Unmut und kontroverse Debatten

Wurstverbot: Nur fleischlose Imbisse zum Tag der Erde in Wolfsanger eingeladen

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Drangvolle Enge: Beim Tag der Erde 2016 drängten sich Menschenmassen auf der Friedrich-Ebert-Straße. Für das diesjährige Umweltfest im April in Wolfsanger haben die Veranstalter ein Bratwurstverbot verhängt – das führt zu Unmut und Debatten.

Kassel. Bei den Planungen zum Tag der Erde am 23. April gibt es Unmut: Die Veranstalter haben alle langjährigen Anbieter ausgeladen, die fleischhaltige Imbisse anbieten.

Offizielle Begründung: Platzmangel im alten Dorfkern von Wolfsanger.

Wolfsanger ist in diesem Jahr Gastgeber für den Tag der Erde, der jährlich am letzten Aprilwochenende in einem anderen Kasseler Stadtteil ausgetragen wird. Zu dem Umwelt- und Kulturspektakel kommen jeweils mindestens 20 000 Besucher – die in Wolfsanger erstmals komplett auf Bratwurst und sonstige fleischhaltigen Fest-Imbisse verzichten sollen. Diese Planungen sorgten für Kontroversen und verständnisloses Kopfschütteln in der jüngsten Ortsbeiratssitzung, zu der zahlreiche Stadtteilbewohner gekommen waren.

Für das städtische Umwelt- und Gartenamt als Mitveranstalter informierte Dr. Hanna Bielefeld-Hart über den aktuellen Planungsstand. Wegen der relativen Enge im Ortskern von Wolfsanger werde die Festmeile kleiner ausfallen als gewohnt, führte sie aus. Von über 200 Standbetreibern müsse man deshalb etwa 90 Ausstellern absagen.

Als Auswahlkriterium dafür werde nun auf traditionelle Imbissstände verzichtet, die vor allem Bratwurst anbieten. Diese würden relativ viel Platz verbrauchen, sagte Bielefeld-Hart. Gemeinsam mit dem Verein Umwelthaus Kassel als weiterem Veranstalter habe man entschieden, einen komplett fleischlosen Tag der Erde zu organisieren. Diese Entscheidung stehe auch fest – trotz etlicher Unmutsbekundungen und Debatten in der Ortsbeiratssitzung.

Der Stadtverordnete Stefan Kortmann (CDU) kritisierte etwa, dass damit auch Produkte verbannt würden, die zur dörflich geprägten Tradition des Stadtteils gehören. Die Aspekte Platzmangel und verordneter Fleischverzicht vermischten sich teilweise in der Debatte.

Gartenamtsvertreterin Bielefeld-Hart kündigte an, der Charakter des Umwelt- und Kulturfestes solle erhalten bleiben – „allerdings deutlich reduziert.“ Für Aussteller aus dem Stadtteil sei gleichwohl noch Platz beim Tag der Erde. Anmeldeschluss für Vereine und Gewerbetreibende aus Wolfsanger ist der 28. Februar.

Weiterhin informierten die Veranstalter über den geplanten Verlauf der Festmeile. Diese soll sich mehr als einen Kilometer lang über die Wolfsangerstraße ab der Kreuzung „Hinter dem Fasanenhof“ bis zur Johannis-Kirche erstrecken.

Ab der Kreuzung zum Wolfsgraben sei die Straße jedoch durch ihre geringe Breite nur noch beschränkt nutzbar. Daher habe man sich entschlossen, auch einige Nebenstraßen einzubeziehen. Dazu gehören der Rinnbornweg, der Wolfsgraben zwischen der Einmündung zur Fuldatalstraße und der Kreuzung „Auf der Freiheit“ sowie der Roßpfad.

Bielefeld-Hart forderte die Anwohner entlang dieser Strecke erneut auf, Privatflächen zur Verfügung zu stellen – insbesondere am schmalen Teil der Meile bis zur Kirche, damit diese nicht vom restlichen Geschehen abgeschnitten werde.

"Wir haben uns schon sehr über die Absage geärgert“, sagte Maria Mota von „Mota’s Wurstkeller“ auf Anfrage der HNA. Die Firma aus Lohfelden hatte fünf Jahre beim Tag der Erde Wurstwaren in Bio- und in gentechnikfreier Qualität verkauft. Auch Bio-Bratwurst vom Grill sollte es künftig geben: „Das würde sehr gut laufen, unsere Kunden fragen alle danach“, sagte Mota. 

Vor Kurzem aber sei ein Brief der Veranstalter gekommen. Darin wurden die „lieben Mitbewohnenden des blauen Planeten“ informiert, dass man sie „diesmal nicht mit einem Stand beteiligen“ könne. Grund: Es gebe auf der Festmeile nicht genügend Platz. Und außerdem werde man diesmal „ausschließlich vegetarische und vegane Speisen“ ins Angebot nehmen. 

Auch Metzger Gerhard Reichel aus Kaufungen, 15 Mal dabei, hat einen solchen Brief bekommen. Er sagte, er sei nicht sicher, „ob die Besucher damit glücklich sind“. Im Gespräch nannte Reichel die Sichtweise der Organisatoren „ein wenig extrem“, meinte aber zugleich: „Der Veranstalter ist eben maßgeblich“ und habe auch das Recht, ein rein vegetarisches Konzept zu bestimmen. 

Reichel selbst hat darauf reagiert, indem er sich einen Lieferanten für eine vegetarische Bratwurst gesucht hat. Damit sowie mit Nudel- und Gemüsegerichten hat er sich für den Tag der Erde 2017 erneut beworben – und nach eigenen Angaben schon eine Zusage erhalten. Mit Veggie-Würsten statt tierischer Bratwurst ist für ihn nun offenbar Platz auf der engen Meile.

Von Axel Schwarz und Janina Müller

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