Akrobatik in Kassel

Wir durften Flic Flac testen: Feuer im Mund, Zweifel am Trapez

Kassel. Flic Flac gastiert dieser Tage wieder in Kassel. Nur: Wie ist es, wenn sich Laien an Akrobatik und Show probieren? Unser Redakteur Max Bülau war dabei. Ein Blick aus zwei Perspektiven.

DIE VORGESCHICHTE

Die Einladung erreicht die Lokalredaktion Ende des vergangenen Jahres. Flic Flac fragt Journalisten an, ob sie Interesse hätten, mal dies oder jenes aus dem aktuellen Programm auszuprobieren – um die Erfahrungen wiederum den Lesern näherzubringen. Der Journalist als Mittler – eine gute Idee. Diesmal im Angebot: Übungen am Trapez. Am Trapez. AM TRAPEZ? Einhellige Redaktionsmeinung: Da muss der junge Kollege aus dem Sport ran. Max Bülau, der Mann für alle Fälle – mit Muckis, die all die Männer der Lokalredaktion nicht zusammenbekommen, selbst wenn sie sie aufeinanderlegen würden. Soll er halt mal zeigen, was er kann.

Die Einladung erreicht mich am Telefon. Der Kollege ruft an und fragt, ob ich nicht Lust hätte, mal ans Trapez zu gehen. Flic Flac hätte das angeboten. Und er macht es mir schmackhaft. Ich sei der Einzige, der dafür in Frage käme. Wegen der Muskeln und so. Wie könnte ich da noch ablehnen? Der wird staunen.

Kommen da Zweifel auf? Sportredakteur Max Bülau (rechts) steht hoch oben am Trapez neben einem Künstler der Flying Martinis und überlegt, ob er an die Schaukel gehen soll?

DIE VORBEREITUNG

Draußen ist gerade ein Gewitter vorübergegangen, an die Wände des Flic-Flac-Zeltes auf dem Friedrichsplatz peitscht noch der Wind. Die Szenerie zeugt von einer gewissen Spannung. Auf den Tribünen sitzen ein paar Kinder, die gebannt auf die Manege starren. Dort steht: Kollege Bülau.

Ich bin umgezogen und stehe auf der Bühne. Kollege Florian Hagemann hat mich gerade gefragt, ob ich nervös sei? Quatsch. Ein bisschen hin und herschaukeln, fallen lassen, das war’s. Kann ich. Schaffe ich. Als Erstes soll ich mich aber aus eigener Kraft am Sicherheitsnetz hochziehen und austesten, wie es sich anfühlt, sollte ich später da reinfallen. Hoch geht’s gut. Aus dem Netz soll ich mich abrollen wie ein Turner. Bitte? Nicht mit mir. Ich setze mich auf die Kante und springe lieber herunter. So hoch ist das ja noch nicht.


DER AUFSTIEG

Kollege Bülau geht steil. Er steigt die Strickleiter energisch nach oben, zumindest sieht das alles sehr entschlossen aus. Dann steht er da, und schon der Blick nach oben erzeugt ein Gefühl von Schwindel. Wie nur mag sich der fühlen, der von oben nach unten blickt?

Die Strickleiter geht ziemlich steil nach oben – dort oben stehen zwei von den Flying Martinis, die das Trapez professionell beherrschen. Zu den beiden soll ich hinaufsteigen. Gar nicht so einfach, die Leiter schwingt hin und her. Aber ich bin ja gesichert. Und ganz ehrlich: Unten sitzt der Kollege und schaut mir zu. Schwäche zeigen? Nicht erlaubt!

Es ist schon interessant, was sich aus einem Gesicht ablesen lässt: Die Fragezeichen im Gesicht des Kollegen Bülau sind nicht sichtbar, aber doch erkennbar: Soll ich es tun? Oder soll ich das Trapez ein Trapez sein lassen? Das ist für jeden mit einem gewissen Nervenkitzel verbunden – für den oben, für die unten. In jedem steckt schließlich ein kleiner Gaffer. Und überhaupt: die Verantwortung für den Kollegen, dem man das aufgeschwatzt hat. Die Sportredaktion soll die nächste Zeit nicht ohne ihn auskommen – Winterpause im Fußball hin, Winterpause im Fußball her.

Jetzt stehe ich da oben – und ganz ehrlich: Das ist schon ziemlich hoch. Die beiden Trapezkünstler neben mir reden mir gut zu. „Setz dich erst mal.“ Alles klar. Ich überlege hin und her. Ein bisschen schaukeln, dann fallen lassen – das habe ich gedacht. Falsch gedacht, Bülau. Zweifel kommen auf. Kann ich das? Nein. Will ich das? Eigentlich schon. Soll ich? Keine Ahnung. Der Kollege auf der Tribüne? Längst vergessen. Die Entscheidung? Es geht auf der Strickleiter zurück. Und die Erkenntnis: So einfach ist das alles doch gar nicht.

Hohn, Spott? Von wegen! Respekt, Kollege Bülau. Andere kommen diese Leiter gar nicht unfallfrei hoch – geschweige denn wieder runter.


DAS NACHSPIEL

Ende? Aus? Pustekuchen! „Und jetzt noch Feuerschlucken?“, fragt einer von Flic Flac. Kollege Bülau zuckt kurz. Und geht erneut auf die Bühne zu Hubertus Wawra, dem Master of Hellfire.

Ich dachte, ich wäre hier durch. Aber noch so eine Schmach kann ich nicht verkraften. Also Feuerschlucken. Immerhin stehe ich dabei mit den Füßen auf dem Boden, den Kollegen vor mir. Keine Ahnung, was der gerade von mir denkt. Also machen. Irgendwann habe ich die Fackel dann fast ganz im Mund, atme aus – Qualm steigt auf, das Feuer ist aus. Über 200 Grad war das heiß. Geschafft. Immerhin. Ein Künstler werde ich aber wohl nicht mehr.

Service

Der Zirkus Flic Flac gastiert mit seinem 9. Festival der Artisten noch bis 14. Januar in Kassel auf dem Friedrichsplatz. Unter anderem sind die preisgekrönten D’Holmikers aus der Schweiz mit komödiantischer Kraftartistik am Barren zu sehen, die Troupe Popov zeigt eine furiose Darbietung mit dem Schleuderbrett, und die Flying Martinis präsentieren eine Flugtrapez-Show auf Weltniveau.

Karten gibt es beim HNA-Kartenservice, Tel. 0561/ 203-204 oder vor Ort an der Kasse am Zelt. Die Preise belaufen sich zwischen 21 und 56 Euro pro Ticket (ermäßigt 5 Euro günstiger). Infos: www.flicflac.de

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