Frauenbündnis lobt Kassels Vorstoß, eine geschlechtergerechte Sprache einzuführen

„Zeichen von Respekt und Offenheit“

Setzt sich für geschlechtergerechte Sprache ein: Die Schriftstellerin Kirsten Boie lehnte deshalb VDH-Preis ab.
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Setzt sich für geschlechtergerechte Sprache ein: Die Schriftstellerin Kirsten Boie lehnte deshalb VDH-Preis ab.

Mit einem offenen Brief und deutlichen Worten hat das Kasseler Frauenbündnis auf die Kritik der Jury des Vereins Deutsche Sprache reagiert, die sich gegen die Entscheidung der Stadt Kassel wendet, eine geschlechtergerechte Sprache in der Verwaltung einzuführen.

Kassel ‒ „Wir stellen uns solidarisch an die Seite der Stadtverordneten, die mit ihrem Beschluss die Einführung einer geschlechtergerechten Sprache ermöglicht haben“, heißt es in dem Brief des Bündnisses, dem ein Dutzend Kasseler Einrichtungen angehören, darunter das Archiv der deutschen Frauenbewegung, das Frauenhaus und die Frauenbildungsarbeit in den Referaten Wirtschaft-Arbeit-Soziales und Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

„.Es ist ein Zeichen von Respekt, Toleranz und Offenheit, Sprache so zu nutzen, dass sich jede und jeder angesprochen fühlt“, heißt es in dem Offenen Brief. Eine geschlechtersensible Sprache als „Gender-Wahn“ oder „Gender-Unfug“ zu diffamieren, wie es die Kritiker getan hatten, zeuge hingegen von „Unkenntnis“ und von „rechtspopulistischem Sprachgebrauch“.

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) hatte unter anderem damit gedroht, den Preis künftig nicht mehr in Kassel zu verleihen. Im Brief des Frauenbündnisses heißt es: „Wir ziehen den Hut vor der Kinderbuchautorin Kirsten Boie, die mit der Begründung, sie möchte vermeiden, dass sich ein Verein mit ihrem guten Namen schmückt, der gegen gendergerechte Sprache antritt, einen VDS-Preis abgelehnt hat.

Wir appellieren an die Stadt Kassel, sich durch den VDS-Verein nicht erpressen zu lassen und fordern alle Unterstützerinstitutionen auf, ihr Engagement in diesem Verein zu überdenken. „Sprache lässt sich nicht still stellen und wir sind froh in einer Stadt zu leben, die sich entschieden für Inklusion einsetzt – auch in der Sprache.

Fraktion WfK teilt Kritik

Zustimmung in seiner Kritik an einer geschlechtergerechten Sprache hat der VDS hingegen von der Fraktion „Wir für Kassel“ (WfK) erhalten. Ebenso wie die CDU und die AfD hatte die Fraktion WfK im September gegen den SPD-Antrag für die Einführung der geschlechtergerechten Sprache in der Verwaltung gestimmt.

Der Preisträger aus dem Jahr 2019, Grammatikprofessor Peter Eisenberg, hatte sich zuletzt gegen die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache geäußert. Er sprach über „Irrtümer, die der Gleichsetzung von grammatischem und natürlichem Geschlecht zugrunde liegen“.

Diese Auffassung vertritt auch Stadtverordneter Andreas Ernst, der stellvertretende WfK-Vorsitzender. Gerade bei sehbehinderten Menschen, die auf Blindenschrift angewiesen sind, oder Menschen mit Autismus und Asperger-Syndrom zeigten sich „sehr große Probleme mit gendergerechter Sprache“, so Andreas Ernst. (chr)

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