Drei Kenner haben an 17 Ständen probiert

Würzig und nicht zu süß: Glühweintest auf dem Weihnachtsmarkt

Kassel. Der Glühwein auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt schmeckt in diesem Jahr offenbar besonders lecker. So gute Noten gab es von den Testern jedenfalls noch nie. Mit einem Durchschnitt von 1,9 ist der dritte HNA-Glühweintest rekordverdächtig. Oder waren diesmal die Weinexperten weniger streng?

An weinseliger Stimmung jedenfalls kann es nicht gelegen haben, dass die Urteile milde ausfielen. Denn natürlich nehmen die Testtrinker immer nur einen kleinen Probierschluck. Stefan Textor hat sogar extra einen Sektkühler als Spucknapf mitgebracht. Schließlich gilt es, 17 Glühweinstände abzuklappern - wie soll man da am Ende noch objektiv sein, wenn man jedesmal die ganze Tasse leer trinkt?

Weinkenner bei der Arbeit: Unsere Tester Stefan Textor (Mitte, von links), Elis Levorato und Eduard Jaisler probierten sich an den 17 Glühweinständen des Weihnachtsmarkts durch. Natürlich gab es immer nur einen kleinen Schluck.

Ohnehin muss man Wein nicht runterschlucken, um seine Qualität zu beurteilen, erklärt Textor. „Das meiste nimmt man über die Nase auf.“ Als Erstes kreist er schnuppernd über die dampfende Tasse und atmet dabei ein. Dann nimmt der 30-jährige Weinexperte einen Schluck und schiebt ihn im Mund hin und her. Nach dem Ausspucken schmeckt er schmatzend noch ein paar Mal hinterher.

„Es darf nicht so süß sein, dass die Zunge klebt“, sagt Textor, „dann kann ich auch Cola trinken.“ Wenn der Wein angenehm trocken im Nachgang sei, profitiere nicht zuletzt der Standbetreiber: „Dann hat man nämlich auch noch Lust auf ein zweites Glas.“

Unsere Tester

Elis Levorato, 56, betreibt mit seiner Frau Gisela seit fast 30 Jahren das Restaurant / Weinstube Osteria (Jordanstraße). Der gebürtige Italiener liebt deutsche Weißweine und schwere Rotweine aus Süditalien und Übersee.

Eduard Jaisler, 31, ist Koch und zugleich Chef im Restaurant Park Schönfeld, das er mit seiner Partnerin Sabrina Schoregg betreibt. Jaisler stammt aus Kasachstan und bevorzugt unter den Weinen derzeit Amarone und warmen Portwein.

Stefan Textor, 30 , ist Diplom-Sommelier und führt mit seiner Frau Ines die Weinbar und Weinhandlung Korkhaus in Harleshausen. An kalten, ungemütlichen Wintertagen trinkt er gern Shiraz oder Cabernet. (rud)

Elis Levorato ist nach den ersten Probierschlücken angenehm überrascht. Der 56-jährige Gastronom, der aus Norditalien stammt, war seit 20 Jahren nicht auf dem Weihnachtsmarkt und hielt bisher nicht viel von Glühwein. Beim Kosten schmeckt er jetzt den Aromen nach. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so große Unterschiede gibt. Hier zum Beispiel schmecke ich Brombeere und ein bisschen Kokosmilch heraus.“ Auch eine Note von Nelke und Orange gehört für Levorato dazu. Eduard Jaisler sieht es genauso: Die Würze ist das A und O beim Glühwein. Sein Urteil fällt am Ende des von Kassel Marketing organisierten Rundgangs: „Es war nichts dabei, wo man sagt: Igitt, das kann man keinem anbieten.“ Einziger Ausreißer beim Test war ein Stand, an dem die Bedienung den Weinkennern das Getränk im Pappbecher reichte: Für die Gastronomen ein Stilbruch. Doch selbst der am schlechtesten bewertete Stand kam noch mit einer 2,7 weg.

Der Glühweintest habe sich inzwischen zum Ansporn für die Standbetreiber entwickelt, sagt Andrea Behrens von Kassel Marketing. „Dadurch hat sich die Qualität in den vergangenen Jahren verbessert. Denn natürlich will jeder gut abschneiden.“

Von Katja Rudolph

Die Top 3

Das Notenspektrum beim dritten Glühweintest reicht von einer fast glatten 1 bis zur 2,7. Die Endnote setzt sich jeweils zusammen aus den Einzelbewertungen für Geruch, Geschmack, Aussehen und Gesamteindruck. Durchschnittsnote über alle 17 Stände: 1,9

Oswalds Käsehütte: Spitzenglühwein gibt es nach dem Urteil der Tester bei Oswalds Käsehütte auf dem Königsplatz (oberer Teil). Note: 1,1. „Hammerhart!“, freut sich Standbetreiber Emil Oswald aus Witzenhausen. Er bietet Bio-Glühwein aus einem spanischen Tempranillo an, der in der Pfalz zum Glühwein verfeinert wird.

Finnenstand: Platz 2 hat der Finnenstand von Annika Salonen auf dem Königsplatz (vor der Commerzbank) ergattert. Er bekommt die Note 1,3. Notenmäßig ist das sogar eine Verbesserung zum vorigen Test, als es für eine 1,4 den ersten Platz für die Finnen gab.

Niers Glühweinhütte:  Der 3. Platz geht an Niers Glühweinhütte auf dem Friedrichsplatz (neben dem Riesenrad). Note: 1,4.

Die früheren Sieger

2011:

Durchschnittsnote 3,4

1. Finnenstand (1,4)

2. Heiße Quelle Nr. 1 (2,0)

3. Rupperts Almhütte (2,4)

2010:

Durchschnittsnote 2,3

1. Schellbergs Glühweinhütte (1,6)

2. Rupperts Almhütte / Oswalds Käsehütte (beide 1,7)

3. Rudolphs Glühweinhütte (2,0)

Rubriklistenbild: © Fischer

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