Zentrum für Umweltbewusstes Bauen der Uni lädt ein

Vortrag: Dämmen schafft gesundes Wohnklima und senkt Energiekosten

Kassel. „Dämmen schafft ein behagliches und gesundes Wohnklima“, sagt Jutta Steinbrecher vom Zentrums für Umweltbewusstes Bauen (ZUB) an der Universität Kassel und führt die drei wichtigsten Gründe für die zeitgemäße Dämmung einer Immobilie an.

„Die Dämmung verhindert gefährliche Schimmelbildung, steigert das Wohlbefinden der Bewohner und senkt die Energiekosten. Darüber hinaus ist sie die Voraussetzung für den Einbau einer wirklich effizienten Heiz- und Klimatechnik.“

Für den 27. Mai um 17 Uhr lädt das ZUB zu einem Vortrag über das richtige Dämmen von Häusern ein, um Bauphysik verständlich zu machen. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, aber eine Anmeldung
unter ww.zub-kassel.de  erforderlich.

Das Zentrum für Umweltbewusstes Bauen

„Wir möchten Gebäude heute schon so planen, bauen und nutzen, dass sie auch in Zukunft den ökonomischen und ökologischen Maßstäben genügen“, lautet das Bekenntnis des ZUB: „Darum blickt das ZUB ganzheitlich auf die Bedürfnisse des Menschen, die einzusetzenden Materialien, die Technik und den Entstehungsprozess eines Bauwerks. So hat es sich zur Aufgabe gemacht, umweltbewusstes Bauen und zukunftsweisende Entwicklungen im Geist der Nachhaltigkeit zusammenzuführen.“ 

Das ZUB steht im Dienst privater und öffentlicher Auftraggeber. Im engen Netzwerk mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik, den Fachgebieten Bauphysik, Technische Gebäudeausrüstung und Experimentelles Bauen der Universität Kassel sowie weiteren Instituten ermöglicht es den Zugriff auf aktuelle Forschungsergebnisse und überträgt sie in praktische Lösungen.

Für Architekten und Fachplaner, Bauindustrie, Fachhandwerk und Fachhandel, für Immobilienwirtschaft und Kommunen ist das ZUB insofern der Wissenspartner, als es aktuelle Forschungserkenntnisse und neueste Trends in der Weiterbildung vermittelt.

Die Themen in Forschung und Weiterbildung sind:
• Energieeffiziente Gebäudehülle (Bauphysik, Wärmebrücke, Luftdichtheit)
• Technische Gebäudeausrüstung (Heizung, Lüftung, Klimatisierung, erneuerbare Energien)
• Energieberatung (Planung und Umsetzung, Neubau und Modernisierungen, Energieeinsparverordnung und Energieausweis, Bilanzierung, Förderprogramme, Qualitätssicherung und Baubegleitung)

„Die Dämmung verhindert Schimmelbildung“

 „Selten wird ein physikalischer Sachverhalt, der für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unseren Geldbeutel so entscheidend ist, so weit in sein unsinniges Gegenteil verkehrt, wie es in der Debatte über das Dämmen von Häusern geschieht“, sagt die Ingenieurin und Architektin Jutta Steinbrecher: „Dämmen führt nicht zur Schimmelbildung in Gebäuden, sondern es verhindert diese. Das Dämmen schadet nicht dem Raumklima, sondern es steigert das Wohlbefinden, wie Studien über die Behaglichkeit in Räumen zeigen. Schließlich kostet das richtige Dämmen zwar Geld, aber über die Jahre lohnt die Investition, vor allem wenn ohnehin eine Reparatur am Haus ansteht.“ Darum will das ZUB, ein renommiertes Zentrum, das schon Tausende von Handwerkern, Planern und Architekten in Fragen der Energieeffizienz geschult hat, alle Interessierten über bauphysikalische Zusammenhänge verständlich informieren.

Deutscher Mindestwärmeschutz aus der Not der Nachkriegszeit

 „Schimmel entsteht immer, wenn die Oberflächentemperatur einer Innenwand gering und die relative Luftfeuchte im Raum dagegen hoch ist. Und das ist in fast allen ungedämmten Häusern der Fall, die vor der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 gebaut wurden“, sagt die Wissenschaftlerin. Der sogenannte „Schimmelpunkt“ liege bei 20°C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent in der Innenraumluft bei einer Temperatur von 12,8°C an der Innenseite einer Wand. Je schlechter der Wärmeschutz eines Außenbauteils ist, umso niedriger sind die Oberflächentemperaturen und umso höher ist das Schimmelrisiko, insbesondere im Bereich von Wärmebrücken wie beispielsweise Außenecken. Die ersten Anforderungen an den Mindestwärmeschutz wurden in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts festgelegt. „Nach heutigen Kriterien ist dieser Wärmeschutz hoffnungslos veraltet, so wie ein Fahrzeug von 1952 heute nicht mehr den Erwartungen an Leistung und Sicherheit entspricht“, sagt Jutta Steinbrecher und fragt: „Wer verzichtete heute im Alltag auf Sicherheitsgurte, Kopfstützen, Airbags und sichere Bremsen? Ganz zu schweigen von dem Kraftstoffverbrauch der alten Fahrzeuge im Vergleich zu ihren Fahrleistungen. Beim Wohnen geben wir uns aber mit den alten technischen Standards zufrieden. Aber natürlich hat die zeitgemäße Technik im Haus wie beim Auto ihren Preis. Ein neuer Käfer mag 5.000 Mark gekostet haben, ein neuer Golf kostet 25.000 Euro.“

Das Leben am „Schimmelpunkt“

Wenn der „Schimmelpunkt“ erreicht ist, steigt die relative Luftfeuchtigkeit auf der Innenseite der Wand auf 80 Prozent und die Gefahr der Schimmelbildung ist gegeben. Der Schimmel wiederum führt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei den Bewohnern zu einem erhöhten Risiko von Atemwegsinfektionen und Asthma. Außerdem können Schimmelsporen Allergien auslösen, die Symptome sind dann wie beim Heuschnupfen.

