Größtes Projekt ist der Neubau von Fraunhofer

Zahlreiche Wohnungen und Büros entstehen rund um den Kasseler Hauptbahnhof

Soll bis 2020 fertiggestellt werden: Das neue Fraunhofer-Institutsgebäude auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände. Foto: Koch

Nirgendwo im Stadtgebiet tut sich so viel wie rund um den Kasseler Hauptbahnhof. Das Quartier zwischen Wolfhager und Kölnischer Straße ist im Wandel.

Das größte Projekt ist der Millionen-Neubau des Fraunhofer-Instituts an der Joseph-Beuys-Straße. Bis 2020 soll das Gebäude auf dem früheren Güterbahnhofsgelände fertig sein. Mehr als 300 Mitarbeiter sollen im neuen Institut beschäftigt werden. Das macht auch das frühere Mischgebiet mit Industriebetrieben als Wohngebiet attraktiv. 

Auch Vitos und der Landeswohlfahrtverband bauen an der Kölnischen Straße neu. Von vielen bedauert wird der Abriss des historischen Ballhauses des Hotels Reiss an der Werner-Hilpert-Straße. Hier sollen 30 bis 40 Wohneinheiten entstehen. Unumstritten ist hingegen der Abriss der unschönen Flachbauten an der Kurfürstenstraße. Was auf der Fläche entsteht, ist noch unklar.

Die Bauvorhaben im Überblick: 

Joseph-Beuys-Straße

Der finanziell dickste und für den Standort bedeutendste Brocken entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Im September haben dort die Arbeiten für den Neubau des Fraunhofer-Instituts mit einem Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Euro begonnen. Bis 2020 soll das Institutsgebäude mit Büros, Laboren und Testeinrichtungen für 320 Mitarbeiter (Wissenschaftler und Studenten) fertig sein.

Mit dem Neubau wird Kassel zum zentralen Standort für angewandte Forschung in den Bereichen Energiesystemtechnik und Energiewirtschaft. Die Finanzierung des viergeschossigen Gebäudes mit einer Nutzfläche von 7600 Quadratmetern tragen je zur Hälfte das Land Hessen und das Bundesforschungsministerium. Die größere Eigenständigkeit des Standorts kommt seit 2018 im neuen Namen „Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE“ zum Ausdruck. Bis 2017 gab es in Kassel mit der Windenergie einen zweiten Institutsteil. Der ist jetzt in Bremerhaven konzentriert.

Die früheren Eilguthallen der Bahn, die nach Sturmschäden einsturzgefährdet waren, sind abgerissen worden. 2018 laufen noch Arbeiten, so ein Bahn-Sprecher. Auf der Fläche befinden sich Oberleitungsmaste und Kabelverläufe, weshalb die Fläche für den Betrieb der Bahn notwendig ist. Es gibt bislang keine weiteren Pläne

fürs Gelände. 

Kurfürstenstraße

Der zweigeschossige Nachkriegsbau neben der Hauptstelle der Volksbank Kassel-Göttingen an der Kurfürstenstraße ist nicht gerade ein Schmuckstück. Die Eigentümerin, die Volksbank Kassel-Göttingen, plant deshalb eine Aufwertung des Areals. Dazu wurde bereits sämtlichen Mietern zum Ende vergangenen Jahres gekündigt. Wann das Gebäude für einen Neubau weichen wird, ist aber noch nicht klar. Auch was genau auf dem Grundstück entstehen soll, steht noch nicht fest. Es gebe bislang nur Gedankenspiele, aber noch kein konkretes Bauvorhaben, hatte eine Banksprecherin mitgeteilt.

Wird abgerissen: Flachbau neben der Bankzentrale.

Hilpert-Straße

In direkter Nachbarschaft zum Fraunhofer-Gelände entsteht neben dem Hotel Reiss an der Werner-Hilpert-Straße ein Apartment-Haus mit 30 bis 40 Wohneinheiten von zwischen 50 bis 80 Quadratmetern Größe. Auf das Dach kommen zwei Penthouse-Wohnungen. Nach Auskunft des Bauherren um den Investor Moshe Sand (Eigentümer des Hotel Reiss) wird es je zur Hälfte Miet- und Eigentumswohnungen geben. Mit den Bauarbeiten werde noch in diesem Jahr begonnen. Zuvor muss das Ballhaus in direkter Nachbarschaft zum Hotel Reiss abgebrochen werden. Das ist ab der zweiten März-Hälfte geplant.

