Haftbefehl gegen 30-jährigen Kasseler, der als Angeklagter nicht zur Gerichtsverhandlung erschien

Wüste Drohungen im Drogenmilieu

Kassel. Im Saal des Amtsgerichts war der Geräuschkulisse nach die Landung eines Hubschraubers zu erwarten. Irgendetwas im Raum E 116 rumorte gewaltig, mutmaßlich die Lüftung. Im Saal traf jedenfalls kein Hubschrauber ein, sondern ein Angeklagter blieb aus.

Zwei Männer im Alter von 25 und 30 Jahren, so hatte es die Staatsanwaltschaft angekündigt, sollten sich vor dem Amtsgericht wegen versuchter räuberischer Erpressung verantworten.

Den Angaben zufolge geht es um wüste Drohungen im Drogenmilieu: Im Herbst 2011 soll der Jüngere einem 23-Jährigen in Kassel mehrfach kleinere Mengen Marihuana verkauft haben. Dann soll er verlangt haben, dass der Kunde ihm 10 000 Euro leihe - und deswegen Druck gemacht haben.

Gemeinsam mit dem 30-Jährigen habe der 25-Jährige, so die Staatsanwaltschaft, dem Kunden erzählt, man brauche das Geld, um Drogenschulden bei den Lieferanten zu bezahlen. Für den Fall, dass der 23-Jährige ihnen das Geld nicht gebe, hätten die beiden gedroht, ihn bei den Hintermännern für die fehlende Zahlung verantwortlich zu machen - diese würden ihm dann gegebenenfalls Finger oder Beine abschneiden.

Viele Ausreden

Gestern vor Gericht erschien nur der 25-jährige Angeklagte. Er war aus Münster angereist. Der 30-jährige Kasseler fehlte. Er hatte am Morgen im Gericht angerufen und eine Nachricht hinterlassen, die ein wenig an jene Szene aus dem Film „Blues Brothers“ erinnert, in der einer der Titelhelden mit immer wilder werdenden Argumenten seine Abwesenheit bei einem wichtigen Termin zu legitimieren versucht.

Der Angeklagte machte geltend: Räumliche Abwesenheit (in Uslar), Krankheit (Magenkrämpfe) und Transportunfähigkeit, eine Arztpraxis, die nicht zum Faxen eines Attests bereit sei, zu Hause gelassene Faxnummern, Abwesenheit aller Menschen, die ihm weiterhelfen könnten. Er habe versucht, den Mann unter der angegebenen Handynummer zurückzurufen, berichtete Richter Klaus Döll. Erfolg habe das nicht gehabt.

Ohne den Mann aber konnte nicht verhandelt werden - sehr zum Unmut des erschienenen Angeklagten. Er ereiferte sich, stellte unflätige Vermutungen an, was der andere gerade tue und dass der sicher „lacht, dass er sogar den Richter verarscht hat“. „Das muss er erst mal schaffen“, war Dölls Kommentar. Er schickte zunächst die Polizei los - die den Angeklagten nicht zu Hause antraf. Dann erging der Haftbefehl gegen den 30-Jährigen, den der Oberstaatsanwalt sowieso schon beantragt hatte. Ein neuer Verhandlungstermin wurde für Mitte Dezember angesetzt.

Von Katja Schmidt

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