81-jähriger Patient wartet auf konkrete Auskunft zur Kostenübernahme

Beihilfestelle ist nach wie vor überlastet: Zahlungen und Auskünfte verzögern sich

Wer als Beamter oder Pensionär Implantate oder ein Gebiss (Foto) benötigt, ist auf die Unterstützung der Beihilfestelle angewiesen. Doch diese ist mit Anfragen überlastet.
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Wer als Beamter oder Pensionär Implantate oder ein Gebiss (Foto) benötigt, ist auf die Unterstützung der Beihilfestelle angewiesen. Doch diese ist mit Anfragen überlastet.

Der Ärger vieler Beamter und Pensionäre ebbt nicht ab. Seit Januar kommt es bei der Beihilfestelle des Landes, die beim Regierungspräsidium Kassel (RP) angesiedelt ist, zu Verzögerungen bei der Bearbeitung von Anträgen. Ein Betroffener berichtet.

Kassel - Weil bei der Beihilfestelle Personal fehlt und ein neues Computerprogramm eingeführt wurde, müssen Betroffene länger auf ihre Beihilfezahlungen für ärztliche Behandlungen und Medikamente warten. Oft geht es um mehrere Hundert Euro. Eigentlich wollte die Beihilfestelle den Engpass im Sommer in den Griff bekommen. Dies ist nun für den Herbst versprochen.

Günter Glietsch kann dies nicht trösten. Der 81-jährige Pensionär und ehemalige Justizangestellte aus Edertal muss nämlich in diesen Tagen eine Entscheidung treffen. Er benötigt Zahnimplantate oder ein Gebiss. Deshalb hat er bei der Beihilfestelle einen Kostenvoranschlag seines Zahnarztes in Höhe von 13 000 Euro eingereicht. Er bat darum, ihm eine Rückmeldung zu geben, mit welcher Zahlung für Implantate er rechnen könne. Zwei Wochen später bekam er ein Schreiben, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass dies aktuell nicht möglich sei. Für eine Auskunft fehle derzeit das Personal. Es würden nur konkrete Anträge bearbeitet.

Stattdessen lag in dem Schreiben eine Beschreibung, mit der sich Glietsch die beihilfefähigen Kosten selbst errechnen sollte. Allerdings sei dies alles unter dem Vorbehalt, dass die Behandlung notwendig und im Umfang angemessen sei. Darüber entscheide die Beihilfestelle nach Antragstellung.

„Aber wie soll ich mich für so eine teure Behandlung entscheiden, wenn ich nicht weiß, was ich von der Beihilfe zu erwarten habe“, fragt sich der Pensionär. Bei früheren Behandlungen habe die Beihilfestelle auf Anfrage jeweils konkrete Angaben zu voraussichtlichen Zahlungen gemacht. Dabei handele es sich nicht um einen überflüssigen Service, den man zur Not einsparen könne. „Es ist essenziell für Patienten, dies zu wissen. Bei so viel Geld, bleibt man ansonsten eventuell auf hohen Kosten sitzen“, sagt Glietsch. Im Regelfall betrage die Beihilfezahlung 60 Prozent der Kosten. Einen weiteren Teil übernehme die private Krankenversicherung.

Glietsch ist unsicher, was er tun soll. Eigentlich ist die Zahnarztbehandlung für Oktober terminiert. Aber ohne Rückmeldung der Beihilfestelle hänge er in der Luft.

Das Regierungspräsidium bestätigt, dass die seit Jahresbeginn bestehenden Verzögerungen bei der Bearbeitung von Anträgen weiter anhalten. Die Probleme würden aber stetig abgearbeitet, und damit würden die Wartezeiten kürzer, so ein Sprecher. Die Bearbeitungszeit für neu eingehende Beihilfeanträge liege seit mehreren Wochen konstant bei etwa vier Wochen (20 Arbeitstage). Mittelfristig solle die Zeit durch weitere Schritte auf drei Wochen verkürzt werden.

So sei der Import der Daten in das neue Bearbeitungsprogramm der Behörde fast abgeschlossen. Bis Oktober sei der Prozess beendet. „Außerdem wurden mehrere neue Stellen in der Sachbearbeitung geschaffen und inzwischen auch besetzt“, so der Sprecher weiter. Die Schulung und Einarbeitung sei aber noch nicht vollständig abgeschlossen.

Für Betroffene wie Günter Glietsch verspricht das Regierungspräsidium eine Verbesserung im November. Nach der geplanten Änderung der Beihilfenverordnung zur Beihilfefähigkeit von Zahnersatzaufwendungen werde auf der Homepage des RP ein entsprechender Berechnungsbogen zur Verfügung gestellt, mit dem selbst errechnet werden könne, in welcher Höhe sich die Beihilfe voraussichtlich an den Kosten beteiligen werde. (Bastian Ludwig)

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