Vor 335 Jahren kamen Glaubensflüchtlinge nach Nordhessen

Zufluchtsort Kassel: Buch über Hugenotten in der Region

Neue Heimat für Glaubensflüchtlinge: Die von den Hugenotten erbaute Karlskirche wurde zum Symbol des Ankommens. Das Gemälde von Ernst Metz zeigt die Kirche und den Markt auf dem Karlsplatz 1834. Repro: Karsten Socher /nh
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Neue Heimat für Glaubensflüchtlinge: Die von den Hugenotten erbaute Karlskirche wurde zum Symbol des Ankommens. Das Gemälde von Ernst Metz zeigt die Kirche und den Markt auf dem Karlsplatz 1834. Repro: Karsten Socher /nh

Als vor über 300 Jahren die hugenottischen Glaubensflüchtlinge aus Frankreich nach Nordhessen kamen, wurden sie von der einheimischen Bevölkerung eher skeptisch betrachtet. Es hat viele Jahrzehnte gedauert, bis sie wirklich angekommen sind und integriert waren.

Kassel - Das kann man in vielen Facetten in einem neuen Buch des Kasseler Euregioverlages aus der Reihe „Die Region trifft sich, die Region erinnert sich“ nachlesen.

Bereits zum zweiten Mal in Folge müsse man auf das große Treffen mit Buchvorstellung in den eigenen Räumen verzichten, sagte Sparkassenchef Ingo Buchholz bei der Präsentation des Bandes. Mit der frisch sanierten Karlskirche konnte es allerdings kaum einen besseren Ort für die Vorstellung geben. Als Oberneustädter Kirche von dem Hugenotten Paul du Ry gebaut, ist das Gotteshaus ein Symbol für die Bereicherung, die die Glaubensflüchtlinge für die Region bedeuteten. Ohne die Baumeisterfamilie du Ry gäbe es weder das Fridericianum noch den Königsplatz. Denis Papin war einer der wichtigsten Wissenschaftler am Hof von Landgraf Karl. Zahlreiche Handwerker brachten ihre Traditionen mit nach Nordhessen.

Unter anderem ein Brauer namens Pierson. Aus dieser Familie stammt die berühmte Märchenfrau Dorothea Viehmann, die auf der Knallhütte geboren wurde.

Im Jahr 1686, also vor 335 Jahren, kamen die ersten Hugenotten aus Frankreich hier an. Der damalige Landgraf Karl hatte sie in eine Region eingeladen, die noch vom 30-jährigen Krieg gezeichnet war.

Buchpräsentation in der Karlskirche: Verlegerin Renate Matthei (von links), Ingo Buchholz (Sparkasse) und Herausgeberin Renate Buchenauer.

Nicht alle Flüchtlinge blieben, die meisten fanden hier aber eine neue Heimat und ein Auskommen. Das galt auch für die ab 1721 im Wesertal angesiedelten Waldenser. Die Beiträge von 19 Autoren, darunter Herausgeberin Renate Buchenauer, beschreiben die Umstände des Ankommens der Flüchtlinge und zeigen deren Einfluss bis in die Gegenwart. Von Hofgeismar über Karlshafen, von Kelze bis St. Ottilien sind die Spuren der französischen Réfugiés (Flüchtlinge) sowohl in der Architektur als auch in Wirtschaft und Kultur sichtbar. Und natürlich auch in Kassel, obwohl hier die Bomben des Zweiten Weltkrieges vieles zerstört haben.

Das Buch greift zudem das Thema Flucht und Vertreibung in der Gegenwart auf. Die Integration damals sei eine Erfolgsgeschichte gewesen, sagt Verlegerin Renate Matthei. Vielleicht könne man daraus etwas lernen.

Zufluchtsort Kassel – Hugenotten und Waldenser in Nordhessen, Herausgeber Renate Buchenauer, Verein Hugenotten- und Waldenserpfad, Euregioverlag, 168 S., zahlreiche Abbildungen, 20 Euro, im Buchhandel erhältlich. (Thomas Siemon)

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