Betreiber sehen Entwicklung kritisch

Zahl der Hotelbetten in Kassel ist gestiegen

Kassel. Kassel scheint für die Hotelbranche und für Besucher an Attraktivität zu gewinnen. Seit 2007 hat sich die Zahl der Betten in Kasseler Hotels und Pensionen um etwa 500 erhöht.

Laut Kassel Marketing waren es im Dezember 2012 knapp 6000, die durchschnittliche Auslastung betrug 62 Prozent. 2007 waren durchschnittlich 42 Prozent der damals 5500 Betten belegt. Die aktuellen Zahlen liegen noch nicht vor. Doch im Mai hat die Kette „B & B“ ein Hotel mit 186 Betten am Kreisel an der Leipziger Straße eröffnet. Und an der Raiffeisenstraße baut der Kasseler Hotelier Herbert Aukam derzeit ein Motel mit 224 Betten, sodass sich die Zahl der Betten allein innerhalb eines Jahres um weitere 410 erhöht.

„Für uns ist die Lage an der A 7 in der Mitte Deutschlands ideal“, sagt B & B-Hotelmanager Dirk Busch. Zielgruppe seien vor allem Firmenmitarbeiter und Durchreisende. Wie beurteilen andere Kasseler Hoteliers die Situation?

 „Wo sollen die vielen Gäste herkommen, die 410 zusätzliche Betten füllen ?“, fragt sich Jürgen Waindok, Direktor des „Mercure-Hotel“ (128 Betten) in der Kurfürsten-Galerie. Diese zusätzlichen Betten würden dem Kasseler Hotelmarkt schaden. Gerade in diesem Segment gebe es schon sehr viele Hotels in Kassel. Vier-Sterne-Hotels wie das Mercure werde das weniger betreffen. Für ihn sind Tagungsgäste eine wichtige Zielgruppe. Aber: „Das Tagungs- und Konferenzgeschäft ist im Moment eine Katastrophe“, sagt er. In den vergangenen zwei Jahren sei die Belegung um zwölf Prozent gesunken. Kassel Marketing müsse stärker international tätig werden, fordert er. Vom Welterbetitel verspricht er sich keinen Anstieg der Belegungszahlen.

Dominik Hübler, Hoteldirektor des „Steinernen Schweinchens“ (75 Zimmer), glaubt, dass mit der derzeitigen Bettenzahl für Kassel eine Grenze erreicht ist. 2014 sei keine Großveranstaltung wie Hessentag oder documenta. „Wir werden sehen, wie sich die Belegungszahlen dann entwickeln“, sagt er. Dennoch ist demnächst im „Steinernen Schweinchen“ eine Erweiterung um 20 bis 25 Betten geplant. Das hänge vor allem mit dem Tagungsgeschäft zusammen. Die Zahl der Übernachtungen sei in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Das Welterbe-Prädikat könne eine Chance sein, wenn es richtig vermarktet werde.

Ähnlich äußerte sich Stefanie Gude vom Hotel Gude (160 Betten). Dort sind die Übernachtungszahlen zwar gestiegen, aber nicht deutlich. Wie sich das Prädikat Weltkulturerbe auf die Auslastung, zu der sie keine Angaben machen wollte, auswirke, sei noch nicht abzuschätzen. Eine Erweiterung sei nicht geplant. Gerhard Jochinger, Inhaber des „Schlosshotel“ (101 Zimmer), das direkt am Bergpark liegt, und des Hotels „Schweizer Hof“ in Bad Wilhelmshöhe (65 Zimmer, 33 Appartements) wollte sich zu dem Thema noch nicht äußern.

Entgegen der Meinung der Hoteliers ist Anna Homm vom Hotel- und Gaststättenverband der Ansicht, dass Kassel noch weitere Betten vertragen kann. „Gerade bei großen Kongressen wird es beim Angebot in der Stadt eng“, sagt sie. (mkx)

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