Tochter spricht über den Mordprozess gegen ihren Onkel und Zukunftspläne

Yaren Savasci: „Meine Mutter hat mir ihre Angst nie gezeigt"

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Starker Auftritt im Gerichtssaal: Yaren Savasci trat im Mordprozess gegen ihren Onkel als Nebenklägerin auf. Sie wurde dabei von der Kasseler Anwältin Katharina Heinecke unterstützt.

Nach dem Mord an der Kasselerin Mehtap Savasci hat das Gericht ihren Bruder zu lebenslanger Haft verurteilt. Wir haben mit Savascis Tochter Yaren über den Prozess gesprochen.

Zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen des Mordes an seiner Schwester Mehtap Savasci ist am Donnerstag ein 51-jähriger Mann aus Maintal vor der Sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts verurteilt worden. Yaren Savasci, die Tochter der Ermordeten, nahm den Schuldspruch für den Angeklagten mit Erleichterung auf. Als Nebenklägerin war die junge Frau, die demnächst 19 Jahre alt wird, in dem Verfahren aufgetreten. Wir sprachen mit Yaren Savasci über das belastende Verfahren, ihre Mutter und ihre Zukunftspläne.

Wie geht es Ihnen einen Tag nach dem Urteil? 

Yaren Savasci: Ich habe das erste Mal seit über einem Jahr wieder gut geschlafen. Jetzt will ich nach vorn schauen. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr mein Abitur schaffe, danach will ich Jura in Göttingen studieren. Ich muss auch mal raus aus Kassel.

Hat Ihre Entscheidung, Jura zu studieren, etwas mit dem Mord an Ihrer Mutter und dem Verfahren zu tun? 

Savasci: Nein, ich will schon seit der siebten Klasse Anwältin für Strafrecht werden. Aber als Anwalt musst du auch Mörder vertreten. Das kann ich mir derzeit nicht vorstellen, vielleicht in ein paar Jahren wieder. Durch den Prozess kann ich mir aber auch gut vorstellen, Staatsanwältin zu werden. Staatsanwältin Hartwig-Asteroth hat das nämlich richtig gut gemacht. Ich kann aber auch die Verteidiger verstehen. Herr Schoeller und Frau Steck-Bromme haben auch nur ihren Job erledigt.

Dann waren Sie also schon mal bei einer anderen Verhandlung dabei? 

Große Ähnlichkeit zwischen Mutter und Tochter: Das Foto von Mehtap und Yaren Savasci ist etwa zwei Jahre alt. Die beiden haben gern Selfies gemacht.

Savasci: Ja, vor fünf Jahren habe ich ein Praktikum bei dem Strafverteidiger Knuth Pfeiffer gemacht, der mich zu einem Mordprozess mitgenommen hat. Damals ging es um eine junge Frau aus Trendelburg, die an der Diemel ermordet worden war. Ich habe in dem Prozess ihren Mann gesehen und wusste, dass die Frau auch Kinder hatte. Ich dachte nur, die armen Kinder. Dass mir selbst so etwas passieren könnte, damit habe ich nicht mal im Traum gerechnet. Damals war Herr Mütze übrigens auch der Vorsitzende Richter.

Was für Gefühle haben Sie noch für die Familie Ihrer Mutter? 

Savasci: Ich habe da gar keine Gefühle mehr. Wir haben nur den gleichen Nachnamen. Allerdings tun mir die beiden jüngeren Kinder des Angeklagten leid. Mein Cousin und meine jüngere Cousine können genauso wenig wie ich etwas dafür, was passiert ist.

Durch Ihre Aussage wurde der Angeklagte auch schwer belastet. Haben Sie Angst vor seiner Familie? 

Savasci: Nein. Was können die denn noch machen? Sie haben doch bereits alles zerstört, auch ihre eigene Familie.

Hat Ihnen Ihre Mutter jemals erzählt, dass sie Angst vor ihrem Bruder und dessen Schwiegersohn hat? 

Savasci: Nein, meine Mutter hat mir ihre Angst nie gezeigt. Ich wusste zwar, dass ihr der Schwiegersohn mal gedroht hat, aber nicht, dass er gesagt hat, er wolle sie umbringen. Da hat mich meine Mutter geschützt.

Was hatten Sie für ein Verhältnis zu Ihrer Mutter? 

Savasci: Ich war immer ein Papakind. Nachdem sich meine Mutter von meinem Vater getrennt hat, ich war damals sechs oder sieben, hatten wir viele Konflikte. Ich habe ihr immer vorgeworfen, dass sie mir meinen Vater weggenommen hat. In der Pubertät war unser Verhältnis auch nicht immer einfach. Meine Mutter hat mich aber auch immer so erzogen, dass ich meine eigene Meinung sagen soll. Das habe ich ihr gegenüber natürlich auch getan. Später bin ich dann aber zu einem Mamakind geworden.

Nach der Pubertät ging es dann also besser? 

Savasci: Mit 16 hatte ich dann wieder einen klaren Kopf. Damals habe ich vier Tage mit meiner Mutter in Istanbul verbracht. Wir haben uns von morgens um 8 bis nachts um 23 Uhr alles angeguckt. Diese Zeit habe ich in sehr guter Erinnerung. Zu Hause haben wir auch immer viele lustige Sachen gemacht. Wenn sich meine Mutter geschminkt hat, habe ich im Spiegel Grimassen gezogen und davon Selfies gemacht.

Sie lachen sehr gern?

Savasci: Ja, daran hat auch meine Mutter Schuld. Die hat auch immer viel gelacht. Manchmal war es für mich im Gerichtssaal auch schwer, so lange böse zu gucken. Ich kann nicht lange diese Spannung im Gesicht halten, auch wenn ich über etwas wütend bin.

Was haben Sie außer dem Jura-Studium für Zukunftspläne? 

Savasci: Ich habe den Traum, Karriere als Juristin zu machen und viel Geld zu verdienen. Damit will ich dann auch anderen Menschen helfen, die genauso ein Schicksal wie ich erlitten haben. Aber das ist noch ein weiter Weg.

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