Sie schritten mutig ein

Zehn Menschen mit Polizeimedaille ausgezeichnet

Kassel. Es sind Menschen, die nicht weggeschaut, die Opfern geholfen oder entscheidende Tipps gegeben haben: Am Freitagabend wurden im Kasseler Polizeipräsidium zum 14. Mal vorbildliche Mitbürger mit der Kasseler Polizeimedaille ausgezeichnet.

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So wie Egon Stumpf, der durch sein beherztes und mutiges Einschreiten die Kassierin eines Drogeriemarktes vermutlich vor erheblichen Verletzungen bewahrt hat. „Es war nur schade, dass wir den Täter nicht gekriegt haben“, sagte der 56-Jährige, als er die Polizeimedaille entgegen nahm.

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Großen Mut habe auch Olga E. beweisen, als sie versuchte, Betrüger hinzuhalten und der Polizei entscheidende Hinweise gab. Am Ende klickten die Handschellen und ein älteres Ehepaar bekam verloren geglaubtes Erspartes wieder, schilderte der Geschäftsführer des Vereins Bürger und Polizei, Wolfgang Jungnitsch anschaulich diesen Fall. „Es war wie ein Indianerspiel“, sagte die 48-Jährige, wenngleich ihr im Rückblick noch immer mulmig ist.

Die Polizei sei bei ihrer schwierigen Arbeit auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen, betonte Polizeipräsident Eckhard Sauer während der Jahresbegrüßung des Vereins Bürger und Polizei vor rund 170 Gästen und Vereinsmitgliedern. Er bedankte sich bei den zehn Medaillenträgern für ihr richtiges und beispielhaftes Handeln.

Die Ausgezeichneten kommen aus Kassel, Haina, Bad Wildungen, Bielefeld und Eschwege. Der jüngste aufmerksame Polizeihelfer ist erst zwölf Jahre alt, der älteste 56. Glücklicherweise gingen alle Fälle gut aus. Und die Taten der Geehrten beweisen, dass es eben nicht nur die Fälle gibt, in denen keiner eingeschritten ist, machte Bürgermeister Jürgen Kaiser auch anderen Mut, zur Wahrung der Sicherheit für Mitmenschen einzustehen. (hei)

Trio stellte Autoknacker

Angst hätten sie nicht gehabt. „Dafür einen Adrenalinschub“, sagt Torge Wiedersatz. Der 29-jährige Student der Informatik hat mit der 15-jährigen Annkatrin Herbst und deren Vater Peter (46) am 8. November nicht nur dafür gesorgt, dass ein Autoknacker geschnappt wurde, sondern das Trio hat auch die Handtasche des Opfers wieder aufgestöbert. Die Schülerin Annkatrin befand sich am Nachmittag des Novembertages zu Fuß auf dem Nachhauseweg, als sie im Kreuzungsbereich Kohlenstraße/Am Heimbach eine Alarmanlage hörte. In etwa 20 Meter Entfernung beobachtete sie einen Mann an der Beifahrertür eines Autos, der sich etwas unter die Jacke steckte und dann weglief. Annkatrin vermutete sofort, dass der Mann den Wagen aufgebrochen und etwas daraus gestohlen hatte. Sie rief über Handy zunächst ihren Vater und danach sofort die Polizei an. Dann nahm sie zusammen mit Torge Wiedersatz, der den Täter ebenfalls beobachtet hatte, die Verfolgung auf und gab der Polizei laufend Informationen über den Standort durch. Peter Herbst, der um die Ecke arbeitete, stieg sofort ins Auto und fuhr los. Wenig später stellten die drei den Täter in Wehlheiden und übergaben ihn der Polizei. Damit aber nicht genug. Mittlerweile hatte das Opfer, eine Frau, festgestellt, dass der Täter ihre Handtasche aus dem Wagen gestohlen hatte. Nur wo war das gute Stück? Die Polizeibeamten fragten die Helfer aus Wehlheiden, ob sie eine Idee hätten. Die Schülerin und der Student vermuteten sofort, dass der Autoknacker die Tasche auf der Flucht nur in eine Hecke gesteckt haben konnte. Der Instinkt täuschte sie nicht. Die Tasche steckte tatsächlich in der Hecke und wurde der Besitzerin zurückgegeben, die sich anschließend bedankte. „Aus Spaß haben wir damals gesagt, dafür wollen wir eine Auszeichnung“, sagt Torge Wiedersatz. „Und jetzt bekommen wir sie. Das ist doch toll.“ Da ist sich das Trio einig. (use)

