Mit Harry Piel fing alles an

Über 300 hat er schon: Kasseler ist leidenschaftlicher Autogrammsammler

Der 87-jährige Gerhard Alich sammelt seit vielen Jahren Fotos mit Unterschriften von Politikern und Prominenten.

Kassel. Über 300 Autogramme, 13 Alben: Der 87-jährige Gerhard Alich sammelt seit vielen Jahren Fotos mit Unterschriften von Politikern und Prominenten. Er kennt so einige Tricks, um bei den Stars nicht abzublitzen. Und er hat sie alle: Zumindest alle Schriftzüge der Bundespräsidenten und -kanzler.

„Mit ihm fing alles an“, erinnert sich der Rentner und holt eine alte Schwarz-Weiß-Aufnahme von Harry Piel hervor. Der war kein Politiker, sondern ein berühmter Schauspieler. Nach einer herzergreifenden Szene in Piels Film „Menschen, Tiere, Sensationen“ aus dem Jahr 1938 schrieb Alich kurzerhand einen wohlformulierten Brief an den Schauspieler mit der Bitte um ein signiertes Foto, und tatsächlich – wenige Wochen später erhielt der damals 17-Jährige Post aus München. Kurz darauf wurde Alich 1944 in die Wehrmacht eingezogen und ging zur Marine. „Die Autogrammkarte habe ich natürlich mitgenommen“, erzählt der Schlesier.

Eigentlich aus Neisse stammend, zog es Alich nach Jahren in russischer Kriegsgefangenschaft nach Kassel, wohin seine Familie während des Zweiten Weltkrieges geflohen war. Immer mit dabei – das Foto von Harry Piel: „Selbst im Gefangenenlager durfte ich es behalten und habe es wie einen Schatz behütet.“

Liebevoll „Papa Heuss“ genannt: Deutschlands erster Bundespräsident Theodor Heuss.

Kaum in der neuen Heimat angekommen, nahm Alich sein Hobby wieder auf. Alles war im Wandel, und besonders die politischen Entwicklungen dieser Zeit hatten es ihm angetan. Kein Wunder also, dass er im Besitz aller Unterschriften der Bundespräsidenten und Bundeskanzler ist. „Nebst der jeweiligen Gattin, versteht sich.“ Denn das ist Alichs „Masche“, wie er selber sagt.

Wortgewandt und mit viel Charme schrieb er die jeweiligen Politikerfrauen an und bat um ein signiertes Bild des Paares. Mehrere handschriftliche Antwortbriefe mit den dazugehörigen Autogrammen finden sich so in Alichs Sammelordnern. „Und alle echt“, weiß der Kenner. Mit geübtem Blick kann er Original von Fälschung unterscheiden.

Besonders stolz ist Alich auf das Autogramm von Deutschlands erstem Bundespräsidenten Theodor Heuss.

Tränen steigen in seine Augen, denkt er an „Papa Heuss“ zurück. So viele Erinnerungen – liebevoll geordnet und über Jahre beschützt. „Es wäre eine Schande, kämen sie irgendwann einmal weg“, sagt Gerhard Alich. „Wenn ich einmal nicht mehr bin, wüsste ich sie gern in guten Händen.“

Suche nach Gleichgesinnten

Autogrammsammler auf den Spuren von Inge Schulz und anderen Hobbyteilern 

Damit Gerhard Alichs Sammlung von Autogrammen und Briefen prominenter Menschen nicht in Vergessenheit gerät, ist es dem 87-Jährigen ein Herzenswunsch, gleichgesinnte Unterschriftenjäger und -sammler kennenzulernen, die seinen Schatz zu ehren wissen.

„Wenn es einen Autogramm-Club oder Verein in Kassel gibt, wäre es sehr schön, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten“, sagt Alich und merkt an: „Besonders freuen würde ich mich über eine Nachricht von Frau Inge Schulz.“

Gesucht: Die damals 20-jährige Inge Schulz. Hier das Bild des HNA-Artikels aus dem Jahre 1966.

Als langjähriger HNA-Leser habe er vor 48 Jahren einen Artikel gelesen, der ihm aus dem Herz gesprochen und den er deshalb aufbewahrt hat. In der Stadtausgabe Nr. 53 von Freitag, 4. März 1966, wurde die damals 20-jährige Inge Schulz, beschäftigt beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof, als Autogrammsammlerin mit ihrem „ausgefallenen Hobby“ vorgestellt. Damal war diese Sammelleidenschaft noch keine Selbstverständlichkeit und auch nicht leicht, weiß Alich. Umso schöner sei es gewesen, von Gleichgesinnten zu lesen, die sich auch solche Mühe geben.

Artikel im digitalen Archiv

Der Artikel aus dem Jahre 1966 ist im digitalen Archiv der HNA nachzulesen, einer Sammlung alter HNA-Ausgaben, die im PDF-Format gelesen und heruntergeladen werden können. Es beinhaltet alle Kassel-Ausgaben der HNA seit 1945. Abonnenten können die archivierten HNA-Ausgaben unter www.meinehna.de kostenfrei lesen, speichern oder ausdrucken.

Wer Kontakt zu Gerhard Alich aufnehmen möchte und Tipps zu Autogramm-Clubs in Kassel hat, wendet sich bitte per E- Mail an die HNA unter: kontakt@hna.de

Von Melanie Triesch

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