Viele zieht es in die Stadt

Zahl der Einwohner in Kassel steigt, Wohnungsbestand kann nicht mithalten

Kassel. Die Zeiten, in denen in Kassel zahlreiche Wohnungen leer standen, sind vorbei. Das hat nicht nur mit inzwischen fast 23 000 Studenten zu tun, die an der Kasseler Universität eingeschrieben sind:

Auch viele ältere Menschen kehren vom Land in die Stadt zurück, weil sie damit Einkaufsmöglichkeiten, ärztliche und klinische Versorgung und kulturelle Attraktionen vor der Haustür haben. Auch für Kapitalanleger ist der Kasseler Immobilienmarkt wegen der positiven Entwicklung der Stadt wieder interessant geworden.

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Mieten in Kassel klettern weiter in die Höhe

Zentral in Deutschland gelegen, gut auf Schiene, Straße und über den neuen Flughafen Kassel-Calden erreichbar, mit viel Grün, Bildung und Kultur hat der Ballungsraum Kassel einiges zu bieten. Eine starke Verbesserung bei Standortqualität und Sozialstruktur hatte die „Wirtschaftswoche“ der Stadt bereits 2010 bescheinigt. Dabei geht es um steigende Produktivität und wachsende Gewerbesteuer, Zuzüge von Einwohnern, aber auch um eine sinkende Zahl von Arbeitslosen und geringe Kriminalitätsraten.

Die Nachfrage nach den eigenen vier Wänden wird weiterhin durch Kreditzinsen auf Rekordtiefstand angefacht. Wer das Geld zum Kauf einer Wohnung oder eines Hauses nicht auf der hohen Kante hat, kann derzeit für unter drei Prozent Zins Baugeld leihen – das gab es seit Jahrzehnten nicht mehr. „Durch die gute Wirtschaftslage und die steigende Beschäftigung können sich mehr Menschen den Kauf eines Eigenheims leisten und halten so die Nachfrage hoch“, erklärt Siegfried Putz, Sprecher der nordhessischen Sektion des Immobilienverbandes Deutschland (IVD).

Weil Baugrundstücke in der Stadt knapp sind, haben die Preise für Grundstücke in bevorzugten Wohnlagen, auf denen sich Mehrfamilienhäuser errichten lassen, 2013 um 25 Prozent im Vergleich zu 2012 zugelegt. Doch weiterhin kann man in Kassel noch sehr günstig kaufen. Hier gibt es ordentliche Gebrauchtwohnungen in guter Lage für 1150 bis 1450 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In Frankfurt sind dafür meist mehr als 3000 Euro zu berappen. Und wer in München oder Stuttgart ein Einfamilienhaus kauft, bekäme in Kassel für das gleiche Geld zwei bis drei solcher Häuser.

Auch bisherige Problemviertel in der Stadt profitieren. Mit dem weiteren Uni-Ausbau und der Wohnungsnachfrage durch Studenten ist beispielsweise die Kasseler Nordstadt auch für Immobilienkäufer wieder attraktiv. Mietshäuser werden renoviert, der Niedergang ganzer Straßenzüge wird gestoppt. Der Mietmarkt kommt wieder in Schwung. Besonders kleinere Wohnungen sind gefragt.

Denn in der Hälfte der 102 000 Kasseler Haushalte lebt nur noch eine Person. Die Zahl der Einwohner in Kassel ist 2013 um 1136 Personen gestiegen. Zwar steige die Einwohnerzahl seit drei Jahren kontinuierlich an, sagt Putz, „der Wohnungsbestand hingegen kann jedoch nicht wirklich mithalten“.

Von Jörg Steinbach

Überangebot an Büroflächen

Logistikflächen sind vollständig ausgebucht

Während sich der Markt für Wohnimmobilien prächtig entwickelt, bleibt der Büromarkt in Kassel schwierig. „Es gibt ein Überangebot“, sagt Alexander Alter, Spezialist für Gewerbeimmobilien und Vorsitzender des IVD Mitte. Die Büromieten, die früher deutlich über den Mieten für Wohnungen lagen, haben sich längst den Wohnmieten angenähert. Aber auch Büros für 4,50 bis fünf Euro pro Quadratmeter Kaltmiete seien öfter nicht mehr vermietbar, berichtet Alter.

Der Rat an die Eigentümer: Umbau in Wohnungen, die dann für sechs bis 6,50 Euro zu vermieten seien. Allerdings sei eine spätere Umwandlung der Wohnungen zurück in Büros problematisch. Ebenso gut wie der Wohnmarkt läuft es bei Logistik-Immobilien wie zum Beispiel Lagerhallen. Große Logistikflächen würden zwar weiterhin nachgefragt, „die gibt es aber nicht mehr“, sagt Alter. (ach)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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