Alcopop-Getränke häufig Einstieg in die Sucht

Zahl junger Alkoholiker deutlich gestiegen

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Kassel. Bei der Suchtberatung in Kassel suchen immer häufiger junge Erwachsene Hilfe. Sie sind in der Regel bereits seit Jahren alkoholabhängig.

Im vergangenen Jahr waren 36 junge Leute (bis 25 Jahre) unter den 610 Alkoholikern, die in der Beratungsstelle des Diakonischen Werks Kassel eine ambulante Therapie machten. 2001 gab es lediglich einen unter 25-Jährigen unter 535 Suchtpatienten.

Für viele der jungen Leute, die man jetzt behandele, seien sogenannte Alcopops der Einstieg in ein exzessives Trinken gewesen, sagt Petra Hammer-Scheuerer, Leiterin der Suchtberatung. Die süßen Mischgetränke, die hochprozentigen Alkohol enthalten, kamen um die Jahrtausendwende verstärkt auf den Markt. Von den Betroffenen wisse man, dass sie häufig schon als Teenager regelmäßig und in großen Mengen Alkhol konsumierten. Je früher aber der Einstieg erfolge, desto höher sei die Suchtgefahr, sagt Suchttherapeutin Claudia Lutsch.

Bei Heranwachsenden seien die Auswirkungen einer Suchterkrankung oft besonders gravierend. Ein großer Teil der Betroffenen habe bereits Ausbildung oder Studium abgebrochen, berichten die Suchtexpertinnen. Wegen der Abhängigkeit gelinge es in vielen Fällen weder im Berufs- noch im Privatleben Fuß zu fassen. So beginne ein Teufelskreis, weil die jungen Betroffen meist keine anderen Problemlösungsstrategien gelernt hätten, als zur Flasche zu greifen.

Auch im Bereich des Glücksspiels zeigt sich der Trend zu mehr jungen Süchtigen. Hier steige die Zahl der unter 25-Jährigen seit einigen Jahren dramatisch, sagt Hammer-Scheuerer. Von den 222 Spielsüchtigen, die voriges Jahr beim Diakonischen Werk Hilfe suchten, waren es 61. Der jüngste Spieler, den man derzeit behandele, sei 19 Jahre alt. Ein Grund für den Anstieg sei die ständige Verfügbarkeit von Glücksspielen im Internet sowie in Spielhallen und Wettbüros. (rud)

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