Nach monatelangen Verhandlungen

Kasseler K+S-Konzern zahlt für sauberes Trinkwasser

Gerstungen/Kassel. Nach monatelangen Verhandlungen haben sich der Kasseler K+S-Konzern und die Thüringer Werra-Gemeinde Gerstungen am Dienstag einen außergerichtlichen Vergleich unterschrieben.

K+S verpflichtet sich, die 6000-Seelen-Gemeinde finanziell so zu unterstützen, dass sie sich langfristig, ortsnah und kostengünstig mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser versorgen kann. Dafür übernimmt der Konzern Verpflichtungen im einstelligen Millionenbereich.

Gerstungen sagt zu, Klageverfahren gegen das umstrittene Versenken stark salziger Abwässer des K+S-Werkes Werra im Untergrund zu beenden. Auch für die einvernehmliche Beilegung von Verfahren gegen direkte Abwassereinleitung in die Werra, dem zweiten Entsorgungsweg, setzt Gerstungen sich nun ein. Der Vertrag läuft 30 Jahre. Streitfragen will man bis 2047 gütlich beilegen.

Technische Details des Abkommens blieben am Dienstag zunächst im Dunkeln. Nach Informationen unserer Zeitung sollen unter anderem drei neue Brunnen außerhalb der Salzwasser-Aufstiegszone gebohrt werde. Leitungen und neue Wasseraufbereitung kämen dazu.

Der Vertrag an der Werra steht für eine steile Kehrtwende: Über Jahre hatte Gerstungen zäh versucht, die Kaliabwasser-Versenkung vom Verwaltungsgericht in Kassel stoppen zu lassen. Gerstungen sieht sein Trinkwasser durch zurücksteigende Lauge auch von Westen her nicht nur bedroht, sondern schon belastet. Keine Hilfe von der Justiz, klagte Gerstungens Bürgermeisterin Sylvia Hartung noch 2016: „Verhandlungen finden, wenn überhaupt, erst dann statt, wenn die Genehmigungen abgelaufen sind.“ Nie habe die Justiz Bescheide des Regierungspräsidiums Kassel inhaltlich überprüft. Erfolglos blieben auch Versuche, strafrechtlich gegen die letzten Versenkbohrungen auf hessischem Gebiet anzukommen.

Bürgermeisterin Sylvia Hartung Hartung und K+S-Vorstandschef Burkhard Lohr sehen den Vergleich als wichtigen Baustein zur Sicherstellung von Produktion und über 4000 Arbeitsplätzen im Kalirevier Hessen-Thüringen.

„Ich bin sehr zufrieden, dass wir einen gemeinsamen Weg gefunden haben und bin sicher, diesen auch in Zukunft miteinander gehen zu können. Nur so können die Interessen aller Menschen in der Region gewahrt werden", sagte Hartung getsern Nachittag in Gerstungen. "Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir auf dieser Basis den richtigen Weg gefunden haben, um einem umweltverträglichen Kalibergbau den Weg in die Zukunft zu ebnen",meinte K+S-Chef Lohr.

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