Erstaufnahmeeinrichtung nur noch zur Hälfte belegt

Weniger Flüchtlinge in Kassel: Statt achtzig kommen jede Woche nur noch fünf

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Vor drei Jahren waren die Erstaufnahmeeinrichtungen voll: Blick in die Kleiderkammer in der ehemaligen Kasseler Feuerwehrschule in der Heinrich-Schütz-Allee.

Kassel. Zwei Jahre nach dem Ausnahmezustand hat die Zahl der Flüchtlinge in Kassel massiv abgenommen: Derzeit kommen nur vier bis fünf Personen pro Woche in die Stadt. Unterkünfte werden geschlossen. 

Kamen vor zwei Jahren siebzig bis achtzig Flüchtlinge in der Woche nach Kassel, so hat die Zahl mittlerweile massiv abgenommen. „Derzeit kommen noch vier bis fünf Personen pro Woche in die Stadt. Oft handelt es sich dabei um Familiennachzug“, sagt Mario Neumann, Mitarbeiter beim Sozialamt der Stadt Kassel.

Seit 2015 wurden der Stadt Kassel bis heute 3094 Flüchtlinge zugewiesen. Aktuell leben noch 1714 Flüchtlinge in insgesamt 52 städtischen Unterkünften. Davon seien aber bereits knapp 1000 anerkannt und verfügten über eine Aufenthaltserlaubnis. Ein Viertel davon hat Arbeit.

Da sie auf dem angespannten Wohnungsmarkt aber keine Wohnung finden würden, blieben diese Menschen vorerst in den Unterkünften, sagt Neumann. Die Wohnungssuche stelle ein großes Problem dar. Die Wohnungsbaugesellschaften hätten keine Kapazitäten mehr, private Vermieter wollten oft nicht an Flüchtlinge vermieten, sagt Neumann.

Obwohl noch 1000 anerkannte Flüchtlinge in den städtischen Unterkünften leben, gibt es dort derzeit knapp 800 freie Plätze. Sobald die Möglichkeit bestehe, schließe man Unterkünfte, sagt Neumann. Eigentlich müssten die großen Unterkünfte dichtgemacht werden, aber hier gebe es meist lange Mietverträge. So laufe zum Beispiel der Vertrag für das ehemalige Kinderkrankenhaus Park Schönfeld erst 2021 aus. Hier leben derzeit 245 Menschen, Platz würde es für 400 Personen geben. Fast voll belegt ist hingegen die Jägerkaserne mit 123 Flüchtlingen. Diese sei sehr beliebt, weil es dort abgeschlossene Wohneinheiten gibt. Von den rund 700 Flüchtlingen, die noch nicht anerkannt sind, kämen die meisten aus Syrien und Afghanistan, sagt Neumann.

Auch die einzige Erstaufnahmeeinrichtung in Kassel, das ehemalige Wohnheim für Polizeischüler in Niederzwehren, ist laut Regierungspräsidium Gießen nur noch rund zur Hälfte belegt. Hier leben jetzt 217 Flüchtlinge.

Hintergrund

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem dem alten Flugplatz in Calden ist noch immer geöffnet. Ursprünglich hatte das Sozialministerium angekündigt, die Unterkunft Ende 2017 zu schließen. Nach Auskunft von Esther Walter, Pressesprecherin des Sozialministeriums, leben in der Unterkunft derzeit noch 133 Menschen. Der Standort soll jetzt Ende Januar aufgegeben werden. Die Bewohner sollen auf andere Einrichtungen verteilt werden.

Auch im Landkreis ist die Zahl der Flüchtlinge insgesamt rückläufig. 2722 Flüchtlinge lebten im November 2017 im Landkreis Kassel. Das waren 15 Prozent weniger als im November 2016.

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