30 Prozent mehr bei Beratungsstelle – Weit über 1000 Fälle in Kassel

Zahl der Spielsüchtigen ist deutlich gestiegen - über 1000 Fälle in Kassel

Kassel. Immer mehr Menschen in Kassel sind krankhaft dem Glücksspiel verfallen. Die Suchtberatung des Diakonischen Werks in Kassel geht davon aus, dass allein im Stadtgebiet weit über 1000 Menschen abhängig sind.

Die Dunkelziffer sei hoch. Die Zahl derer, die bei der auf Spielsucht spezialisierten Beratung des Diakonischen Werks in Kassel Hilfe gesucht haben, stieg innerhalb eines Jahres um 30 Prozent. Im vergangenen Jahr suchten 224 Spieler die Beratungsstelle auf. Zuvor waren es 175 Menschen.

Grund für den Anstieg sei auch die hohe Automatendichte in Kassel, sagt Petra Hammer-Scheuerer, Leiterin der Suchtberatung. Fast drei Viertel der Süchtigen spielten an Automaten in Spielhallen. 2011 gab es nach Angaben der Stadtverwaltung 792 Spielapparate in Kassel, davon 597 in Spielhallen. Das ist ein Anstieg um mehr als 100 Geräte innerhalb von zwei Jahren. In Kassel kommen rechnerisch rund 325 Menschen auf einen Spielhallenautomaten. In Frankfurt habe das Verhältnis zuletzt bei 1:630 gelegen, sagt Hammer-Scheuerer. Zudem steige der Kasseninhalt der Geräte - das heißt, die Spieler verlieren immer mehr Geld. 2010 landeten nach Angaben der Suchtberatung 11,6 Mio. Euro in den Spielgeräten in der Stadt (Vorjahr: 10,34). Viele Spieler seien hoch verschuldet, weil sie ihr Spielverhalten nicht mehr im Griff haben, weiß Suchtberaterin Kerstin Dahlke. Zum Teil verzocken die Süchtigen täglich mehrere Hundert oder Tausend Euro.

Zunehmend seien auch junge Menschen von Spielsucht betroffen. Außerdem beobachte man, dass sich die Sucht immer schneller entwickele. Das liege auch daran, dass die einzelnen Spiele an den Automaten schneller würden. „Je kürzer ein Spielereignis ist, desto höher die Suchtgefahr“, sagt Dahlke. Glücksspiel werde oft unterschätzt. Von der Suchtwirkung sei es vergleichbar mit harten Drogen wie Heroin.

Von Katja Rudolph

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