Kompostierung mithilfe der Tierchen: Student entwickelt flüssigen Humus

Der Wurm muss drin sein

Ein Wurm-Fan: Der Witzenhäuser Student Tobias Engl entwickelt einen flüssigen Wurmkompost. Fotos: Schröter

Witzenhausen. „Der Wurm ist das wichtigste Tier der Erde,“ sagt Tobias Engl. Der Münchener, der am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Uni Kassel in Witzenhausen studiert, beschäftigt sich seit Jahren mit der Wurmkompostierung.

„Das ist eine der feinsten Facetten des Recycelns von diversen organischen Abfällen und ein klassischer Grundstein für den ökologischen Landbau.“ Der 32-jährige Student ist im Begriff, diese Art der natürlichen Düngung durch die Entwicklung eines flüssigen Wurmkomposts entscheidend zu verbessern.

„Wurmkompostierung gibt es schon seit über 100 Jahren“, weiß Tobias Engl. Bei der herkömmlichen Methode werden organische Abfälle wie Obst, Gemüse, Kaffeesatz und Tee, aber auch Fleisch- und Milchprodukte zu einem Brei gehäckselt, in eine spezielle Wurmkompostbox geschichtet und mit einer dünnen Stroh- oder Streuschicht bedeckt.

Nachdem Milliarden von Mikro- und Makroorganismen das Material anschließend weiter zerkleinert haben, wird der dadurch entstandene Rohhumus von Kompostwürmern (Eisenia Foetida) gefressen. „Im Verdauungstrakt des Wurms wird das Material komprimiert, und die Nährstoffe werden konzentriert“, so Engl. Nachdem es dann als kompakter Kompost ausgeschieden wurde, wird dieser ausgesiebt. Damit werden organische Abfälle zügig, effizient und zudem hygienisch verwertet.

„Der Wurmkompost ist ein hocheffektiver und dabei komplett natürlicher Dünger“, sagt Engl. Dieser könne direkt als Gartenerde genutzt oder anderen Substraten beigemischt werden. „In Asien, Afrika und Indien wird er auf Feldern ausgebracht und so in den landwirtschaftlichen Kreislauf integriert“, sagt der Student. Er könne nahezu ohne Kosten produziert werden, da er von allen Düngern den mit Abstand geringsten Energieaufwand erfordere. Ein entscheidender Faktor angesichts der Tatsache, dass die Unabhängigkeit von Dünger global gesehen eine zunehmend wichtigere Rolle in der Pflanzenproduktion spiele.

Den Vorteil des flüssigen Wurmhumus, an dem Engl seit zwei Jahren arbeitet und der mit einem speziellen Verfahren aus einem herkömmlichen Wurmkompostsystem gewonnen wird, sieht der 32-Jährige vor allem in der einfacheren Ausbringung auf Felder. „Ich mache vollwertige flüssige Erde, mit der Pflanzen ernährt werden können“, sagt er. Die ersten Ergebnisse seien sehr ermutigend, auch wenn der Flüssighumus in aufwendigen Tests noch seine Wirksamkeit unter Beweis stellen müsse. Erst wenn dies geschehen sei, könne daran gedacht werden, das von ihm entwickelte System zum Herstellen des Flüssigkomposts auf den Markt zu bringen.

Von Per Schröter

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