Räuber mit Plastikflasche geschlagen

Viel Mut bewies der 56-jährige Egon Stumpf aus Kassel am 23. November vergangenen Jahres. Der Mann war an diesem Freitagnachmittag gegen 17.30 Uhr - übrigens nicht der einzige - Kunde in einem Drogeriemarkt am Struthbachweg. Dort hörte er die Hilfeschreie der Kassiererin, die von einem Räuber mit einer Pistole bedroht und attackiert wurde. Der 56-Jährige zögerte nicht, stürmte auf den Täter zu und schlug ihn mit einer Plastikflasche eines Reinigungsmittels den er kaufen wollte. „Der hatte nicht mit mir gerechnet“, schildert der Familienvater. Der Räuber wehrte sich und schlug Egon Stumpf mit der Pistole, woraufhin dieser stürzte. Dennoch gab der Räuber, der zehn Minuten vorher bereits einen benachbarten Getränkemarkt überfallen hatte, auf und flüchtete. Egon Stumpf und weitere Zeugen verfolgten zwar den Mann, verloren ihn jedoch auf der Holländischen Straße aus den Augen. (use/hei)

Schockanruf: Frau überführte Betrüger

s war am Morgen des 31. Oktober 2012, als Olga E. (Name der Redaktion bekannt) den Anruf bekam. Der Mann am anderen Ende der Leitung behauptete, er sei ihr Sohn und benötige dringend Hilfe. Bei einem Unfall habe er ein Mädchen verletzt. Ein anderer Anrufer erklärte ihr, er sei Anwalt. Wenn sie 4000 Euro zahle, könne das mit dem Unfall aus der Welt geschaffen werden. „Was soll das?“, fragte sich Olga E. selbst. Die 48-jährige Frau wusste, dass ihr Sohn keinen Autounfall verursacht haben konnte. Der besuchte nämlich erst die zweite Klasse. Zudem wusste die Frau aus Kassel über die Masche der Schockanrufer Bescheid. In der Zeitung hatte sie mehrfach darüber gelesen. „Also habe ich einfach mitgespielt“, sagt Olga E. Sie sagte zu den Betrügern, sie zahle das Geld, brauche aber noch etwas Zeit. Diese Zeit nutzte sie, um die Polizei zu alarmieren. Die Ermittler nahmen kurz darauf zwei Männer auf frischer Tat fest. Zivilstreifen waren auf die Verdächtigen in einem litauischen Fahrzeug aufmerksam geworden. Das Fahndungskommissariat und das Kommissariat ZK 30 verfolgten die beiden, die kurz darauf bei einem älteren Ehepaar aus der Breslauer Straße mit der gleichen Masche 2000 Euro ergaunert hatten. Zu Olga E. waren die Männer gar nicht mehr gekommen. Dennoch hat die Frau bis heute Angst vor den Betrügern und will deshalb nicht ihren Nachnamen veröffentlichen. (use)

Schüler meldete Schützen

Der zwölfjährige Jan Schober hielt sich am Samstag, 12. März 2012, mit anderen Kindern auf der Karlshafener Straße auf. Dort beobachteten sie einen Mann, der in einer Gruppe stand und plötzlich mit einer Pistole mehrfach in die Luft schoss. Dann setzte sich der Mann in ein Auto und fuhr davon. Der Schüler verständigte über Notruf die Polizei. Als die Funkstreife des Polizeireviers Süd-West eintraf, hatten die Kinder bereits 43 Hülsen eingesammelt. Zudem hatte sich Jan das Kennzeichen des Autos, in dem der Schütze losgefahren war, aufgeschrieben. So war es der Polizei möglich, den Halter aufzusuchen und zu ermitteln. Dabei stellte sich heraus, dass der Mann anlässlich einer türkischen Hochzeit mit einer Schreckschusswaffe geschossen hatte. Wie beim Abbrennen von Silvesterknallern sollte das den Jungvermählten nach türkischer Sitte Glück bringen. Erlaubt ist es aber nicht: Gegen den Mann wurde ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet. (use)

Bilder von der Verleihung

Kasseler Polizeimedaille für vorbildliche Mitbürger

Rubriklistenbild: © Fischer

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