Tierheim Wau-Mau-Insel stößt an seine Grenzen

66 Hamster in Eimer eingepfercht: Veterinäre bringen Tiere in Sicherheit

Kassel. 66 Hamster auf engstem Raum hielt eine Züchterin in Kassel. Unter anderem von Bisswunden und miserabler Hygiene ist die Rede. Ein Kunde informierte schließlich bestürzt den Veterinärdienst, der die Tiere in Sicherheit brachte. 

Das Tierheim Wau-Mau-Insel hat in dieser Woche mit 66 Hamstern großen Zuwachs bekommen. Die Tiere stammen nach Angaben des Amtes für Verbraucherschutz und Tiergesundheit aus dem Haushalt einer privaten Züchterin aus Kassel, die die Tiere auf engstem Raum hielt. Alarmiert von Bisswunden an den Tieren, habe ein Kunde den Veterinärdienst informiert, der die 66 Goldhamster sicherstellte und in das Tierheim brachte.

Ein neues Zuhause: Die Hamster leben nun im Tierheim Wau-Mau-Insel und warten eine Vermittlung. Foto: Koch

Für die Wau-Mau-Insel ist die Hamster-Invasion nicht der erste Fall dieser Art. „Vergangenes Jahr wurden uns über 70 Wüstenrennmäuse zugeteilt, die in einem Haushalt sichergestellt wurden. 2009 waren es mehrere Hundert Meerschweinchen und 2008 25 Zwergkaninchen“, berichtet Tierheimleiter Karsten Plücker. Dieses Phänomen, das stetig zunimmt, ist unter dem Begriff „Animal Hoarding“ bekannt und bezeichnet das krankhafte Horten von Tieren auf begrenztem Raum.

Dabei vernachlässigen die Halter Hygiene, Pflege und Fütterung, was sich bis zur totalen Verwahrlosung steigern kann. „Ein klassischer Fall von Animal Hoarding war hier nicht gegeben“, sagte Dr. Heiko Purkl, Leiter der Abteilung Tierschutz. Im Vergleich zu anderen Hoarding-Fällen seien die Hamster in einem relativ guten Zustand gewesen. Dennoch habe die Züchterin die Tiere in einer Gruppe von bis zu zwölf Hamstern in Plastikeimern und Kisten und damit „absolut tierschutzwidrig“ gehalten, berichtet Purkl. Darunter hätten die freiheitsliebenden Einzelgänger gelitten.

Eingepfercht und verschmutzt: Aus diesem Zustand befreite der Veterinärdienst die 66 Goldhamster und brachte sie in das örtliche Tierheim. Foto: Privat/nh

Die einzige Möglichkeit sei dann Wegnahme und andere Unterbringung der Tiere, sagt Purkl. „Solche Fälle häufen sich in letzter Zeit zunehmend“, sagt Purkl. Dass Tierhorter in schlechter Absicht handeln, ist nicht immer die Regel. Oft würden auch Menschen so handeln, die sich als Tierschützer bezeichnen, sagt Karsten Plücker. Sie wollen den Tieren ein gutes Zuhause bieten, verlieren aber irgendwann den Überblick, und die Tiere verwahrlosen und vegetieren schlimmstenfalls dahin, beschreibt Plücker. Es gebe aber auch Hobbyzüchter, die viel Geld verdienen wollen, aber nicht genügend Platz für die Tiere hätten und nicht die Zeit, sie ausreichend zu versorgen.

Die Kleintierstation der Wau-Mau-Insel stößt nun durch den Hamsterzuwachs räumlich und finanziell an ihre Grenzen. Da die Hamster nicht nach Geschlechtern getrennt waren, sei außerdem damit zu rechnen, dass einige der weiblichen Tiere trächtig sind. Die Wau-Mau-Insel sucht daher dringend Menschen, die einen der Hamster bei sich aufnehmen möchten. Sachspenden wie Häuschen, Näpfe, Streu und Hamsterfutter werden ebenfalls dringend benötigt.

Informationen: Tierheim Wau-Mau-Insel, Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel. Tel. 0561/861 56 80 oder unter www.wau-mau-insel.de Von Daniel Göbel

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