Zensus-Fragebogen: Bekamen 16.000 Tote in Hessen Post?

Kassel. Etwa 16.000 verstorbene Hessen könnten Fragebögen für den Zensus erhalten haben. Grund ist die Erhebung unter Immobilienbesitzern, für die der Stichtag am 1. April 2010 gewesen ist.

Im August 2010 ist Gerda S. gestorben. Trotzdem kam für die Kasselerin, die am Jungfernkopf lebte, jetzt Post vom Statistischen Landesamt. Als Eigentümerin einer Wohnung an der Druseltalstraße wurde sie aufgefordert, für die Gebäude- und Wohnungszählung Auskunft zu geben. Diese ist Teil des aktuell stattfindenden Zensus’ 2011, einer Volkszählung, die Erkenntnisse zum Leben und Arbeiten in Deutschland geben soll.

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Die Daten für die Gebäude- und Wohnungszählung seien aus Grundsteuerstellen der Kommunen, der Katasterverwaltung und der Oberfinanzdirektion Frankfurt zusammengestellt worden, sagt Berthold Müller, Leiter der Abteilung Zensus beim Statistischen Landesamt. Letzter Stichtag sei der 1. April 2010 gewesen. Änderungen hätten danach nicht berücksichtigt werden können.

Beim Landesamt habe es bereits einige Anrufe gegeben, weil Post an Verstorbene zugestellt worden sei, sagt Müller. „Die ältere Bevölkerung ist in der Regel ja auch eher Immbobilienbesitzer.“ Etwa ein Prozent der hessischen Bevölkerung sterbe im Jahr. Wende man dies auf 1,6 Millionen angeschriebene Immobilienbesitzer an, könnten im schlimmsten Fall 16.000 verstorbene Eigentümer Post zum Zensus erhalten haben.

Zwar war die Umschreibung der Wohnung von Gerda S. auf die neue Eigentümerin wegen einer komplizierten Erbfolge erst kürzlich erfolgt. Doch selbst wenn unmittelbar nach dem Tod der 75-Jährigen alles geregelt worden wäre, hätte sie noch den Erhebungsbogen zugeschickt bekommen. Der Stichtag habe nicht später gesetzt werden können, sagte Müller. Das Standardisieren von 1,6 Millionen Adressen für die Gebäude- und Wohnungszählung „ist nicht im Handumdrehen zu machen“. Mal seien die Namen von Eigentümern unterschiedlich geschrieben, mal sei der Ehemann und mal die Ehefrau angegeben. All das gelte es, vorher abzugleichen.

Wer in einem solchen Fall die Post entgegennimmt, solle sie mit Angaben über den neuen Eigentümer ans Statistische Landesamt zurückschicken, sagte Müller. „In der Regel seien das ja Angehörige.“ Eine andere Möglichkeit sei, mit dem Zugangscode auf dem Erhebungsbogen die Angaben im Internet zu machen. Für die Erhebung bestehe Auskunftspflicht, sagte Müller.

Von Katja Rudolph

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