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Nach Unfall eines Artisten: Darum stehen im Zirkus Flic Flac keine Sanitäter bereit

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Von: Andreas Hermann, Katja Rudolph

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Artistik mit dem Todesrad: Unser Foto zeigt vorn links den bei der Neujahrsvorstellung verunglückten Alejandro Vanegas beim Auftritt des kolumbianischen Artisten-Duos im Zirkus Flic Flac in Kassel. © Archivfoto: Andreas Fischer/nh

Nach dem Sturz eines Artisten im Zirkus Flic Flac waren viele Zuschauer erstaunt, dass im 1400 Besucher fassenden Zelt keine Sanitäter bereitstanden. Die wichtigsten Antworten zum Thema.

Man sei nicht verpflichtet, einen Sanitätsdienst vorzuhalten, erklärte Flic-Flac-Manager Martin Krockauer. Bei Unfällen oder medizinischen Problemen im Publikum werde der Rettungsdienst alarmiert. 

Auch nach Ansicht der Kasseler Feuerwehr besteht kein erhöhtes Risiko für die Flic-Flac-Zuschauer, daher sei kein Sanitätsdienst vorzuhalten. Die Sicherheit der Artisten falle unter die Betreiberverantwortung, so ein Sprecher. Nach dem Unfall während der Neujahrsvorstellung im Zirkus Flic Flac beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Thema.

Was genau ist eigentlich das Todesrad? Und was machen die Artisten bei der Nummer?

Das Todesrad ist ein spezielles Akrobatikgerät. Es handelt sich um eine acht Meter hohe Stahlkonstruktion mit zwei großen Rädern an den Enden, die als Tretmühlen funktionieren. Das heißt, die Artisten können das Todesrad mit ihrer Muskelkraft antreiben und um die Achse in der Mitte rotieren lassen. Dabei bewegen sich die Räder mit bis zu 30 Stundenkilometern Geschwindigkeit.

Bei der Show gehört es zu den spektakulärsten Momenten, wenn die Artisten auf die Außenseite der Räder klettern und dort weiterlaufen oder Kunststücke wie Seilspringen oder Salto-Sprünge machen.

Wie ist der Unfall passiert?

Zu dem Sturz vom Rad kam es laut Flic-Flac-Manager Martin Krockauer gegen Ende des Auftritts vom „Duo Vanegas“. Die Nummer ist die letzte im Flic-Flac-Programm. Der Kolumbianer Alejandro Vanegas, der zusammen mit seinem Neffen Michael Ricardo Vanegas auftritt, lief gerade außen auf dem absteigenden Rad. Dabei rutschte er ab und fiel rund zwei Meter in die Tiefe. Dabei verletzte er sich an der Ferse.

Wieso blieb der verletzte Artist erst eine Weile in der Manege liegen?

Es eilten sofort Mitglieder des Flic-Flac-Teams zu dem Verletzten, berichtet Krockauer. Der 35-jährige Artist sei einen kurzen Moment benommen gewesen, aber gleich ansprechbar. Erstmal habe man herausfinden wollen, welche Beschwerden er hatte. Denn je nach Art und Schwere der Verletzung hätte ein überstürzter Transport von der Bühne kontraproduktiv sein können. "Eine schnelle Reaktion ist nicht immer die beste Reaktion", sagt Krockauer. Es stellte sich dann aber rasch heraus, dass Vanegas nur eine leichte Verletzung an der Ferse davon trug.

Sorgt so ein Unfall innerhalb des Flic-Flac-Teams für Anspannung?

Nein, sagt Krockauer, denn zum Glück sei es glimpflich ausgegangen. Allen Artisten sei durchaus bewusst, wie gefährlich ihre Darbietungen sind. Prellungen, Verstauchungen und Knochenbrüche gehörten zum Artistenleben dazu und seien vor allem im Training nicht ungewöhnlich. Dennoch sei das Leben als Artist nicht unbedingt das gefährlichste. Krockauer: „Fußballer haben häufig viel schwerere Verletzungen.“

Wieso gibt es bei Flic Flac keinen Sanitätsdienst?

Der Zirkus ist nicht verpflichtet, vorsorglich Sanitäter vorzuhalten. Es reicht, wenn im Ernstfall per Notruf Hilfe geholt wird. Solche Fragen der Sicherheit des Publikums werden bei der Abnahme des Zirkuszelts durch die Stadt geklärt. Dabei wird die Kasseler Feuerwehr zur Beratung hinzugezogen, die verschiedene Kriterien für ihre Einschätzung heranzieht: neben der Besucherzahl geht es vor allem um die Gefährdung des Publikums. Bei Flic Flac seien die Besucher gut gesichert, sagt Michael Glemnitz von der Feuerwehr. Auch bei Veranstaltungen wie im Staatstheater oder der Stadthalle sind übrigens Sanitäter keine Pflicht. Häufig engagierten die Veranstalter aber einen Arzt oder Sanitätsdienst, um im Notfall auf der sicheren Seite zu sein, so Glemnitz.

Und wie sieht es mit dem Brandschutz aus?

Auch hier reichen bei Flic Flac die regulären Vorsichtsmaßnahmen – zumindest in diesem Jahr. Voriges Jahr musste wegen „feuergefährlicher Darbietungen“ ein Brandsicherheitsdienst vorgehalten werden – sprich: zwei Feuerwehrleute waren bei jeder Show dabei. Bei jedem Programm werde individuell geprüft, welche Vorkehrungen nötig sind, so Brandschutzexperte Glemnitz.

Wie geht es jetzt mit den Vorstellungen des "Duo Vanegas" weiter?

Die Vorstellungen am Mittwoch mussten ohne das "Duo Vanegas" stattfinden, die Nummer wurde ersatzlos gestrichen, entschied der Zirkus am Mittwochnachmittag. Wann das Duo wieder auftreten könne, ist laut Krockauer noch unklar. Man werde den Zustand von Alejandro Vanegas am heutigen Donnerstag prüfen und sehen, ob er bereits wieder fit sei. Dann könnten schon bald wieder Zuschauer wieder in den Genuss der kompletten atemberaubenden Show kommen.

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