Das Fest läuft vom 3. bis 6. August 2018

Idee kam beim Heringsessen: Der Zissel in Kassel und seine Geschichte

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Bald hängt er wieder: Mit dem Ruf „D’r Häring hängt" wird auch in diesem Jahr wieder der Zissel, Nordhessens großes Heimat- und Wasserfest, in Kassel eröffnet. 

Von Freitag bis Montag, 3. bis 6. August 2018, strömen wieder hunderttausende Menschen zum Zissel, zum großen Heimat- und Wasserfest nach Kassel. Doch was ist eigentlich der Zissel? 

Seit wann wird der Zissel gefeiert? 

Das Fest lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen, als die wassersporttreibenden Vereine in Kassel ein eigenes Fest an der Ufern der Fulda und am Auedamm feierten – eine Tradition zu Ehren des Flusses. Als Wasser- und Heimatfest wurde es 1926 zum ersten Mal gefeiert, als es noch ein großes Flussbad an der Fulda gab. Die Idee hatten Stammtischbrüder im Vereinsheim des Schützenhauses am Bleichenweg nahe der Stadtschleuse bei einem Heringsessen. Es wurde ein Zisselrat gegründet, der aus Geschäftsleuten und Bediensteten der Stadt Kassel bestand. Dazu kam auch eine Garde, die Zisselgarde. Sie setzte sich aus Vereinsmitgliedern zusammen, die die Aufgabe hatten, den Zisselrat während des Zissels symbolisch zu beschützen. Die Zisselgarde gibt es nicht mehr. Der Kasseler Show, -Tanz und Musikzug ist eine eigenständige Abteilung, der sich stark in der Jugendarbeit engagiert. Er ist seit 2013 fester Bestandteil des Vereins Zissel. 

Wie sah es in der Zeit des Nationalsozialismus und danach mit dem Zissel aus? 

In der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 wurde das Volksfest in die Kasseler Altstadt verlegt. Die Zisselgarde bestand aus SA-Männern. Wegen des Zweiten Weltkrieges fiel es dann bis 1948 aus. 1950 fand der Zissel wieder an der Fulda mit einem Schwerpunkt auf dem Messeplatz in der Unterneustadt statt. Dort entstand aber seit 1997 ein modernes Wohnviertel, sodass sich das Volksfest nach einem Zwischenspiel auf dem neu errichteten Messeplatz Schwanenwiese wieder an den Auedamm nahe der Karlswiese verlagerte.

Was bedeutet das Wort Zissel? 

Sprachforscher haben versucht, es zu deuten, aber bislang ohne Erfolg. Möglicherweise stammt zisseln aus dem Plattdeutschen und bedeutet Geld verzisseln zum Fröhlich- und Lustigsein.

Welches Symbol hat der Zissel? 

Das ist der Zisselhering (oder auf Kasselänerisch der Zisselhäring) – obwohl niemand jemals einen lebenden Hering in der Fulda schwimmen gesehen hat. Seine Bedeutung fürs Fest liegt im Dunkel. Die einen meinen, er sei ein Durst verursachender Salzhering, die anderen vermuten, dass es sich um einen gern in Kassel mit Pellkartoffeln gegessenen Schmandhering handelt. Jedenfalls ist der zirka fünf Meter lange Zisselhäring, der immer am Freitagabend in einer feierlichen Zeremonie am Rondell an der Fulda aufgehängt wird, nicht essbar - weil aus Polyester. Wenn es heißt „D’r Häring hängt“ ist das Hissen des Fisches am Freitagabend der Startschuss des Wasserfestes. Am Montag wird er dann wieder abgehängt und im Kanu-Sportclub Kassel über das Jahr hinweg aufbewahrt.

Welche besonderen Traditionen hat der Zissel noch? 

Bereits Monate vorher werden die Zisselhoheiten gewählt, die das Fest präsentieren: Zisselkönigin, Zisselprinzessin und Fullenixe. Die Fullenixe wird von den wassersporttreibenden Vereinen gestellt. Zisselkönigin und Zisselprinzessin werden durch Volkes Stimme in einer öffentlichen Veranstaltung gewählt.

Sie repräsentieren den Zissel im Jahr 2018: Lisa Hartmann (von links), Melina Schmitt und Daniela Künzel sind das Dreigestirn.

Wo wird der Zissel gefeiert? 

Das Volksfest findet beidseits der Fulda in den Boots- und Vereinshäusern sowie am Auedamm von der Drahtbrücke in Richtung Süden statt – das ist die so genannte Zisselmeile. Dort bauen Schausteller ihre Stände auf, es gibt auch Musikbühnen und Karussells. Die Besucher werden auf verschiedenen Bühnen vier Tage lang mit Livemusik verwöhnt. Unter den Bäumen zwischen Hessenkampfbahn und Regattawiese wurde in den letzten Jahren ein lauschiges Weindorf aufgebaut. Auch zwischen der Fulda- und Hafenbrücke, beispielsweise auf der Flussinsel Finkenherd, die sich am Walzenwehr an der Fulda befindet, und am Kasseler Hafen, der sich jenseits der Hafenbrücke ausbreitet, wird gefeiert.

Von wem wird der Zissel organisiert?

Der Verein heißt „Zissel in Kassel“ und ist seit 2007 der Rechtsnachfolger der Zisselgilde und des Zissel-Förderkreises. Die Kassel Marketing GmbH ist die Kooperationspartnerin und für die gewerblichen Aspekte (Zisselmeile und Bühnen) zuständig. 

Wie lautet der Zissel-Schlachtruf?

„Fullewasser, Fullewasser – hoi, hoi, hoi" erschallt es laut, wenn sich beispielsweise die Boote der Vereine während des Festumzugs am Sonntagnachmittag auf der Fulda geschmückt präsentieren.

Welches sind die Höhepunkte des Zissels? 

Am Freitagabend werden Zisselkönigin, Zisselprinzessin und Fullenixe im Prinzessgarten am Auedamm gekrönt. Anschließend gibt es traditionsmäßig den Empfang des hessischen Ministerpräsidenten. 

Am Samstagabend findet das Fackelschwimmen statt. Immer am Sonntag stehen die beiden traditionellen Festzüge auf dem Programm. Der Landfestzug durch Kassels Innenstadt findet ab 13 Uhr statt, der Wasserfestzug mit Booten auf der Fulda beginnt um 16 Uhr. 

Am Montagabend gibt es zum Abschluss immer ein großes Musikfeuerwerk auf dem Fluss. Übrigens ist der letzte Tag für viele Kasseler Betriebe ein Muss: Die Beschäftigten können sich dort nach Feierabend treffen und gemeinsam das Fest ausklingen lassen.

Mehr Infos zum Zissel gibt es auf der Homepage des Zissels. 

 

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