Projekte in der Luftfahrttechnik werden künftig von Nordhessen aus gesteuert

Kassel/Frankfurt. Das Gebäude ist sieben Stockwerke hoch und hat eine Fläche von 20.000 Quadratmetern. Es wird Hörsäle, Büros und Forschungsbereiche geben. Das neue Forschungszentrum „Holm“ (House of Logistics and Mobility), das im Herbst nächsten Jahres fertig sein soll, ist ein Großprojekt Hessens.

Hier sollen Konzepte für die Mobilität und Logistik der Zukunft entstehen. Einzig: Das gewaltige Forschungszentrum steht nicht in der Logistik-Region Nordhessen in Kassel, sondern in Frankfurt, am dortigen Flughafen.

Das hat in Nordhessen lange Zeit für Unmut gesorgt. Doch nun hat man mit dem Standort offenbar seinen Frieden gemacht, denn das Forschungszentrum wartet auch mit einem besonderen Bonbon für Nordhessen und Kassel auf: Denn neben den Bereichen Mobilität und Logistik soll es einen weiteren für die Luftfahrt geben. Und für diesen wird federführend Nordhessen verantwortlich sein. Chef wird Dr. Matthias Jahnke, bei der Kasseler Wirtschaftsförderung für das „Competence Center Aerospace“ (CCA) zuständig. Ab dem nächsten Jahr wird er zwischen Kassel und Frankfurt pendeln.

Matthias Jahnke

Dass das Forschungszentrum am Verkehrsknoten Rhein-Main seinen Sitz hat, findet man nun auch in Kassel verständlich. „Das geht schon klar,“ sagt Kai Lorenz Wittrock, Geschäftsführer der Kasseler Wirtschaftsförderung. Gegen Konzerne wie Rolls-Royce, Lufthansa und Fraport könne man in Nordhessen nicht anstinken.

Aber man müsse sein Licht auch nicht unter den Scheffel stellen. Denn in der Luftfahrtindustrie gebe es in Kassel und Umgebung mittlerweile 50 bei der CCA organisierte mittelständische Unternehmen mit zusammen etwa 3000 Beschäftigten. Und der neue Flughafen Kassel-Calden unterscheide sich von allen anderen Regionalflughäfen dadurch, dass dort Firmen der Luftfahrtbranche mit rund 600 Arbeitsplätzen schon seit Langem ansässig seien, sagt Wittrock.

Die bei der CCA organisierten Unternehmen sollen nun über das Frankfurter Forschungszentrum besseren Kontakt zu den südhessischen Konzernen bekommen. Ziel sei, bestimmte Aktivitäten, Forschungsprogramme und Kooperationen nach Nordhessen zu bekommen, aus denen hier Arbeitsplätze entstehen können, erläutert Dr. Matthias Jahnke.

So könnte Triebwerkshersteller Rolls-Royce etwa eines Tages das Wissen Kasseler Ingenieure nutzen, um leisere Triebwerke zu bauen. Außerdem will man versuchen, den neuen Flughafen Kassel-Calden für Forschungsarbeiten mit zu nutzen. Matthias Jahnke nennt ein Beispiel: Die Kasseler Firma Polyma, die unter anderem Geräte für die Stromversorgung von Flugzeugen am Boden herstellt, könnte Praxis-Tests in Calden veranstalten.

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