Mann soll Tür der Familienkasse zerstört haben

Kassel. Keine Frage: Der Mann ist ein Wutbürger. Ein Stinksauer-Bürger sogar. Jedenfalls immer dann, wenn er zur Familienkasse der Stadt Kassel muss, um den Kinderzuschlag für seine Großfamilie zu beantragen.

An einem Junimorgen 2012 soll der 34-Jährige sogar so aufgebracht gewesen sein, dass er eine Glastür der Behörde zerdeppert habe. Am Mittwoch beteuerte der Mann vor dem Kasseler Amtsgericht seine Unschuld.

Freigesprochen aber wurde er trotz mäßiger Beweislage nicht. Zähneknirschend stimmte der Vater von fünf Kindern einer Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von 200 Euro Geldbuße zu. „200 Euro fürs Nichtstun?“, hatte sich der Angeklagte zunächst erregt. Doch nachdem ihm Gericht und Staatsanwaltschaft nachdrücklich einen weiteren Verhandlungstermin (und damit weiteren Verdienstausfall) in Aussicht gestellt hatten, gab der Mann auf.

Es ging um Sachbeschädigung. Wutentbrannt soll der 34-Jährige an jenem Morgen das Büro seiner Sachbearbeiterin verlassen und anschließend auf dem Flur eine Tür so heftig aufgerissen haben, dass der Glaseinsatz zersplitterte. Schaden: 465,29 Euro. Und die Wut gab der Angeklagte auch freimütig zu. Er habe sich mit der Sachbearbeiterin streiten müssen. „Ich halte diese Frau für inkompetent“, sagte er. Und das habe er nicht nur ihr, sondern auch ihrem Chef bereits sehr deutlich gemacht. Wohl deshalb habe sie ihn sofort verdächtigt, als die Tür zu Bruch gegangen sei. Dabei habe er trotz seiner Wut mit Gewalt nichts am Hut.

Der einzige Augenzeuge der Tat erkannte den Angeklagten vor Gericht nicht wieder: „Ich habe diesen Mann noch nie gesehen“, sagte der 38-jährige Besucher der Familienkasse. Nur dass er damals einen Gipsarm hatte, stimmte mit der Täterbeschreibung überein. Und dass er wütend war, natürlich.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich erstaunlicherweise trotzdem von der Schuld des Angeklagten überzeugt – und kündigte an, die Sachbearbeiterin vernehmen zu wollen. Da winkte der 34-Jährige ab. „Was die sagen wird, kann ich mir denken“, grollte er – und akzeptierte lieber die Einstellung des Verfahrens.

Von Joachim F. Tornau

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