Ruzmir Satic weiß jetzt, was er will

Youtuber Rusko ist wieder da: Kasseler Star hat Krise überwunden

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In den Youtube-Videos von Ruzmir Satic alias Rusko gibt es einen Protagonisten: Es ist Rusko. Auch Dreh und Schnitt sind sein Werk. Mit seinen ehrlichen Texten möchte er die Menschen im Netz erreichen.

Kassel. Zehn Jahre ist es her, dass wir Rusko zuletzt gesehen haben. Da war der damals 18-Jährige Ruzmir Satic ein Youtube-Star mit Millionen von Followern.

Nach langer Pause ist er jetzt wieder im Netz präsent.

Es ist gemütlich in Ruskos Wohnung unterm Dach im Eichwald in Bettenhausen, Kerzen brennen, auf dem Tisch eine Schale mit Gebäck. Und dann sein Markenzeichen: die vielen bunten Plüschtiere, mit denen sich der heute 28-Jährige nach wie vor gerne umgibt. Es hat sich wenig verändert und auf der anderen Seite doch viel: Rusko ist reifer geworden.

Im November 2007 hat unsere Zeitung über das „Phänomen Rusko“ berichtet: „Einem Schüler ist es gelungen, sich selbst zum Star im Internet zu machen“, titelten wir. Aus dem Nichts war der Lohfeldener Jugendliche mit den blonden Ponyfransen gekommen, hatte sich mit einfachsten Mitteln selbst aufgenommenen und sich einer begeisterten Teenie-Gemeinde als Idol angeboten. „Look at me, talk about me. Do you like, what you see? Hey everyone, I’m Rusko“, sang er mit kindlicher Hybris, die seinen Charme ausmachte: Nach sechs Monaten waren seine Videos im Internet auf Youtube drei Millionen Mal angeschaut worden.

Das lag sicher auch daran, dass sich Ruzmir Satic, genannt Rusko, unverstellt so zeigte, wie er sich fühlte: verträumt, ein bisschen naiv, glücklich in seiner Welt aus Mangas, Fantasietieren und Playstation. Die Eltern ließen den Sohn staunend gewähren.

Youtuber Rusko hatte psychischen Absturz

Doch dann erlebte das auf den Ruhm unvorbereitete Einzelkind einer Mittelschichtfamilie einen psychischen Absturz. Die Massenmedien hatten sich auf ihn gestürzt, von seiner Popularität profitiert, ihn ausgesaugt und am Boden liegend zurückgelassen. Redaktionen zwängten ihn in das Bild, das sie von ihm haben wollten. Einmal, so erinnert sich Rusko, wurde für eine TV-Home-Story vor laufender Kamera in seinem Zimmer eine Schublade aufgezogen, in der der Kameramann zuvor eine ihm fremde Federboa hineingelegt hatte. „Ich war geschockt und traurig“, sagt Rusko: „Das war ich nicht, das wollte ich nicht.“ Er hatte die Kontrolle verloren. Hinzu kam, dass er mit den Schatttenseiten des Ruhms, mit Hass im Netz, nicht umgehen konnte. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“

Als Reaktion auf die Vereinnahmungen von Menschen, die es nicht gut mit ihm meinten, verzog sich der Schmetterling, der es so sehr liebte zu glänzen, in ein Schneckenhaus. Er bewarb sich auf eine Aushilfsstelle an der Supermarktkasse und blieb da fast zehn Jahre lang. Mehr Kontrast war kaum möglich.

„Ich war überextrovertiert“, sagt Rusko heute. Aber eigentlich habe er schon damals das gemacht, was ihm liege, wofür er Talent habe: Menschen ansprechen und sie ermutigen.

Irgendwann sei er aus sei ner Starre an der Kasse aufgewacht, habe gekündigt und eine Umschulung zum Mediengestalter begonnen. Er hat sich eine Kameraausrüstung gekauft und wieder begonnen, Videos zu produzieren. Sein Protagonist: Rusko. Und er hat viel zu sagen. Etwa wenn er (auf Englisch mit Untertiteln) über Angst spricht: Ich glaube Angst ist die einzige Sache, die uns davon abhält wirklich zu leben.“, monologisiert er im Video.

Rusko redet über Gefühle

Rusko, in dessen Privatleben es einen Partner gibt, redet über das, was ihn beschäftigen, über Gefühle, darüber, dass Jungs mit Puppen spielen dürfen und man Wände rosa streichen darf, wenn einem danach zumute ist. Und er stellt fest, dass das interessiert. Die Resonanz im Netz ist enorm. In nur einem Monat schnellten die Aufrufe mit 700.000 in Richtung eine Million. „Es ist krass, wenn ich Mails mit Zuspruch aus den USA bekomme“, sagt Rusko. Er bemühe sich, Fragen und Mails persönlich zu beantworten. Jede Woche, so sein Plan, stelle er ein Video ins Netz.

Dabei gehe es nicht darum, auf Biegen und Brechen in den Medien zu sein, sagt er. „Mich berühren die Themen, über die ich rede und ich sehe, da ist ein großer Bedarf.“ Es fühle sich richtig an. „Wir könnten unser Leben viel wärmer und schöner gestalten, mit mehr Liebe“, sagt er mit seinem strahlenden Rusko-Lächeln.

„So glad you are back, much needed“, schreibt ihm jemand im Netz. Offensichtlich wurde Rusko vermisst.

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