Der weltberühmte Clown Oleg Popov (80) gastiert in Kassel - Seine Ausbildung begann noch im Krieg

Dem Zirkus verdankt er alles

Ungeschminkter Star: Oleg Popov (Mitte) tritt mit dem Russischen Staatszirkus in Kassel auf. Aus dem Ballett sind von links Katarina Bukhtova und Lolita Mashkova dabei. Rechts im Bild Gagik Avetisyan (Charlie Chaplin) und Popovs Ehefrau Gabriela. Foto:  Herzog

Kassel. Vor einigen Wochen hatte Oleg Popov eine Meniskusoperation. Da sei selbst ihm das Lachen vergangen, sagt der 80-Jährige, der ab heute mit dem Russischen Staatszirkus in Kassel auftritt. Von den Folgen der Operation merkt man ihm nichts mehr an, als er mit etwas Verspätung zum Gespräch erscheint.

Das Erste, was er von Kassel mitbekommen habe, seien die Staus, lässt er von seiner deutschen Frau Gabriela übersetzen. Die Bauarbeiten an der Altmarkt-Kreuzung haben ihn aufgehalten.

Schwere Momente

Mit einem Lächeln geht er darüber hinweg. Auch ungeschminkt und ohne Kostüm kommt der Clown immer wieder durch. Das ist die Rolle seines Lebens. Immer, auch in den schwersten Momenten. Als seine erste Frau vor 20 Jahren nach schwerer Krankheit in Moskau starb, war er in Deutschland auf Tournee. „Die Zuschauer freuen sich auf den Clown, sie wollen nicht wissen, wie es dem Menschen geht“, sagt Popov. Er ist Profi durch und durch. Auch wenn er das Thema wechseln will. Da hat er im richtigen Moment ein russisches Sprichwort parat. Wenn der Clown in die Stadt komme, könne man sich die Medikamente sparen. Schon vor der Übersetzung reicht ein Augenzwinkern des großen Mimen und man wird lächelnd zum Clown-Komplizen.

Heute ist Oleg Popov ein weltberühmter Star. Davon hat er als Kind geträumt. Damals, als er zum ersten Mal in Moskau im Zirkus war. Popov wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Er fing eine Schlosserlehre an, brach die aber ab. Ein Lehrer der staatlichen Zirkusschule war beim Sport auf ihn aufmerksam geworden. Im letzten Kriegsjahr begann Oleg seine Zirkusausbildung. Sein außergewöhnliches Talent fiel schnell auf. Er bekam einen Vertrag beim Staatszirkus. Begleitet von Agenten des Geheimdienstes KGB durfte er wenig später auch im Westen auftreten.

Treffen mit Chaplin

In Venedig traf Popov sein Idol Charlie Chaplin. Während der Kuba-Krise schickte der Kreml 1962 den Staatszirkus auf Propaganda-Tour nach Havanna. Popov trat mit dem Ensemble vor Soldaten auf. Außerhalb der Vorstellung mussten auch die Zirkusleute Uniform tragen. 20 Jahre später wurde Oleg Popov beim Zirkusfestival in Monte Carlo mit dem „Goldenen Clown“ ausgezeichnet. Mehr geht in seinem Beruf nicht.

Dem Zirkus verdankt Popov alles. Hier lernte er auch seine heutige Frau Gabriela kennen. Sie wollte nach der Vorstellung eigentlich nur ein Autogramm. Gabriela ist 34 Jahre jünger als ihr Mann. Auch für sie ist ein Leben ohne Zirkus nicht mehr vorstellbar. Und über den Clown an ihrer Seite sagt sie: „Er bringt auch mich zum Lachen.“

Von Thomas Siemon

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