Hälfte der Kosten sind Transportkosten

600.000 Euro für Neubau an Kasseler Berghütte - Material wird mit Hubschrauber geflogen

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Die Kasseler Hütte in den Zillertaler Alpen

Die Kasseler Hütte in den Zillertaler Alpen soll erweitert werden. Die Hälfte der Kosten entfällt auf den Transport - Das Baumaterial kommt per Hubschrauber geflogen. 

Die Kasseler Hütte in den Zillertaler Alpen soll um einen Neubau erweitert werden. Die Sektion Kassel des Alpenvereins geht von 600 000 Euro Baukosten aus - die Hälfte davon entfällt auf den Materialtransport per Hubschrauber. Der Neubau für Kassels höchstes Gebäude ist bereits beschlossene Sache. 

Wegen der besonderen Anforderungen an diese hochalpine Baustelle wird die Umsetzung aber noch ein Weilchen dauern: Die Sektion Kassel des Deutschen Alpenvereins will ihre in 2177 Meter Höhe gelegene Schutzhütte im österreichischen Zillertal erweitern. Die Kasseler Hütte, die der Verein im Jahr 1927 oberhalb von Mayrhofen eröffnete, erhält einen separaten zweistöckigen Neubau mit Satteldach.

Das Rustikale im Innern soll bleiben: Das Foto einer Leserin stammt vom Hüttenbesuch 1959.

Gebaut wird zur Bergseite hin, der dort stehende Schuppen neben der Materialbahn muss weichen. Die Baukosten betragen rund 600 000 Euro. Die Arbeiten sollen in der Saison 2021 (etwa von Juni bis September) über die Bühne gehen, kündigt Manfred Hesse, der Vorsitzende der Kasseler Sektion des Alpenvereins, an. Innerhalb von vier Wochen soll der Bau von Firmen aus der dortigen Region erledigt werden.

Hälfte der Baukosten sind Transportkosten

Denn das Bauen ist teuer in dieser Abgelegenheit und Höhe. Und Zeit ist Geld, müssen doch die gesamten Baumaterialien mit dem Hubschrauber hinaufgeflogen werden. „Die Hälfte der Baukosten entfällt somit allein auf die Transportkosten“, berichtet Manfred Hesse.

ManfredHesse, Vorsitzender Sektion Kassel im Deutschen Alpenverein

Im Schnitt mehr als 2000 Besucher im Jahr zählt die bei Wanderern beliebte Kasseler Hütte. Zwei- bis dreimal pro Jahr statten Mitglieder der Sektion Kassel „ihrer“ Hütte im Zillertal einen Besuch ab. Jährlich findet dort auch die Bergsteiger-Ausbildung statt.

Die Kasseler Hütte verfügt über rund 100 Schlafplätze. Davon stehen 72 im Matratzenlager, 24 in Mehrbettzimmern und weitere im Notlager zur Verfügung. Während der Saison versorgt Hüttenwirt Martin Gamper die Besucher. Wegen der Witterung ist das Haus etwa von Oktober bis Mai geschlossen. Weil es sich aber um einen hochalpinen, weil über 2000 Meter hoch gelegenen Stützpunkt handele, müsse die Schutzhütte Wanderern auch außerhalb der Saisonöffnung einen Unterschlupf bieten. Einen Winterraum, der immer offen stehe und beheizbar sei. Der in die Jahre gekommene bisherige Winterraum sei ein Grund, warum der Verein den Neubau nun in Angriff nehmen müsse.

„Mit der Erweiterung ist aber keine Erhöhung der Besucherkapazität geplant“, betont der Vereinschef. Man trage damit nur den Anforderungen der Behörden Rechnung. So werde etwa für Schutzhütten vorgeschrieben, dass für das Personal eigene Sanitäranlagen zur Verfügung stehen, die Mitarbeiter sich Toiletten also nicht mehr mit Besuchern teilen. Neben dem Winterraum werde im neuen Haus auch eine Werkstatt für den Pächter/Hüttenwirt eingerichtet.

Finanzierung steht bereits

Die Entscheidung für diese besondere Kasseler Baustelle sei getroffen, man hoffe nun noch auf einen Zuschuss von der Bundesebene des Alpenvereins. Die Sektion Kassel sei aber groß genug, um diese Investition zu schultern. Hesse: „Die Finanzierung steht.“

Alte Kasseler Hütte sorgt oft für Verwechslungen

Selbst unter Wanderern wird die Kasseler Hütte im österreichischen Zillertal auch heute noch mit der Alten oder besser ehemaligen Kasseler Hütte im italienischen Südtirol (Rieserfernergruppe) verwechselt. Übrigens kam so auch der HNA-Bericht über die Neubaupläne zustande. Denn Anlass für unsere Anfrage beim Alpenverein gab die Tageszeitung „Dolomiten – Tagblatt der Südtiroler“, die Anfang September vermeldete, dass Millionen-Investitionen in Schutzhütten geplant seien, darunter auch in die Kasseler Hütte. Aber eben in die in Südtirol, nicht in die im Tiroler Zillertal.

Tatsächlich gehörte auch die Alte Kasseler Hütte, die 1895 auf 2276 Metern Höhe eingeweiht worden war, einmal der Kasseler Sektion des Alpenvereins. Als eine Folge des Ersten Weltkrieges und der damit verbundenen Zuordnung des Gebiets zum italienischen Südtirol ging sie durch Enteignung für die Kasseler und den deutschen Verein verloren. Im August 1926 wurde die Kasseler Hütte vom italienischen Staat dem Club Alpino Italiano (CAI) übergeben und dessen Sektion Rom zugesprochen.

Die Römer änderten den Hüttennamen in „Rifugio Vedrette Giganti“, bei den Italienern setzte sich der einfachere Begriff „Rifugio Roma“ durch, Wanderer kennen sie auch als Hochgallhütte. Für die Einheimischen blieb es aber die „Kassla-Hütte“. Wohl auch deshalb, weil die Kasseler die Bevölkerung damals immer wieder auch finanziell unterstützt hätten, heißt es in der Vereinshistorie der Sektion.

Boom beim Alpenverein hält an

Was die Mitgliederzahl anbelangt, ist die Sektion Kassel des Deutschen Alpenvereins ein Ausnahmefall. Während andere Vereine in der Region unter Mitgliederschwund und Überalterung leiden, hält der Boom beim Alpenverein an. Zum 125-jährigen Bestehen (2012) freute sich die Sektion bereits über rund 4300 Mitglieder. Heute zählt der Kasseler Alpenverein bereits rund 6200 Mitglieder. Das Kletterzentrum des Vereins auf der Marbachshöhe und der Trend zum Klettern und Bouldern locken immer neue junge Mitglieder an.

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