Kriminalstatistik 2014: Mehr Straftaten sowie geringere Aufklärungsquote

Einbrüche haben auch in Kassel wieder zugenommen: Laut Statistik wurde die Polizei zu 524 Fällen im vergangenen Jahr in der Stadt gerufen. Archivfoto: dpa

Kassel. Mehr Straftaten und eine geringere Aufklärungsquote - das ist die Bilanz der Kriminalitätsstatistik, die Polizeipräsident Eckhard Sauer am Donnerstag für die Stadt und den Landkreis Kassel präsentierte.

Mit Blick darauf, dass die Zahl der Straftaten in Nordhessen in den vergangenen Jahren stets rückläufig gewesen war, sagte Sauer, dass man auch mal einen „Dämpfer kriegen müsse“. In der Stadt wurden im vergangenen Jahr 1464 mehr Straftaten als 2013 angezeigt. Das entspricht einem Anstieg um 7,5 Prozent auf 21 009 Delikte. Die Aufklärungsquote sank um vier Prozentpunkte auf 54,4 Prozent.

612 Straftaten mehr als im Vorjahr bedeuten im Landkreis Kassel eine Zunahme um 8,1 Prozent. 8200 Delikte wurden 2014 im Landkreis Kassel bearbeitet (2013: 7588). Auch wenn mit 4202 Fällen fünf mehr als im Jahr 2013 geklärt werden konnten, sank die Aufklärungsquote durch den allgemeinen Straftatenanstieg auf 51,2 Prozent, im Vorjahr waren noch 55,3 Prozent erreicht worden.

Einbrüche nahmen sowohl in der Stadt als auch im Kreis zu. „Wir haben aber noch keine bedrohliche Entwicklung, viele Fälle sind im Versuch stecken geblieben“, sagte Sauer. In der Stadt wurden 524 Einbrüche angezeigt (2013: 422), im Landkreis stiegen die Einbrüche von 285 auf 419 Fälle an. Einzelne Intensivtäter seien oft für den rasanten Anstieg verantwortlich, sagte der Polizeipräsident. So sei ein Mann im vergangenen Jahr in über 20 Wohnungen eingebrochen, nachdem er aus der Justizvollzugsanstalt in Wehlheiden entlassen worden war.

Besonders zugenommen haben die Einbrüche in Kellerräume. In der Stadt stiegen sie um 558 Einzeldelikte (134,1 Prozent) auf 974 an. Die Fahndung nach diesen Einbrechern sei allerdings mitunter frustrierend, sagte Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. Auf frischer Tat ertappte Kellereinbrecher müssten aufgrund der zumeist niedrigen Beute in der Regel wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

Polizeipräsident Sauer bedauerte bei der Pressekonferenz, dass es in Deutschland keine Vorratsdatenspeicherung gibt. „Die fehlt uns.“ Er wies die Kritik von Gegnern zurück, dass die Vorratsdatenspeicherung in Frankreich auch nicht die Anschläge von islamistischen Terroristen im Januar in Paris verhindert habe. Sauer sieht das anders. Durch die Vorratsdatenspeicherung in Frankreich seien auch zwei Monate nach dem Anschlag weitere Verdächtige festgenommen worden.

Für die Computerkriminalität bleibe insgesamt festzustellen, dass die Vorgehensweise bei den Taten in rasantem Tempo zunehmend professionalisiert werde. Die Täter bewegen sich mit enormer Geschwindigkeit durch das Internet und hinterließen kaum oder nur verschleierte Spuren. Die Ermittlungsbehörden hingegen müssten sich über aufwendige, langwierige und formelle Ermittlungswege die sehr häufig im Ausland vorhandenen Datenspuren sichern lassen. Nicht selten seien diese wenigen Spuren dann jedoch bereits gelöscht.

Die komplette Statistik des Polizeipräsidiums Nordhessen finden Sie unter http://zu.hna.de/polks1303

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