Ehemalige Niedervellmarer Schüler erinnerten sich an ihre Konfirmation im Jahr 1952

Zöpfe ab, Dauerwelle rein

Erinnerungen: Gern erinnern sich Karl Heinz Schneider (von links), Ingeborg Zinn, geb. Dilcher, Christa Schaub, geb. Persch, Marion Vitt, geb Brede, und Edith Kunze, geb. Waldeck, an die gemeinsame Konfirmationszeit vor 60 Jahren. Foto: Brandau

Vellmar. Sieben Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, am 20. April 1952, wurden 59 Jungen und Mädchen aus Frommershausen und Niedervellmar gemeinsam vom damaligen Gemeindepfarrer Paul Eichhorn in der Frommershäuser Kirche konfirmiert. Jetzt trafen sich 28 der Ehemaligen aus Niedervellmar, um mit Pfarrer Matthias Risch in der Adventskirche das Fest der Diamantenen Konfirmation zu feiern.

„Es waren schwere Zeiten“, erklärt Marion Vitt, eine der Initiatorinnen der Jubiläumsfeier. Viele Väter seien im Krieg gefallen oder vermisst gewesen, und Deutschland habe sich erst ganz allmählich von den Folgen des verheerenden Krieges erholt. Trotzdem sei es stetig aufwärts gegangen.

Gottesdienst war Pflicht

„Zu Beginn unserer Konfirmationszeit hat Pfarrer Walther Lenz noch den Unterricht erteilt“, erinnert sich Edith Kunze. Erst wenige Monate vor der Konfirmation habe Paul Eichhorn, ein junger Pfarrer, den Konfirmationsjahrgang übernommen. Anwesenheitspflicht habe es nicht nur im Unterricht gegeben, sondern auch beim sonntäglichen Gottesdienst, weiß Ingeborg Zinn zu berichten. Lehrer Kiepe spielte mit einer Hand die Orgel und bohrte mit der anderen in seiner Nase. „Wir waren amüsiert und fasziniert, denn seine Fundstücke versuchte er mit den Fingern wieder los zu werden. Da wurde die Predigt zur Nebensache.“

Eine Besonderheit gab es vor 60 Jahren für die Schüler. Sie wurden am 20. April konfirmiert, hatten aber bereits am 1. April ihre Ausbildungsplätze angetreten. „Es war damals nicht leicht, eine Lehrstelle zu bekommen“, sagt Karl Heinz Schneider. Wer nicht bereits auf eine höhere Schule ging, erlernte meist einen handwerklichen Beruf.

Für die Mädchen gab es noch eine weitere Besonderheit. Zur Konfirmation wurden die Zöpfe abgeschnitten, die viele Schülerinnen traditionell bis dahin noch trugen. Es gab die erste Dauerwelle für die jungen Damen, die damit in der Welt der Erwachsenen angekommen waren.

Bestickte Taschentücher

„Konfirmationsgeschenke fielen im Vergleich zur heutigen Zeit recht dürftig aus“, erinnert sich Christa Schaub. Für die Mädchen gab es meist bestickte Taschentücher, Aussteuer oder Unterwäsche, und wo der Vater im Krieg geblieben war, kam der Pfarrer am Konfirmationstag zum Kaffeetrinken in die Familien. Mit der Konfirmation war für uns das Thema Kirche aber nicht abgeschlossen. „Auch danach sind wir noch zum Gottesdienst gegangen“, bestätigen die fünf, die mit ihren ehemaligen Mitschülern bei der Jubiläumsfeier viele Erinnerungen ausgetauscht haben. Darunter war auch Hans vom Hofe, ein ehemaliger Klassenkamerad, der damals nach Amerika ausgewandert war und wie vor zehn Jahren auch bei der Diamantenen Konfirmation in seiner früheren Heimat nicht fehlen wollte.

Von Werner Brandau

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