Historisches Gebäude soll von Stadt gekauft und von Förderverein genutzt werden

Zehntscheune ist gerettet

Rettung für die Zehntscheune: Der 1460 errichtete Fachwerkbau, der zu den ältesten erhaltenen Baudenkmälern in Kassel zählt, soll saniert und künftig für Veranstaltungen der Vereine und Verbände im Stadtteil genutzt werden. Waldaus Ortsvorsteher und Fördervereins-Vorsitzender Joachim Bonn will dafür auch Spenden sammeln. Archivoto: Herzog

Waldau. Die Rettung der Zehntscheune in Waldau als Baudenkmal und als Veranstaltungsort für die Vereine und Verbände im Stadtteil ist gesichert. Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) unterzeichnete mit Nicole Siebrecht und Joachim Bonn vom Vorstand des neu gegründeten Fördervereins Zehntscheune einen Vertrag, der die künftige Nutzung des historischen Gebäudes regelt.

Der Vertrag ist auch die Grundlage dafür, dass die Stadt für einen symbolischen Betrag von wenigen Euro die Zehntscheune von der Kommunalen Versorgungskasse Kurhessen-Waldeck kaufen kann. Seit Ende 2003 der letzte Gewerbemieter ausgezogen war, hatte die Versorgungskasse erfolglos versucht, die kostspielige Immobilie aus dem Jahr 1460 zu vermarkten. Die Chancen dafür sanken 2008, als Gutachter schätzten, mindestens 860 000 Euro seien nötig, um die Folgen einer fehlerhaften Sanierung von 1976 zu beseitigen. Damals waren Holzbalken an schadhaften Stellen mit Kunstharz bestrichen worden. Darunter ist das Holz inzwischen völlig marode geworden.

Zehnjahresplan

Die Stadt hat in diesem Jahr 50 000 Euro für einen ersten Sanierungsschritt bereitgestellt, weitere 20 000 Euro sollen 2011 von der Landesdenkmalpflege kommen. In den kommenden zehn Jahren soll die Scheune, die zu den ältesten erhaltenen Gebäuden in der Stadt zählt, Stück für Stück saniert werden, erklärt Hilgen: „Wir möchten nicht, dass die Zehntscheune das Schicksal der Reithalle teilt.“ Das historische Gebäude im Stadtteil Wesertor war so lange vernachlässigt worden, bis es einzustürzen drohte und abgerissen werden musste.

Waldau sei für die Übernahme der Zehntscheune durch die Stadt sehr dankbar, sagt Waldaus Ortsvorsteher Joachim Bonn (SPD). Der neue Förderverein, der bereits 36 Mitglieder hat, werde sich künftig um die Nutzung der Scheune kümmern und die laufenden Kosten für Versicherungen, Straßenreinigung, Heizung und anderes übernehmen. Bonn erinnert daran, dass die Freiwillige Feuerwehr Waldau in Eigenleistung bereits die Elektroleitungen erneuert und eine Heizung in die Scheune eingebaut habe. Dort wird seit 2004 unter anderem die Waldauer Enten-Kirmes gefeiert.

Die Idee zur jetzt in die Tat umgesetzten Nutzung des Fachwerkhauses durch ein Gemeinschaftswerk der Stadt und der Waldauer Bürger hatte bereits Bonns Amtsvorgänger Friedhelm Alster (CDU) in die Diskussion gebracht. Jetzt will der Förderverein nicht nur weitere Mitglieder, sondern auch Spender suchen, die Geld für die Sanierung geben. „Wir müssen Klinken putzen“, sagt Bonn, „und werden alles daransetzen, weiteres Geld für die Sanierung einzuwerben.“ HINTERGRUND

Von Jörg Steinbach

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