Kasseler Kinos wollen mit öffentlicher Förderung auf Digitaltechnik umrüsten

Zeit für Zelluloid läuft ab

Kassel. Das Kino wird digital. Während sich in großen Filmpalästen alles um 3D dreht, rattern in vielen kleinen Lichtspielhäusern noch immer die traditionellen Zelluloidstreifen durch die Projektoren. Das soll sich ändern. Bundesregierung, Filmförderung und Land Hessen haben jetzt Geld für die Kino-Digitalisierung zur Verfügung gestellt.

Die drei Kasseler Kinos Bali, Filmladen und Gloria wollen schnell auf die Mittel aus Berlin und Wiesbaden zugreifen. „Für uns ist das sehr wichtig“, sagt Mitinhaber Frank Thöner, „durch die Förderung ist unser Eigenanteil nicht mehr ganz so hoch.“ Die neue Technik für jeden der vier Säle werde 60 bis 80 000 Euro kosten.

Da kommt die öffentliche Unterstützung gerade recht. Die Filmförderungsanstalt FFA übernimmt bis zu 15 Prozent der Kosten, aber höchstens 10 000 Euro. Ein Viertel oder bis zu 17 500 Euro steuert der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) bei – aber nur, wenn sich auch das Bundesland an der Förderung beteiligt.

Hessen stellt EU-Mittel bereit

Deshalb ist Thöner froh, dass Hessen schnell reagiert habe. Das Wirtschafts- und das Kunstministerium haben angekündigt, insgesamt zwei Millionen Euro aus einem Europäischen Fonds zur Verfügung zu stellen. Auch Wiesbaden will 17 500 Euro pro Leinwand zahlen. Sogar 21 000 Euro, wenn das Kinoprogramm hauptsächlich aus deutschen und europäischen Filmen besteht.

„Wir müssen noch abwarten, wie die genauen Förderrichtlinien aussehen, aber dann wollen wir loslegen“, sagt Thöner. Bis die Kinosäle umgerüstet seien, könne es bis Anfang 2012 dauern: Weil derzeit viele Filmtheater auf Digitaltechnik umstellen, gebe es lange Lieferzeiten.

Womöglich wird einer der Säle von Bali, Filmladen und Gloria mit 3D-Technik ausgestattet. „Nachdem auch Regisseure wie Wim Wenders damit arbeiten, wird das auch für uns interessant“, sagt Thöner. Wenders’ aktueller Film über die Choreografin Pina Bausch ist ausschließlich in einer 3D-Version erhältlich.

Der Abschied von den alten Projektoren kommt nicht freiwillig. „Die Filmindustrie zwingt die Kinos zur Umrüstung“, sagt Thöner. Irgendwann werde es keine klassischen 35-Millimeter-Kopien mehr geben. „Wir müssen das schon machen, um mithalten zu können.“ HINTERGRUND

Von Marcus Janz

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