Zahl der Firmeninsolvenzen ist deutlich zurückgegangen - Aufschwung spürbar

Wirtschaftliche Schwierigkeiten: Der Bio-Caterer Dr. Harald Hoppe war 2010 mit der Vital Catering GmbH in Insolvenz geraten. Nun soll es auf neuen Wegen wieder aufwärts gehen.

Kassel. Die Wirtschaftkrise war gestern, es geht wieder voran: Die Zahl der Firmenpleiten in Stadt und Umland ist deutlich zurückgegangen. Sind in der Stadt Kassel 2009 noch 92 Unternehmen in Insolvenz gegangen, waren es im vergangenen Jahr 86.

Das entspricht einem Rückgang von 6,5 Prozent. Im Landkreis sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im gleichen Zeitraum von 85 auf 62.

Vom Aufschwung hat in Kassel das verarbeitende Gewerbe profitiert. Hier sanken die Firmenpleiten nach Zahlen des Verbandes der Vereine Creditreform auf 4,7 Prozent (Vorjahr: 6,5 Prozent). Auch im Baugewerbe (7,0 Prozent) ist die Zahl der Insolvenzen rückläufig (siehe Grafik). Dagegen wurden im Groß- und Einzelhandel mit 31,4 Prozent (2009: 22,8 Prozent) deutlich mehr Insolvenzen verzeichnet.

„Das Gros hat vom Aufschwung profitiert.“

Dass immer weniger Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, belegen auch die Zahlen des Kasseler Amtsgerichts. Danach sind die Insolvenzanträge in der Region von 455 im Jahr 2009 auf 414 Ende 2010 zurückgegangen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben 91 Unternehmen Insolvenz angemeldet.

Insolvenzzahlen allein seien aber nicht sehr aussagekräftig, sagt Carsten Heustock, stellvertretender Bereichsleiter für Unternehmensförderung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel. „Sie liefern ein Indiz.“ Nicht alle Betriebe, die in Not gerieten, gingen auch in ein geregeltes Insolvenzverfahren. Viele gäben vorher auf. Insolvenzverfahren würden in der Regel nur von Betrieben mit einer gewissen wirtschaftlichen Bedeutung und vielen Beschäftigten angestrebt. Gleichwohl sei der Rückgang der Insolvenzen ein Zeichen für die gute Konjunktur. „Das Gros hat vom Aufschwung profitiert“, sagt Heustock. Dafür spreche auch die Zunahme der Unternehmensgründungen. Normalerweise stiegen diese in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit. Statt solcher Notgründungen gebe es nun Chancengründungen. Dass es aufwärts statt abwärts geht, zeige sich auch an dem geringen Interesse am Beratungsprogramm der IHK für Krisenunternehmen.

Viele Neugründungen

Weniger Insolvenzen, mehr Betriebe: Auch im Handwerk geht es aufwärts. Die Zahl der Insolvenzen ist im Kammerbezirk (Nord-, Ost- und Mittelhessen) in den vergangenen drei Jahren von 121 auf 69 gefallen. „Das Handwerk ist ganz gut durch die Krise gekommen“, resümiert Barbara Scholz, Pressesprecherin der Handwerkskammer Kassel. „Und es hat vom Aufschwung profitiert.“ Das lässt sich auch an der Zahl der Neugründungen im Handwerk ablesen: Sie sind von 675 im Jahr 2008 auf 902 (2009) gestiegen. Bis Ende 2010 waren 15 825 Betriebe im Bezirk der Handwerkskammer Kassel gemeldet - 395 mehr als vor drei Jahren.

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