Zirkus  FlicFlac: Höhenflüge mit und ohne Feuerstuhl

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Kassel. „Herz?“ fragte einer der beiden Navas-Brüder aus Ecuador grinsend ins Publikum, als er gerade mal ruhig dort oben auf seinem Hamsterrad stand. Nein, eher Herzrasen und feuchte Hände waren es, was die beiden Männer am Freitagabend bei der Premiere des Festivals der Artisten im Flic-Flac-Zelt auf dem Friedrichsplatz verbreiteten.

Rudy und Ray Navas' Sprünge im und auf dem Hamsterrad stehen für das, was die Show in diesem Jahr ausmacht: Flic Flac ist turbulent, waghalsig, schnell und laut. Flic Flac ist einfach mitreißend. Und die Navas bewiesen, dass nicht alle Zirkus-Akteure einen Waschbrettbauch haben müssen. Manchmal reicht es, ein bisschen verrückt zu sein. Ansonsten würde man solche Sprünge nicht wagen.

Apropos Sprünge: Sensationell sind die vier Motorcross-Freestyler, die mit ihren Maschinen am Ende der gut zweistündigen Vorstellung durch das Zelt fliegen. Benzingeruch in der Luft, spektakuläre Flüge unter dem Zirkuszelt auf engstem Raum, waghalsige Figuren bis zum Salto rückwärts. Wer dieses rasante motorisierte Spektakel der Extraklasse richtig genießen will, sollte sich allerdings eher Karten an den Zirkusseiten besorgen. Da hat man die beste Sicht.

Beim Festival der Artisten wählen Vertreter des Publikums in jedem Jahr die besten Akteure: Der Sieger erhält 15.000 Euro, der Zweitplatzierte 10.000 Euro, der Dritte 5000 Euro.

Anwärter für diese Preise gibt es in diesem Jahr viele. Dazu gehören sicher auch die Kopfkünstler aus China. Normalerweise hüpfen Menschen mit ihren Füßen, die Chinesen hüpfen mit ihrem Kopf. Einer sogar Stufen hinauf. Eine Nummer, die man nicht alle Tage sieht.

Überraschend ist auch die Laser-Performance von Stahlkraft: Der Kampfsportler Mr. Puma und der Tänzer Phoenix kämpfen mit Laserstrahlen. Das mutet mystisch an. Wie machen die das nur? Ganz einfach. Sie beherrschen die optische Täuschung perfekt. Die 1500 Premierezuschauer waren davon begeistert.

Das Sprichwort „Etwas in die Tonne treten“ haben die eineiigen Zwilllinge Long Jun und Long Bing offenbar verinnerlicht. Unglaublich, wie die beiden Handstandkünstler aus China, ihre Körper in eine Tonne stecken und dann auch noch wippen. Dazu gehören unfassbar viel Disziplin, Training und Talent. Und dabei sieht das so leicht aus.

Ob nun das Nistorov-Trio aus Italien, das mit seiner Rollschuhkunst schwindelerregende Runden dreht, die „Blue Dragons“ aus Taiwan mit ihrer tollen Diabolo-Show, der Handstand-Künstler Andrey Katkov, die Luftakrobatin Katya, die Leiter-Akrobaten SerBat-Troupe, die Jouravel-Truppe, die am Reck begeistert oder der Comedy-Entertainer Steve Rawlings (sehr witzig und ein sehr guter Jongleur) - alle Künstler haben zu einem wunderbaren Abend beigetragen. Flic Flac steht für ehrliche Unterhaltung. Eine wunderbare Gelegenheit, um der permanenten Informationsflut, die unser Leben bestimmt, zu entkommen.

Der Zirkus gastiert bis zum 12. Januar auf dem Friedrichsplatz. Karten kosten zwischen 25 und 55 Euro (ermäßigt ab 22 Euro).

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Bilder der Show

Die Show des Zirkus FlicFlac

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