Beratungsstelle des Diakonischen Werks warnt vor neuem Trend

Zahl der Spielsüchtigen durch Sportwetten steigt

Kassel. Sie tippen nicht nur auf das Ergebnis des Fußballspiels, sondern auch darauf, wann es die nächste Ecke, einen Freistoß oder Einwurf gibt. „Es geht um einen permanten Spannungsaufbau“, sagt Kerstin Dahlke von der Beratungsstelle Glücksspielsucht beim Diakonischen Werk Kassel.

Durch die ständige Verfügbarkeit des Internets über das Handy sei es praktisch immer und überall möglich, eine Wette abzugeben. „Der Schritt zur Spielsucht ist sehr viel kleiner als sich das viele eingestehen wollen“, sagt Dahlke.

Nach Berechnungen der Landesstelle für Suchtfragen haben in Hessen mindestens 40.000 Menschen Probleme mit Glücksspielen. In Kassel ist die Zahl derjenigen, die eine Beratungsstelle aufgesucht haben, innerhalb eines Jahres um 30 Prozent angewachsen. Im vergangenen Jahr waren es 224 Menschen, davor 175.

Die meisten von ihnen spielen an Automaten in Spielhallen. Nach Angaben der Stadtverwaltung gibt es in Kassel 792 Spielapparate. Die Zahl ist innerhalb von zwei Jahren um 100 gestiegen. „Große Sorgen bereitet uns, dass die Zahl der jungen Spielsüchtigen unter 20 Jahren ständig zunimmt“, sagt Kerstin Dahlke. Das Suchtpotenzial beim Automatenspiel sei schon länger im Fokus. Bei den Sportwetten sei es oft aber auch nur ein kleiner Schritt vom gemeinsamen Tippen in einem Verein zum Suchtverhalten. Ein Warnsignal sei, wenn sich jemand Geld für immer neue Wetten leihe. „Die Betroffenen verstricken sich immer mehr in Lügen und wissen oft nicht mehr weiter“, sagt die Beraterin. Die Abwärtsspirale sei oft ähnlich dramatisch wie bei einem Drogensüchtigen.

Mindestens 1000 Spielsüchtige gibt es in Kassel. Hilfe ist möglich. Darüber will das Diakonische Werk mit einem Aktionstag aufklären. Der findet am Dienstag, 25. September, 12 bis 14 Uhr, auf em Opernplatz statt. (tos)

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