Kampf um Existenz

Zahl der Kioske sinkt seit Jahren - Ein Blick in die Geschichte

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Damals: Der Kiosk am Opernplatz im Jahr 1985. Heute steht dort ein eckiger Ersatzbau.

Kassel. Sie sind eine Institution in ihren Stadtteilen und fest mit den Menschen verbunden, die hinter der Kasse stehen: Kioske. Inzwischen gehören sie aber zur aussterbenden Art. Wir werfen einen Blick zurück.

Die goldenen Zeiten der Kioskkultur sind vorbei. Wer in alten Fotobänden im Stadtarchiv wälzt, entdeckt, dass in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ungezählte Verkaufsbuden Kassels Straßen säumten. Wie viele Kioske in Stadt und Landkreis Kassel heute existieren, ist nicht exakt zu ermitteln. Dies liegt daran, dass sie im Handelsregister nicht gesondert ausgewiesen werden.

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Bei den Kiosken mit Alkoholverkauf, den Trinkhallen, sank die Zahl im Stadtgebiet in den vergangenen zehn Jahren von etwa 40 auf 15. Hauptursache für das Kiosksterben ist die Konkurrenz der Lebensmittelläden, die inzwischen zum Teil bis 24 Uhr ihre Waren anbieten. Hinzu kommt der Ausbau der Tankstellenshops, die ebenfalls rund um die Uhr geöffnet sind. „Durch die verlängerten Öffnungszeiten für große Einzelhändler sind Kioske in Bedrängnis geraten. Das hat ihre Grundlage als Nahversorger aufgeweicht. Kioskinhaber sind darauf angewiesen, andere Einnahmequellen zu erschließen, um das wirtschaftliche Überleben zu sichern“, sagt Christine Neumann von der Industrie- und Handelskammer Kassel.

Kioske sterben aus - Ein Blick in die Geschichte

Kinderparadies: Dieses HNA-Foto entstand 1988 an dem Kiosk von Rosi Lambach. Heute nennt sich der kleine Laden Holländisches Eck. © Archiv
Anlaufpunkt: Der Kiosk am Opernplatz im Jahr 1960. © Archiv
Ende der 50er-Jahre: Dieser Kiosk steht noch heute am Parkplatz Ochsenallee unterhalb des Bergparks. © Archiv
Neues Leben: Während die Stadt noch in Schutt lag, war dieser Kiosk an der Friedrich-Ebert-Straße bereits neu entstanden. © Archiv
Großes Angebot an Zeitungen: An diesem Kiosk am Marställer Platz warb auch die „Kasseler Post“ um Leser. Die Zeitung ist eine der Vorgängerinnen der HNA. Die Aufnahme entstand nach 1932. © Archiv
Elegant: Dieser Kiosk stand in der früheren Fischgasse (nähe Altmarkt). Das Foto entstand 1904. © Archiv
Damals: Der Kiosk am Opernplatz im Jahr 1985. Heute steht dort ein eckiger Ersatzbau.
Damals: Der Kiosk am Opernplatz stand schon im Jahr 1985. © Archiv
Seinerzeit war die Kamera interessanter: Dieser Kinder auf der damaligen Klosterstraße interessierten sich kaum für den Kiosk. © Archiv
Kiosk Weller in der Leuschner-Straße in den 90er-Jahren © 
Kiosk von Margrit Degenhardt an der Heinrich-Schütz-Schule © 
Delef Kress vor seinem provisorischen Kiosk auf dem Königsplatz im Jahr 2000. Wegen dem Treppen-Abriss musste er umziehen. © 
Kiosk am Hauptbahnhof 1959 © 
Kiosk am Unterneustädter Kirchplatz, Aufnahme undatiert © 
Richard und Monika Iske vom Kiosk am Rathaus 1985 © 

Die IHK beobachtet, dass viele Inhaber ihr Geschäftsmodell breiter aufstellen, indem sie ihr Angebot um ein größeres Sortiment an Tabakwaren, Schreibwaren oder Lotto erweiterten. Trotz der Rahmenbedingungen fänden sich für Kioske fast immer Nachfolger. „Die Investitionen sind überschaubar und von vielen zu stemmen“, sagt Neumann.

Weniger unter Druck stehen die Kioske in der Innenstadt. Sie profitieren von Laufkundschaft und wenigen Lebensmittelhändlern am Standort. Deutschlandweit gibt es noch 25.000 Kioske. Jedes Jahr werden es gut 200 weniger.

Aufruf: Machen Sie mit

Welche Erinnerungen haben Sie an Kassels Kioske? Schreiben Sie uns an Lokalredaktion Kassel, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel oder mailen Sie an kassel@hna.de

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