Debatte um geplante Neugestaltung läuft

Brüder-Grimm-Platz: Kasseler Werbefachmann hält Illustrationen für geschönt

Holze hat sich selbst ein Bild verschaffen wollen: Für seine Illustration hat er die zwei Spuren in Richtung Wilhelmshöhe nach der Vorgabe der Pläne auf eine reduziert. Allerdings soll die einzelne Fahrspur künftig rechts neben dem Gleis laufen. Die Gleise sollen begrünt werden und sind dann nicht mehr befahrbar.
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Holze hat sich selbst ein Bild verschaffen wollen: Für seine Illustration hat er die zwei Spuren in Richtung Wilhelmshöhe nach der Vorgabe der Pläne auf eine reduziert. Allerdings soll die einzelne Fahrspur künftig rechts neben dem Gleis laufen. Die Gleise sollen begrünt werden und sind dann nicht mehr befahrbar.

Der Brüder-Grimm-Platz soll für knapp zehn Millionen Euro umgestaltet werden. Baustart ist frühestens Ende 2022. Noch läuft eine Debatte über den Entwurf, der umgesetzt werden soll.

Kassel – Die Diskussion um die Neugestaltung des Brüder-Grimm-Platzes hat der Kasseler Jürgen Holze aufmerksam verfolgt. Der Werbefachmann, der jahrzehntelang die Firma Holze Werbung führte, stört sich an den Illustrationen des Siegerentwurfs. Diese würden ein verzerrtes Bild wiedergeben. „Ich befürworte die Neugestaltung und habe nichts gegen Baumpflanzungen. Der Platz ist heute ein Sammelsurium gartengestalterischer Elemente. Ich wünsche mir aber eine realistische Diskussionsgrundlage“, sagt Holze.

Siegerentwurf: Fahrspuren und Schienen wirken relativ schmal. Ebenfalls die Weinbergstraße.

Aus Sicht des Kasselers werden besonders die Verkehrsflächen in den Illustrationen der Landschaftsarchitekten Club L94 aus Köln in Arbeitsgemeinschaft mit dem Büro Röver zu klein dargestellt. So werde der Eindruck vermittelt, die Fahrbahnen und Schienen würden den Platz künftig nicht mehr dominieren. Auch die Weinbergstraße sei viel zu klein eingezeichnet und auf der Grafik kaum wahrnehmbar. Dies sei aber „geschönt“. Für den Verkehr in Richtung Grimmwelt, Elisabeth-Krankenhaus und Wohnstift am Weinberg brauche die Weinbergstraße eine gewisse Breite.

Blick auf heutigen Platz: Die Spur auf den Schienen in Richtung Wilhelmshöhe soll wegfallen.

Zudem ärgert sich Holze darüber, dass durch die jüngste Darstellung aus der Vogelperspektive suggeriert werde, dass der Platz künftig als Einheit wahrgenommen werde. „Kaum jemand schaut aus dem 10. Stock auf den Platz. Tatsächlich wird er sich aus der Perspektive der Passanten anders präsentieren“, glaubt Holze. Der Flächenbedarf für Fahrbahnen und Schienen erschwere das Unterfangen eines einheitlichen Platzbildes aber auch ungemein, räumt er ein. Schließlich gebe es wegen der Nähe zur Rathauskreuzung schon jetzt oft Rückstaus auf der Wilhelmshöher Allee.

Werbefachmann aus Kassel: Jürgen Holze

Um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen, hat Holze in Fotos vom Platz die geplanten Kiefern montiert und die Fahrbahnen nach Vorbild der Pläne reduziert. Vorgesehen ist, im Bereich des Platzes die Fahrbahnen in Richtung Wilhelmshöhe auf eine Spur zu verengen. In die Gegenrichtung wird es wegen der Abbiegemöglichkeit in Richtung Friedrichsstraße eine abschnittsweise Aufweitung auf zwei Spuren geben.

