Branche droht mit Boykott

AOK zahlt wenig für Krankenfahrten: Taxis wollen Patienten notfalls stehen lassen

Kassel. Patienten könnten ab 2015 im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen gelassen werden. Denn erste Taxi- und Mietwagenunternehmen aus Stadt und Kreis Kassel drohen an, Krankenfahrten für Versicherte der AOK Hessen nicht mehr zu übernehmen.

Hintergrund ist ein Streit ums Geld. Die AOK will den Firmen nächstes Jahr 1,08 Euro pro Kilometer, der mit ihren Patienten besetzt ist, zahlen. Zugleich droht die Krankenkasse mit 50 000 Euro Vertragsstrafe, wenn die Fahrer nicht den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro erhalten. Ein Ding der Unmöglichkeit, so die Unternehmer.

„Zu den Konditionen werden unsere Betriebe nicht fahren“, sagt Matthias Hörning vom zuständigen Fachverband Pkw-Verkehr. Bereits 235 hessische Betriebe, darunter über 20 aus Stadt und Kreis Kassel, haben in einer Vollmacht erklärt, dass sie das Angebot ablehnen und den Verband auffordern, mit der AOK vernünftige Tarife zu verhandeln.

Die Krankenkasse zeigt sich nicht kompromissbereit. Auf HNA-Anfrage teilt sie mit, dass sie wegen des ab 2015 geltenden Mindestlohns bereits acht Cent mehr pro Kilometer zahlen wolle als bisher. Zudem gebe es für die Anfahrt – unabhängig von der Streckenlänge – eine Pauschale von 1,80 statt 1,50 Euro. Dies sei „fair“.

Die Taxi-Branche sieht das anders. Mit solchen Tarifen würden die Betriebe in die Schwarzarbeit gedrängt, sagt Hörning. Schließlich müssten die Patienten nicht nur transportiert, sondern auch aus ihrer Wohnung abgeholt und in der Krankenstation beziehungsweise Arztpraxis abgeliefert werden. Dies sei derzeit nur zu leisten, weil in der Branche noch Stundenlöhne von sechs Euro gängig seien.

Bislang zahlt die AOK Hessen - ohne Mindestlohn - einen Euro pro Kilometer. Die anderen Kassen zahlen schon jetzt mehr, als die AOK für 2015 anbietet. In anderen Bundesländern ist auch das AOK-Angebot viel besser (Niedersachsen 1,45 Euro).

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © dpa

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