dieses Mal groß, denn Gast der Sitzung war der Leiter des Straßenverkehrs- und Tiefbauamts, Georg Förster. Von ihm erwarteten die Ortsbeiratsmitglieder und die zahlreichen Gäste Antworten. Doch Förster blockte mit wiederholtem Verweis auf Richtlinien und gesetzliche Vorgaben die Forderung nach mehr Überwegen ab.

Förster: „Wir sind an die rechtlichen Rahmenbedingungen gebunden.“ Es stelle sich zudem die Frage: Was ist für einen Fußgänger ein zumutbarer Umweg, so Förster mit Verweis auf die zwei vorhandenen Überwege. Man müsse die Forderungen im stadtweiten Vergleich sehen und würde sonst Präzedenzfälle schaffen. Seine Antwort war zuvor schriftlich an die Beiräte gegangen.

Grafik: Änderungswünsche für den Bebelplatz in Kassel.
Änderungswünsche für den Bebelplatz in Kassel. © HNA

„Können wir mit Grundsatzbeschlüssen kurzfristig doch noch etwas erreichen oder müssen wir ein städtisches Gesamtverkehrskonzept abwarten?“, fragte Ortsvorsteher Steffen Müller in die Versammlung. Auch Ortsbeiratsmitglied für die Grünen, Hans-Helmut Nolte, fragte Förster: Was können wir kurzfristig machen, um Abhilfe zu verschaffen?

„Es muss doch Möglichkeiten für einen weiteren Überweg geben, etwa vor der Mohren-Apotheke, sagte Thomas Nöcker vom Seniorenbeirat.

Das sagt der Verkehrsplaner: „Mehr Überwege sind möglich“

„Auch wenn die straßenverkehrsrechtliche Situation am Bebelplatz kompliziert ist, wäre es problemlos möglich, neben den zwei vorhandenen Querungshilfen, weitere einzurichten“, sagt der Verkehrsplaner und Mitglied der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen sowie des Vereins West, Andreas Schmitz. Er empfiehlt vier zusätzliche Querungshilfen im östlichen und westlichen Bereich des Platzes.

Da es sich bei dem Ring um den Platz um eine untergeordnete Straße handelt – Vorfahrtsstraße ist lediglich die für Autos gesperrte, von den Trams befahrene Fahrspur geradeaus – würde das von Förster vorgebrachte Verbot eines „Überwegs im Kurvenbereich“ nicht greifen, so Schmitz. Schon jetzt müssten Autofahrer, die abbiegen, Fußgängern eigentlich den Vorrang lassen. Das mache nur kaum einer.

Die Querungshilfen würden zu einer Verbesserung des gesamten Verkehrs, für Klarheit und Orientierung sorgen. Nach der Berechnung von Schmitz fielen für die Maßnahme zwei Parkplätze im Bereich der Mohren-Apotheke weg und nicht sieben, wie Georg Förster angibt. Einem Präzedenzfall sieht Schmitz gelassen entgegen: „Die Stadt arbeitet doch gerade an einem Fußgängerkonzept, da können gute Beispiele nur sinnvoll sein.“

Verkehrsamtsleiter: „Entfernung ist fußläufig zumutbar“

„Am Bebelplatz gibt es zwei Fußgängerüberwege, die jeweils die Nord- und Südseite mit der Mittelinsel und den Straßenbahnhaltestellen verbinden. Die Einrichtung weiterer Fußgängerüberwege ist aus verschiedenen Gründen nicht vorgesehen.

Zum einen gewährleisten die vorhandenen Fußgängerüberwege eine ausreichende und sichere Erreichbarkeit der Mittelinsel. Zwischen den drei vorgeschlagenen Standorten liegen nur jeweils 60 bis 80 Meter. Diese Entfernung ist fußläufig grundsätzlich zumutbar. Unabhängig davon kann natürlich auch an allen anderen Stellen die Fahrbahn rund um den Bebelplatz gequert werden.

Zum anderen setzt die Anlage eines Fußgängerüberwegs immer dessen frühzeitige Erkennbarkeit und eine ausreichende Sichtbeziehung zwischen Fußgänger und Fahrzeugführer voraus. Die vorgeschlagenen Fußgängerüberwege liegen allesamt im Kurvenbereich, was die Erkennbarkeit sowie die Sichtbeziehungen zwischen querungswilligen Fußgängern und Fahrzeugführern einschränkt. Nicht zuletzt würden durch die Anlage von drei Fußgängerüberwegen mindestens sieben PKW-Stellplätze, teils Kurzparkzonen mit Parkscheibe, entfallen. Der Parkraum würde insbesondere den Kunden nicht mehr zur Verfügung stehen.“

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