Auch moniert Holze, dass in den Illustrationen technische Anlagen wie etwa die Masten für die Oberleitungen der Straßenbahnen nicht auftauchten. Diese prägten das Platzbild aber deutlich. Auch Verkehrsschilder und Ähnliches sei eliminiert worden.

Die Stadt Kassel kann die Kritik von Holze nicht nachvollziehen. „Die gewählten Perspektiven sind wie Momentaufnahmen aus dem Planungsprozess zu verstehen“, so ein Sprecher. Die Stadt habe zur weiteren Verdeutlichung des Entwurfs dem Planungsteam zusätzlich die Erstellung eines physischen Modells in Auftrag gegeben.

Der Sprecher verweist zudem auf eine weitere Illustration, die die Perspektive aus Sicht der Passanten zeige. Insofern sei die Vogelperspektive nur eine wichtige Ergänzung. Aus Blickhöhe der Fußgänger sei aufgrund der abschüssigen Platztopografie ein Gesamteindruck auch nur von einigen Standorten möglich. Tatsächlich ist auf der Fußgängerperspektive des Entwurfs die künftige Wirkung des Straßenbereichs aber ebenfalls kaum erkennbar.

Nach Auskunft der Stadt wird die nächste veröffentlichte Perspektive den Platz wieder „eher aus Fußgängersicht zeigen“. Zur Frage, warum Masten und Schilder nicht abgebildet wurden, heißt es aus dem Rathaus: „In diesem frühen Zeitpunkt des Planungsprozesses ist es üblich, dass Straßenschilder, Stromkästen etc. noch nicht dargestellt werden. Die genaue Lage dieser Elemente wird erst in späteren Planungsprozessen festgelegt. Im Zuge dieser Prozesse wird die Stadt Kassel der interessierten Öffentlichkeit weitere Planungsdetails und Ansichten präsentieren.“

Diese Alternativen standen für Grimm-Platz zur Wahl: Ausstellung im KAZ

Der Entscheidung für den Entwurf der Landschaftsarchitekten Club L94 aus Köln in Arbeitsgemeinschaft mit dem Büro Röver ging ein langer Auswahlprozess voraus. Für den zweiphasigen Architekturwettbewerb der Stadt Kassel waren insgesamt 16 Arbeiten abgegeben worden. Am Ende wurden zwei erste Preise und ein zweiter Preis vergeben. Erst nach weiteren Verhandlungen mit den Siegern, die ihre Entwürfe nochmals konkretisieren mussten, wurde der Zuschlag erteilt.

Zweiter Preis: Entwurf von Faktorgruen Landschaftsarchitekten aus Freiburg.

Das Kasseler Architekturzentrum (KAZ) im Kulturbahnhof zeigt ab Freitag, 5. November, sämtliche Entwürfe des Wettbewerbs.

Nach der Vernissage, die ab 19 Uhr mit Stadtbaurat Christof Nolda stattfindet, sind die Besucher zu einer Diskussion mit Vertretern der Stadt und des KAZ eingeladen. Vom KAZ werden dessen Vorsitzende Barbara Ettinger-Brinckmann und Mark Köhler, Vorsitzender der Kasseler BDA-Gruppe (Bund Deutscher Architekten), sprechen.

Bekam ebenfalls den ersten Preis: Entwurf des Berliner Büros bbzl Böhm Benfer Zahiri Landschaften Städtebau.

In großem Maßstab werden jene sieben Wettbewerbsbeiträge ausgestellt, die es bis in die zweite Phase des Wettbewerbs geschafft hatten. Die weiteren neun Beiträge sind ebenfalls in kleinem Maßstab zu sehen. Außerdem die neuesten und überarbeiteten Entwürfe des Büros Club L94. Ebenfalls öffentlich einzusehen sind die Protokolle des Preisgerichtes, sämtliche Einzelbewertungen und die Abstimmungsergebnisse.

Bei der Finissage am 23. November, 19 Uhr, wird es eine weitere Debatte mit den Besuchern geben. (Bastian Ludwig)

Öffnungszeiten: Mi-Fr 17-20 Uhr, Sa-So 16-19 Uhr.

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