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Wurst-Streit: Jetzt appellieren Stadtverordnete an die Veranstalter

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Von: Andreas Hermann

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Beim Tag der Erde 2016 auf der Friedrich-Ebert-Straße wurde auch Fleisch angeboten.
Beim Tag der Erde 2016 auf der Friedrich-Ebert-Straße wurde auch Fleisch angeboten. © Schachtschneider

Kassel. Wegen des Kasseler Bratwurst-Streits, der bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat, wollen die Stadtverordneten an das Umwelthaus appellieren.

Sie sollen Fleisch beim Kasseler Umwelt- und Kulturfest doch noch zuzulassen. Dass die Veranstalter den für 28. April in Wolfsanger geplanten Tag der Erde fleischlos feiern wollen, hat die Stadtverordneten am Montagabend beschäftigt. Auf Antrag der CDU-Fraktion und mit Zweidrittelmehrheit wurde das Thema zusätzlich auf die Tagesordnung genommen und kontrovers diskutiert. Die Mehrheit einigte sich schließlich auf einen Appell an das Umwelthaus, die Entscheidung noch einmal zu überdenken, um Bratwurst und Co. bei dem Kasseler Umwelt- und Kulturfest doch noch zuzulassen.´

„Es geht um ein klares Bekenntnis zu unserer Region und unseren Spezialitäten“, meinte Stefan Kortmann (CDU). Ahle Wurst, Weckewerk und Bratwurst gehörten zu Kassel wie Herkules und Fulda. Daher müsse das Stadtparlament die Entscheidung, diese Spezialitäten nicht anzubieten, missbilligen. Die Verantwortlichen sollten ihren Entschluss revidieren. Besucher sollten selbst entscheiden, was sie essen wollen.

Im Grundsatz sah Wolfgang Decker (SPD) das ähnlich. Da aber nicht die Stadt, sondern das Umwelthaus Veranstalter sei, habe die Stadtverordnetenversammlung nichts zu regeln. Decker schlug vor, die Missbilligung zu streichen und die Forderung durch einen Appell zu ersetzen. Dem so geänderten Antrag schloss sich neben CDU und SPD auch die AfD-Fraktion an.

Grüne, Linke sowie Freie Wähler und Piraten betonten hingegen, das Angebot sei Angelegenheit des Umwelthauses. „Wir als Stadt greifen in die Autonomie des Veranstalters nicht ein“, sagte Eva Koch (Grüne). Zudem gebe es in der Stadt wichtigere Probleme.

Sven Dreyer (AfD) nutzte den Bratwurst-Streit dazu, neben dem „Umerziehungskurs“ des Umwelthauses gleich auch Oberbürgermeister Hilgen und Bundeskanzlerin Merkel zu kritisieren. Empört wiesen das Vertreter anderer Fraktionen zurück.

Hintergrund: Der Tag der Erde 

Der Tag der Erde wird jährlich am letzten Aprilwochenende in einem anderen Kasseler Stadtteil ausgetragen. Zu dem Umwelt- und Kulturspektakel kommen jeweils mindestens 20.000 Besucher. 

Diesmal ist Wolfsanger Austragungsort. Laut Dr. Hanna Bielefeld-Hart vom städtischen Umwelt- und Gartenamt wird die Feiermeile 2017 wegen der relativen Enge im Ortskern kleiner ausfallen als gewohnt. Von über 200 Standbetreibern müsse man deshalb etwa 90 Ausstellern absagen. Als Auswahlkriterium dafür sollte auf traditionelle Imbissstände verzichtet werden, die vor allem Bratwurst anbieten. 

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