Ludwig Maurick komponierte einst zahlreiche Schlager für das Kasseler Heimatfest

Die Melodien des Zissels - Schlager für das Kasseler Heimatfest

Sammler aus Leidenschaft: Werner Baus hat ein privates Archiv mit Zissel-Schiffchen, die in den 50er- und 60er-Jahren als Eintrittskarten dienten. Foto: Dietzel

Kassel. „Schön ist’s am Strand der Fulle“, sang Ludwig Maurick aus vollem Herzen, wenn in den 50er-Jahren zum Zissel am Rathaus geschunkelt wurde. Er war mittendrin, wenn die Kasseläner feierten.

Nichts lief ohne Ludwig Maurick, den Komponisten vieler Zissel-Lieder. „Mehr als volksnah“ – so beschreibt ihn sein Neffe Werner Baus, der sämtliche Noten und Programmhefte in seinem großen Zissel-Archiv gesammelt hat.

„Der Onkel Lutz war schon eine Granate“, sagt er. „Überall wo er auftrat, dominierte er mit seiner Bass-Stimme.“ Ludwig Maurick, der 1969 im Alter von 70 Jahren starb, lebte für die Musik. Er spielte viele Instrumente und sang bei jeder Gelegenheit. So auch zur Konfirmation seines Neffen im Jahr 1957. „Er stimmte immer gesellige Lieder und Trinklieder an“, erzählt Baus.

Jubiläum: Das Programmheft zum Zissel 1950.

Maurick wuchs als Sohn eines Hofopernsängers in Holland auf und besuchte die Hochschule für Musik in Würzburg. Seine Tätigkeit als Kapellmeister am Staatstheater führte ihn nach Kassel. „Hier war seine Heimat“, erinnert sich Werner Baus. Den Kasselänern fühlte sein Onkel sich so verbunden, dass er viele Melodien für das alljährliche Volksfest komponierte: Den Zissel-Marsch „Marie, Marie, die Fulle brennt“ und das Schunkellied (siehe Bild links). „Das war einfache Musik, für jeden singbar“, sagt Baus. In einem grünen Anzug lief er mal als Herkules im Festzug mit.

Der große Mann war sich seiner Bekanntheit in Kassel bewusst. So trat er auch auf. Wo er war, drehte sich alles um ihn, sagt Baus. „Wir schauten halt zu ihm auf.“ Der Komponist beteiligte sich auch an einem Stück zur Bundesgartenschau in Kassel im Jahr 1955: „Schon seit Langem, wie bekannt, tut sich was im Hessenland! Seit Napoleon eh und je heißt es: ,Ab nach Wilhelmshöh‘. Und es ist in diesem Jahr ohne Zweifel jedem klar, dass es wohl in Kassel niemals schöner war!“

Tondokumente der alten Kasseler Schlager gibt es leider nicht.

Von Stefanie Dietzel

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