Vor allem in ungedämmten Häusern häufig lüften

Die Bewohner können sich nach den Worten der Wissenschaftlerin zwar behelfen, indem sie in ungedämmten Häusern mehr heizen und häufiger lüften. Sie sollten die Möbel nicht an die Außenwände und schon gar nicht in die Außenecken stellen und am besten auf Tapeten verzichten. Aber das seien im Alltag nicht immer praktikable Lösungen, räumt die Wissenschaftlerin ein. Vor allem beseitigten sie das Problem nicht an der Wurzel. „Gegen die Kälte von außen hilft nur ein warmer Pulli“, sagt die Wissenschaftlerin, und der würde dem Haus mit einem Dämmstoff übergezogen. Die dämmende Außenhülle bewirke, dass die Wärme nicht von innen nach außen verloren geht und die Innenseite der Außenwand zu stark abkühlt. Bei einer Vollziegelwand von 38 Zentimeter Stärke, einer Außentemperatur von minus 5 Grad und einer Raumlufttemperatur von 20 Grad beträgt die Temperatur an der Innenseite der Außenwand ohne Dämmung etwa 12 Grad und mit einer Dämmung von beispielsweise 12 Zentimeter Stärke etwa 19 Grad, abhängig von der Wahl des Dämmstoffes.

Selbstverständlich verringert sich der Heizwärmebedarf dank einer Dämmung erheblich.

Bei einem Brennwertkessel kann eine Dämmung von 12 cm auf der Außenwand je Quadratmeter Wohnfläche und Jahr zu Einsparungen in der Größenordnung von 10 Litern Heizöl führen. Das Beispiel zeigt, wie stark eine passende Dämmung den Wärme- und im Sommer den Kältebedarf eines Hauses senkt. „Wer die Heizung tauschen möchte oder muss, sollte unbedingt die Dämmung des Hauses in Erwägung ziehen. Denn mit der Dämmung geht die erforderliche Leistung der Heizung erheblich zurück, was die Investitions- und Betriebskosten der neuen Anlage senkt“, sagt Jutta Steinbrecher.  

„Kalte Wände lassen uns frösteln“

Wärmere Innenwände verhindern nach Worten der Expertin für Bauphysik aber nicht nur die Bildung von Feuchtigkeit, sondern sie steigern erheblich die Behaglichkeit im Raum. Denn kalte Wände lassen uns trotz einer relativ hohen Lufttemperatur im Raum frösteln, weil unser Körper zu viel Strahlungswärme an die kalten Wandflächen abgibt. Bauphysikalisch betrachtet entziehen uns die kalten Wände zu viel Körperwärme. Das macht den Aufenthalt in solchen Räumen unbehaglich.

Das Behaglichkeitsdiagramm fürs Wohlbefinden

Die Wissenschaftler haben sich mit dem Phänomen befasst. Jutta Steinbrecher zeigt ein „Behaglichkeitsdiagramm“. Danach spricht man von einem behaglichen Raumklima, wenn bei einer Lufttemperatur von 20 Grad die Oberflächentemperaturen der Bauteile zwischen 19,5 und 25 Grad liegen. Bei niedrigeren Oberflächentemperaturen muss die Lufttemperatur entsprechend erhöht werden, bei 16 Grad Oberflächentemperatur beispielsweise auf 23 Grad Lufttemperatur – was wiederum den Bedarf an Heizenergie erheblich steigen lässt. (Bild Fußboden)

Aufeinander abgestimmtes Gesamtkonzept

Ganz entscheidend ist es nach Jutta Steinbrechers Worten, keinen Aspekt für sich alleine zu betrachten oder gar zu optimieren, sondern die einzelnen Maßnahmen immer aufeinander abgestimmt und das Zusammenspiel als Ganzes zu optimieren. Dies betrifft den Fensteraustausch und die Dämmung, die Luftdichtheit und das Lüftungskonzept sowie das Zusammenwirken von Gebäudehülle und technischer Gebäudeausrüstung. Hierzu werden im Vortrag grundsätzliche Zusammenhänge dargestellt. Und in der Praxis sollte bei größeren Maßnahmen immer ein Experte einbezogen werden – ausgebildet vielleicht im Zentrum für Umweltbewusstes Bauen.

Kontakt:

ZUB – Zentrum für Umweltbewusstes Bauen 
Gottschalkstraße 28a
34127 Kassel
Dipl.-Ing. Jutta Steinbrecher Architektin
Tel.: +49 561 804 1884
E-Mail: steinbrecher@zub-kassel.de

Anmeldung zum Vortrag auf www.zub-kassel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.