Uni-Präsident Postlep hält jetzige Verpflichtung der Professoren zur friedlichen Forschung für ausreichend

Zivilklausel: Senat vertagt Entscheidung

Keine Rüstungsforschung: Die Professoren der Uni haben sich bereits in den Richtlinien verpflichtet, nur für friedliche Zwecke zu forschen. Foto: dpa / Montage

Kassel. Die Debatte um eine Zivilklausel an der Uni Kassel, mit der sich die Hochschule von militärischer Forschung distanzieren soll, geht weiter. Bei seiner jüngsten Sitzung vertagte der Senat das Thema, das die studentische Initiative Arbeitskreis Zivilklausel angestoßen hatte.

„Die jüngste Senatssitzung war der Beginn einer grundsätzlichen Diskussion darüber, ob und wie eine Zivilklausel noch prominenter zu verankern ist. Wie die Diskussion ausgehen wird, ist offen“, sagte Uni-Präsident Rolf-Dieter Postlep. In der nächsten Senatssitzung am 12. Juni werde noch einmal darüber beraten. In der Sache, dass die Forschung an der Universität Kassel allein friedlichen Zwecken dienen soll, seien sich alle Beteiligten völlig einig.

Dem Arbeitskreis geht die jetzige Uni-Regelung in Sachen ziviler Forschung nicht weit genug. Bereits jetzt ist in den Richtlinien für die Professoren festgelegt, dass diese allein für friedliche Zwecke forschen sollen. Der Arbeitskreis will dies auch in der Grundordnung der Uni rechtlich bindend verankert sehen. „Ich habe Verständnis für das Anliegen der Studenten, auch wenn ich den Eindruck hatte, dass die Verpflichtung zu friedlicher Forschung in den Orientierungen für die Professoren bereits prominent verankert ist“, sagte Postlep.

Zudem hatte die Studenteninitiative gefordert, dass die Uni die privaten Geldgeber veröffentlichen soll, die der Hochschule Geld für Forschungsaufträge zur Verfügung stellen. Zudem lautete ein Vorschlag, ein Kontrollgremium einzurichten, dass über den friedlichen Charakter der Forschungen an der Uni wachen soll.

Den beiden letzten Vorschlägen steht Uni-Präsident Postlep kritisch gegenüber: „Die Drittmittelgeber können wir nur im Einvernehmen mit den Forschenden nennen, da setzen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und die Freiheit der Forschung Grenzen. Ein Kontrollgremium, das die Forschung an der Uni überprüft, lehne ich ab. Wie hier eine Überprüfung stattfinden kann, darüber hat die Diskussion begonnen.“

Arbeitskreis will nachbessern

Sebastian Geiger vom Arbeitskreis sieht nach der jüngsten Senatssitzung wenig Chancen, dass die von seiner Initiative vorgeschlagene Formulierung der Klausel in ihrer jetzigen Form Eingang in die Grundordnung finden wird. „Dafür müssten sich beide Seiten noch etwas bewegen“, sagt Geiger. Deshalb wolle er versuchen, eine konsensfähige Formulierung zu finden.

Bei einer Urabstimmung zum Thema hatten sich Anfang des Jahres über 72 Prozent der Studenten für eine Zivilklausel ausgesprochen.

Von Bastian Ludwig

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.