Borreliose-Gefahr in Nordhessen – Tiere nach Biss sofort entfernen, um Infektion zu vermeiden

Zecken sind jetzt besonders aktiv

Die Gefahr lauert im Grünen: Zecken in Nordhessen können Bakterien tragen, die beim Menschen Borreliose auslösen. Foto: Archiv

Kassel. Für HNA-Leserin Helga Fischlein sind Zecken kein Spaß. In ihrer Familie hat es seit dem Frühjahr schon einige Zeckenbisse gegeben. Offenbar lauerten die Plagegeister im eigenen Garten – für sie eine neue Erfahrung. „Bisher habe ich das nicht für möglich gehalten“, sagt Fischlein.

Nun hat sie Angst vor gefährlichen Krankheiten. Sie weiß: Zecken übertragen die durch Viren ausgelöste und sehr ernst zu nehmende Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, Hirnhautentzündung) sowie die durch Bakterien verursachte Lyme-Borreliose (LB).

Ob es aber in diesem Sommer tatsächlich mehr Zecken gibt als in den vergangenen Jahren, ist schwer zu sagen. „Fakt ist, dass Zecken einen langen und gleichbleibend kalten Winter besser überstehen als einen Winter mit vielen Warm- und Kaltperioden“, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamts Wolfhagen. Zwar sei der Winter 2012/2013 relativ konstant kalt gewesen, „er war aber auch sehr lang, was sich negativ auf die Fortpflanzung der Zecken auswirkt“. Unter dem Strich sei also eher eine Abnahme von Zecken zu erwarten, schätzt Zindel.

Dennoch treten Zecken offenbar aktuell vermehrt auf. Grund: Gerade in den warmen Frühsommermonaten erleben die mit den Spinnen verwandten Tiere ihre aktivste Zeit im Jahr. Deshalb rät Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel: „Nach jedem Spaziergang über eine Wiese oder durch einen Wald sollte der Körper nach den nur ein bis drei Millimeter großen Tieren abgesucht werden.“ Kommt es dennoch zu einem Biss, stellt er in den ersten sechs Stunden für den Menschen keine Gefahr dar. „In Sachen FSME“, sagt Müller, „zählt Nordhessen ohnehin nicht zu den Risikogebieten. Lediglich im Landkreis Marburg-Biedenkopf treten vereinzelt FSME-Fälle auf.“ Und: Gegen FSME kann sich jeder impfen lassen.

Vorsicht ist aber vor einer LB-Infektion geboten – etwa 35 Prozent der Zecken rund um Kassel sind Träger des Borreliose-Bakteriums.

Hier gilt es, die Zecke schon wenige Stunden nach dem Stich zu entfernen, um eine Infektion zu verhindern. Andernfalls könne innerhalb einer Woche eine kreisförmige, sich ausbreitende Rötung der Bissstelle auftreten. Grippeähnliche Symptome, Muskel- und Gelenkschmerzen, ein Anschwellen der Lymphknoten und sogar Fieber seien möglich. „Hier hilft nur eine Antibiotika-Behandlung durch den Hausarzt“, sagt Müller. Verstreiche noch mehr Zeit zwischen Biss und dem Entdecken der Zecke, sollte das Krankenhaus aufgesucht werden. „Das Klinikum Kassel verfügt über Spezialisten“, sagt Müller.

Rat und Hilfe rund um Zecken gibt die Borreliose-Selbsthilfegruppe Kassel Stadt und Land, Tel. 0561/78 80 68 81, www.borreliose.de  Weitere Infos unter: www.zeckenwetter.de und www.rki.de

Von Boris Naumann

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