Mutter überlegt Klage

Wunschrecht für Kita-Platz: Stadt Kassel setzt Grenzen

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Sie hoffen noch auf ein gutes Ende: Esther Kux und ihr Sohn Marten (4), der noch in der Kita Dönche betreut wird.

Kassel. Bei der Wahl eines Kita-Platzes gilt in Deutschland das Wunschrecht. Diesem setzt die Stadt Kassel aber Grenzen.

Kasseler Kita-Plätze nur für Kasseler Kinder, heißt es im Rathaus. Dabei würden gern viele Eltern aus dem Umland ihre Kinder in Kassel betreuen lassen.

Esther Kux (35) weiß nicht weiter. Ihr Sohn Marten (4) wird seit einem Jahr in der Kita Dönche betreut. Nun soll er die Kita aber verlassen. Der Grund: Die Kita erhält für Marten keine Zuschüsse von der Stadt Kassel. Für die alleinerziehende Mutter aus Alheim (Kreis Hersfeld-Rotenburg) ist dies ein großes Problem. Denn die Pädagogin arbeitet in Kassel im Institut Lauterbad – pendelt täglich eine Stunde. „Ich kann meinen Vollzeitjob und die Erziehung nur vereinbaren, wenn Marten in Kassel betreut wird“, sagt sie.

Kux war froh, als sie nach langer Suche in Kassel eine feste Stelle fand. Dafür nahm sie auch die Pendelei in Kauf. Weil sie zuhause noch ihre 93-jährige Großmutter pflegt, kam ein Umzug nicht infrage. Zudem habe sie zunächst nur einen Einjahresvertrag und wisse nicht, ob sie in Kassel beruflich eine Perspektive habe.

Also suchte die 35-Jährige in Kassel einen Kita-Platz und wurde an der Dönche fündig – das dortige Konzept nach Waldorf überzeugte sie. „Zuvor war ich auf der Gemeinde in Alheim, wo man mir mündlich zusicherte, dass die Gemeinde den Betriebskostenzuschuss für Marten trage, selbst wenn er in Kassel betreut würde. Unter der Bedingung sagte mir die Kita Dönche zu, Marten aufzunehmen“, so Kux.

Schließlich lehnte die Gemeinde den Zuschuss doch ab. Die Gemeinde zahle nur bei kommunaler Trägerschaft – die Kita Dönche ist eine private Initiative. Zudem gebe es in Alheim genug Kita-Plätze. „Die Kitas dort sind zeitlich nicht flexibel genug, um meine Vollzeitstelle in Kassel auszuüben“, hält Kux dagegen.

Eine Weile mühte sich die Mutter, die Verantwortlichen ihrer Gemeinde umzustimmen. Ohne Erfolg. Die Kita Dönche teilte ihr mit, dass Marten die Einrichtung zum 1. Januar 2016 verlassen müsse. „Wir bedauern das und würden gern dem Wunsch der Mutter weiter entsprechen“, sagt Guido Sengle, Verwaltungsleiter der Kita. Finanziell könne die kleine Kita den Ausfall von monatlich 256 Euro aber nicht länger tragen. „Zusätzlich zum Elternbeitrag von 160 Euro kann ich das Geld auch nicht aufbringen“, sagt Kux.

Aber selbst wenn die Gemeinde Alheim sich noch umstimmen ließe, hätte Kux keine Aussicht auf Erfolg. Denn die Stadt lehne die Aufnahme von Landkreiskindern in städtischen Kitas grundsätzlich ab, sagt Jugenddezernentin Anne Janz (Grüne). Auch an freie und konfessionelle Träger würden für Kinder aus dem Umland keine Zuschüsse gezahlt oder weitergeleitet.

Kux überlegt, einen bezuschussten Kita-Platz in Kassel einzuklagen. Tatsächlich gibt es Urteile, die Eltern das Recht zusprachen, ihre Kinder auch außerhalb ihrer Heimatgemeinde betreuen zu lassen. Denn das Kinderförderungsgesetz sieht ein Wunsch- und Wahlrecht der Eltern vor. Demgegenüber steht die Planungshoheit der Kommunen.

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