Abriss in Aussicht: Neben dem Hotel Reiss entsteht am Standort des Ballsaals (links) ein Apartment-Haus.

Akazienweg und Kölnische Straße

Die Vitos GmbH baut in einer Bauherrengemeinschaft mit dem Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen in Kassel derzeit ein Bürogebäude inklusive Tiefgarage im Akazienweg (wir berichteten). Neben Büro- und Besprechungsräumen soll dort auch das Archiv des LWV integriert werden. Entgegen einer ersten Schätzung der Baukosten von 8,3 Millionen Euro im Juli vergangenen Jahres, habe man das Budget inzwischen den marktüblichen Preisen entsprechend um 200 000 Euro auf 8,5 Millionen Euro angepasst. Das teilte Martina Garg, Sprecherin von Vitos, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Nachdem der Bauantrag im Januar eingereicht wurde, soll die Bauzeit etwa eineinhalb Jahre betragen und das Gebäude somit Ende 2019 fertiggestellt sein. Für das Neubauprojekt wurden die zuletzt leer stehenden Häuser auf den Grundstücken in der Kölnischen Straße 31 und im Akazienweg 6 abgerissen. Diese werden vorübergehend als Parkplatz und Baustellenfläche genutzt, wodurch den Mitarbeitern auch während der Bauphase Parkplätze zur Verfügung stehen sollen. 

Auf dem Grundstück in der Kölnischen Straße plant Vitos Kurhessen in einem zweiten Bauabschnitt Wohnungen für die Klienten seiner begleitenden psychiatrischen Dienste. Kosten- und Zeitplan liegen zum jetzigen Zeitpunkt hierfür noch nicht vor. Die beteiligten Bauherren seien noch in Abstimmungsprozessen, um Planungsdetails für die Bauvoranfrage zu klären.

Akazienweg 16

Am Akazienweg 16, gegenüber dem Engelsburg-Gymnasium, wurde auf einer Brache gerade ein Neubau mit 30 Mietwohnungen fertiggestellt.

Es gibt Zwei-, Drei- und Vierzimmer-Wohnungen mit Größen zwischen 62 und 125 Quadratmetern. Die Quadratmeterpreise liegen zwischen 6 und 8,50 Euro.

Zehn der 30 Wohnungen können nur von Personen mit einem Wohnberechtigungsschein gemietet werden. Der Innenausbau ist so gut wie abgeschlossen, die ersten Wohnungen sind bereits vermietet. Auch in der Tiefgarage laufen noch abschließende Arbeiten. Vermieter ist die Momoglu GmbH aus Kassel.

Zwischenzeitlich hatte die Stadt geplant, das Gebäude als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge zu nutzen. Wegen der sinkenden Flüchtlingszahlen hat sich das Projekt aber zerschlagen.

Fertig: Erste Mieter sind eingezogen.

Kölnische Straße

An der Kölnischen Straße 45, unweit der katholischen Kirche St. Familia, entsteht ein Neubau mit 26 Eigentumswohnungen.

Bauherr ist die Unispace-Unternehmensgruppe aus Kassel, die sechs Millionen Euro in das Projekt investieren will. Das Grundstück ist für die Bebauung vorbereitet, die Bagger sind aber noch nicht angerückt. Geplant ist, dass mit den Arbeiten im März begonnen werden soll. 2019 soll der Bau fertig sein.

Kölnische Straße: Unweit der St.-Familia-Kirche entsteht ein Neubau mit 26 Eigentumswohnungen.

Grüner Weg

Neun Neubauten sind im Quartier zwischen Werner-Hilpert-Straße, Grüner Weg und Erzberger Straße geplant. Dafür ist laut Stadt Kassel eine Änderung des derzeitigen Entwurfs des Bebauungsplanes erforderlich. Aus diesem Grund sei das Verfahren zur Erstellung eines Bebauungsplans bisher nicht weitergeführt worden. Die bisherige Mischung aus gewerblicher Nutzung und Wohnungen zwischen soll beibehalten werden.

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