Bundesweites Register erleichtert die Arbeit der Polizei

Zahl der legalen Waffen in Kassel nimmt ab

Kassel. In Stadt- und Landkreis Kassel gibt es derzeit 26.850 legale Waffen. Diese haben die lokalen Waffenbehörden, das Ordnungsamt der Stadt Kassel und der Landkreis an das neue Nationale Waffenregister (NWR) gemeldet.

Beim NWR, das beim Bundesverwaltungsamt in Köln angesiedelt worden ist, müssen seit dem 1. Januar dieses Jahres die etwa sechs Millionen registrierten Waffen in Deutschland gemeldet werden. „Das neue Waffenregister macht Hessen ein Stück sicherer“, sagt Mark Kohlbecher, Pressesprecher des hessischen Innenministeriums.

In dem Register seien jetzt erstmals alle wesentlichen Informationen über Schusswaffen aus privatem Besitz für die Polizei per Knopfdruck umfangreich recherchierbar. „Damit gehören die oft wochenlang dauernden manuellen Abfragen bei den einzelnen Waffenbehörden der Vergangenheit an. Besonders bei zeitkritischen Ermittlungen ist dies ein enormer Vorteil für die Polizeiarbeit“, sagt Kohlbecher. Nach dem Amoklauf in Winnenden im Jahr 2009 hatte die Bundesregierung das Register auf den Weg gebracht.

Insgesamt ist die Zahl der registrierten Waffen, die in erster Linie Jägern und Sportschützen gehören, in Stadt und Kreis rückläufig. Im Dezember 2011 waren im Landkreis 22 800 Waffen eingetragen. Mittlerweile sind es noch 19 985 Waffen, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises.

Die gleiche Entwicklung gibt es in der Stadt: Im Dezember 2011 waren noch 10 063 Waffen registriert, inzwischen sind es 6865, teilt Hartmut Bierwirth vom städtischen Ordnungsamt mit. In Kassel seien im vergangenen Jahr freiwillig 367 Schusswaffen abgegeben worden, die anschließend vom Ordnungsamt vernichtet worden seien. Bierwirth und Kühlborn führen diesen Trend auch auf die Erhöhung der Sicherheitsstandards für die Aufbewahrung von Waffen zurück.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

544 Mal kontrollierte die Waffenbehörde

Defizite bei den Sicherheitsschränken

Kassel. „Die Hemmschwelle, sich von einer Waffe zu trennen, ist niedriger geworden“, sagt Hartmut Bierwirth, der beim Ordnungsamt der Stadt Kassel für die Waffenbehörde zuständig ist. Immer öfter würden Waffenbesitzer ihre legalen Waffen abgeben, weil die Bestimmungen für deren Aufbewahrung verschärft worden seien. Besonders für ältere Waffenbesitzer, die zum Beispiel nicht mehr auf die Jagd oder in den Schützenverein gingen, scheint es sich nicht mehr zu lohnen, Waffenschränke anzuschaffen, die den heutigen Sicherheitsstandards entsprechen.

Weil Waffenbesitzer einen falschen Schrank zur Aufbewahrung haben, ein Schrank nicht ordnungsgemäß abgeschlossen war oder eine Waffe nicht im Schrank aufbewahrt worden ist, werden diese sanktioniert. Diese Defizite wurden bei den anlassunabhängigen Kontrollen entdeckt, die es seit dem Amoklauf in Winnenden im Jahr 2008 gibt. Mitarbeiter der Waffenbehörden klingeln ohne Anmeldung und kontrollieren, ob die Waffen ordnungsgemäß aufbewahrt werden.

In der Stadt gab es im vergangenen Jahr 457 dieser Kontrollen. Wie viele Bußgeldverfahren daraufhin eingeleitet worden sind, darüber gebe es noch keine Statistik, weil mit der Auswertung der Kontrollen erst im September 2012 begonnen worden sei, sagt Bierwirth. Insgesamt habe es in Kassel im Vorjahr 95 Bußgeldverfahren in Waffenrechtsangelegenheiten gegeben. 56 Ordnungswidrigkeitsverfahren seien bei insgesamt 87 Kontrollen im Landkreis eingeleitet worden, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises. Dabei sei es oft darum gegangen, dass zum Beispiel andere Waffen, die nicht erlaubt sind (wie zum Beispiel ein Einhandmesser), entdeckt worden seien. Die unangemeldeten Waffenkontrollen sind nur eine Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden. Auch der Aufbau des Nationalen Waffenregisters (NWR) war Folge der Bluttat, bei der ein 17-Jähriger im März vor drei Jahren 15 Menschen und sich selbst tötete.

Der Aufwand bei der Registrierung sei jetzt höher, der Vorgang dauere deshalb etwas länger, sagt Bierwirth. Nicht nur personenbezogene Daten würden eingetragen, sondern auch Hersteller, Modell, Kaliber und Waffennummer. Die Mehrkosten dafür trage nicht der Waffenbesitzer, sondern der Steuerzahler, sagt Bierwirth. Durch das NWR soll die Arbeit der Polizei merklich erleichtert werden. Bislang habe die Polizei bei Personenkontrollen nur über die Einwohnerkartei direkt erfahren können, ob eine Person eine waffenrechtliche Erlaubnis besitzt, erklärt Bierwirth. Daraus sei aber nicht hervorgegangen, ob jemand tatsächlich legale Waffen besitzt, und wenn ja, wie viele. Deshalb habe die Polizei zunächst immer die Ordnungsämter kontaktieren müssen.

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