Fünf Millionen Euro Schaden

Zoll: Oft Schwarzarbeit bei öffentlichen Bauten - Verstöße einkalkuliert

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Große Zollkontrolle auf Baustelle der Uni Kassel

Kassel. In Kassel und Nordhessen entsteht jedes Jahr ein Millionenschaden durch Schwarzarbeit. Allein bei den vom Zoll in der Region aufgedeckten Fälle des vergangenen Jahrs sind Fiskus und Sozialkassen fünf Mio. Euro entgangen.

Dabei sind es vor allem Baustellen der öffentlichen Hand, auf denen schwarzgearbeitet wird. In dieser Woche sind bei einer Kontrolle auf der Baustelle für das Gründerzentrum Science-Park, das Universität und Stadt Kassel bauen lassen, mehrere Fälle von Schwarzarbeit aufgeflogen. Bei öffentlichen Großbaustellen stelle man immer wieder Verstöße fest, sagt Michael Bender vom zuständigen Hauptzollamt Gießen. Ein Grund sei die Vergabepraxis für öffentliche Bauvorhaben. Da in der Regel das Unternehmen mit dem niedrigsten Angebot den Zuschlag bekommt, gibt es in der Baubranche einen hohen Preisdruck. Häufig würden von den Hauptauftragnehmern Arbeiten an Subunternehmen weitergegeben, die extrem günstige Preise böten, sagt Bender. Einige kalkulierten dabei illegale Methoden ein, um wettbewerbsfähige Preise machen zu können.

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Auf der Science-Park-Baustelle hatte ein Subunternehmen aus Berlin für zehn Bauarbeiter aus dem Ausland keine Sozialversicherung gezahlt. Drei Albaner hatten keine Arbeitserlaubnis. Der beauftragte Generalunternehmer Riedel-Bau (Schweinfurt) will von der Tätigkeit des Subunternehmens nichts gewusst haben.

Neben solchen Verstößen sei vor allem das Unterschreiten der Mindestlöhne im Bau ein Problem, sagt Klaus-Dieter Körner von der Gewerkschaft IG Bau in Hessen. Dabei werde beispielsweise getrickst, indem man den Arbeitern für acht Stunden den Mindestlohn zahle, sie de facto aber zwölf Stunden arbeiteten. Die Gewerkschaft fordert ein Vergabegesetz für Hessen, das Tarif- und Mindestlöhne vorschreibt, um die Preisspirale zu stoppen. Außerdem seien massive Kontrollen und Sanktionen nötig.

Von Katja Rudolph

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